In Liestal hat ein Teil der Deckenkonstruktion im Sitzungszimmer der Baselbieter Regierung zu einem erheblichen Sicherungsfall geführt. Der Einsturz einer Gipskartondecke hat in der Folge Untersuchungen ausgelöst, die weitreichende Schäden und Mängel im historischen Regierungsgebäude aufdeckten. Als unmittelbare Folge muss das Kantonsparlament ausser Haus tagen, bis Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Ursache: Ausziehversagen der Schraubenverbindung
Die technische Untersuchung ergab laut Angaben des Baudirektors Isaac Reber, dass der Einsturz auf ein Ausziehversagen der Schraubenverbindung zurückzuführen sei. Konkret heisst das, dass die Schraubengewinde nicht mehr korrekt gegriffen hätten. Die Folge war, dass sich die Deckenverkleidung "vollflächig" gelöst und herabgekommen sei.
«Die Decke ist aus dem Nichts runtergefallen.» — Isaac Reber, Baudirektor
Der stellvertretende Kantonsarchitekt Thomas Zaugg schilderte, dass der Einsturz zunächst kaum bemerkt worden sei. «Wir hatten einen Workshop in einem Sitzungszimmer und haben nichts mitbekommen», sagte Zaugg. Aus den vorliegenden technischen Abklärungen geht hervor, dass es zuvor keine sichtbaren Anzeichen wie Risse oder langanhaltende Geräusche gab.
Mehr als nur eine Decke: Befall und Feuchtigkeit in historischen Konstruktionen
Die nun abgeschlossenen Kontrollen beschränkten sich nicht auf das betroffene Regierungszimmer. Es zeigte sich, dass auch andere Decken im Gebäude ähnliche Schraubenverbindungen aufweisen und damit potenziell gefährdet sind. Zusätzlich entdeckten die Baubehörden in den historischen Holzbalkenkonstruktionen und in den Mauern Feuchtigkeitsschäden und Schädlingsbefall. Betroffen sind demnach Räume im Bereich des Landratssaals, darunter Foyer und Cafeteria, die sich im selben Gebäudekomplex befinden.
- Betroffener Raum: Sitzungszimmer der Regierung (Einsturz der Gipskartondecke)
- Weitere kontaminierte Bereiche: Foyer und Cafeteria beim Landratssaal
- Gefundene Mängel: Ausziehversagen von Schraubverbindungen, Feuchtigkeitsschäden, Schädlingsbefall in Holzbalken und Mauern
Auswirkungen auf parlamentarische Abläufe und Gebäudeunterhalt
Weil der Landratssaal oberhalb des betroffenen Regierungszimmers liegt, kann der Landrat in den nächsten Wochen nicht wie üblich im Gebäude tagen und muss ins Exil ausweichen. Die Decke unter dem Landratssaal muss saniert werden, weitere Decken werden überprüft und bei Bedarf ertüchtigt. Konkrete Termine für die Wiederaufnahme der normalen Sitzungen im Gebäude nannte die Baudirektion noch nicht.
Die Behörden betonten, dass der Einsturz glimpflich verlief, weil sich zum Zeitpunkt des Versagens niemand im Raum aufhielt. Dennoch veranlassten die Vorkommnisse vertiefte Abklärungen zu Bauausführung und Zustand der historischen Substanz des Ende des 18. Jahrhunderts erstellten Hauses.
| Fakt | Stand |
|---|---|
| Ursache des Einsturzes | Ausziehversagen der Schraubenverbindung |
| Weitere Gefährdungen | Weitere Decken mit ähnlicher Befestigung, Feuchtigkeit, Schädlingsbefall |
| Betroffene Bereiche | Regierungszimmer, Foyer, Cafeteria; Landratssaal oberhalb betroffen |
Die Erkenntnisse werfen Fragen zur Baukontrolle und zur Qualität früherer Sanierungsarbeiten auf. Offen ist, weshalb die betroffenen Deckenverbindungen versagten und ob bei früheren Sanierungen prüfbare Mängel übersehen wurden. Medienberichte verweisen darauf, dass einzelne Deckenbauteile erst 2004 installiert wurden und bei der umfassenderen Teilsanierung 2024 nicht überprüft worden sein sollen.
Die Ereignisse führen nun zu einer Priorisierung von Sofortmassnahmen an einem kulturhistorisch sensiblen Gebäude in Liestal. Die Baudirektion und die kantonalen Fachstellen stehen in der Pflicht, die Ursachen lückenlos zu klären und die Sicherheit für Parlament und Mitarbeitende rasch wiederherzustellen.