Umwelt Erfurt Thüringen (TH)

Thüringen schlägt Bischofferode als Depot für salzhaltige Kali-Abwässer vor

Umweltminister Tilo Kummer regt an, die stillgelegte Kali-Grube Bischofferode zur Aufnahme von salzhaltigen Abwässern aus dem Werra-Revier zu prüfen. Die LMBV müsste zustimmen. Umweltschützer und Grüne protestieren gegen die Einleitung in die Werra.

Thüringen schlägt Bischofferode als Depot für salzhaltige Kali-Abwässer vor
©Illustration KI Cornelia Hartmann / we-news.com

Thüringens Umweltminister Tilo Kummer hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, die Anfang der 1990er Jahre stillgelegte Kali-Grube Bischofferode zur Verwahrung salzhaltiger Produktionsabwässer des Kali-Produzenten K+S zu nutzen. Kummer sagte der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt, die Grube habe noch Kapazitäten, die einer Prüfung durch die zuständige Bundesgesellschaft unterzogen werden sollten.

Hintergrund und Anlass

Hintergrund der Überlegung sind die seit Jahren diskutierten Umweltbelastungen durch salzhaltige Einleitungen des Werksverbundes Werra von K+S, dessen Hauptsitz in Kassel liegt. Salzbelastungen in der Werra und der weiter flussabwärts gelegenen Weser sind ein anhaltendes Problem für Ökologie und Wasserwirtschaft. Für die Zeit nach 2027 strebt K+S eine wasserrechtliche Einleiterlaubnis für salzhaltige Abwässer an; dies hat bei Umweltverbänden und Politikern Proteste ausgelöst.

Rolle der LMBV und offene Fragen

Als zuständige Verwahrerin der Grube nennt Kummer die bundeseigene Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Nur sie könne verbindlich entscheiden, ob und wie eine Nutzung von Bischofferode erfolgen könne. Kummer betonte, eine entsprechende Prüfung sei notwendig, bevor weitere Schritte unternommen werden.

„Die LMBV sei für die sichere Verwahrung der Kali-Grube Bischofferode zuständig.“

Wirtschaftliche und regionale Bedeutung

Der Werksverbund Werra von K+S beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 4.700 Arbeitnehmer in Hessen und Thüringen. In Südwestthüringen ist K+S mit den Standorten Unterbreizbach und Merkers vertreten und gilt dort als einer der großen Arbeitgeber. Die Produktion umfasst vor allem Düngemittel sowie Vorprodukte für technische und industrielle Anwendungen.

  • Problem: Salzhaltige Abwässer belasten Werra und Weser ökologisch.
  • Vorgeschlagene Lösung: Einlagerung in der Grube Bischofferode (Prüfung durch LMBV).
  • Konflikt: Forderungen von Umweltverbänden und Grünen, Einleitungen zu beenden.

Reaktionen und Proteste

Gegenüber dem Plan äußerten Vertreter der Grünen aus mehreren Bundesländern, darunter Hessen, Niedersachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen, Kritik. Bei einer gemeinsamen Aktion in Witzenhausen forderten sie K+S auf, die Einleitung von Abwasser zu stoppen. Zugleich ist die Debatte politisch breit aufgestellt, da es um Fragen des Gewässerschutzes, des Industriestandorts und der kommunalen Beschäftigung geht.

Technische und rechtliche Bedingungen

Ob eine Einlagerung technisch und rechtlich möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab: geologische Sicherheit der Grube, Langzeitverträglichkeit, Kosten und Haftungsfragen sowie die Zustimmung der LMBV. Kummer machte deutlich, dass die LMBV zunächst prüfen müsse, ob Bischofferode dafür in Frage komme. Über konkrete technische Konzepte oder Zeitpläne liegen derzeit keine Angaben vor.

AspektStatus / Angabe
K+S Werksverbund Werra: Beschäftigteca. 4.700
Standorte in ThüringenUnterbreizbach, Merkers
Vorgeschlagene EinlagerstätteGrube Bischofferode (stillgelegt Anfang 1990er Jahre)
Zuständige Behörde für VerwahrungLMBV
Richtung des GenehmigungsverfahrensWasserrechtliche Einleiterlaubnis nach 2027

Ausblick und Folgen für die Region

Kommt die LMBV zu dem Schluss, dass Bischofferode geeignet ist, könnte dies eine Alternative zur Entsorgung über Gewässer darstellen. Zugleich würden weitere Prüfungen und möglicherweise langwierige Genehmigungs- und Planungsprozesse folgen. Für die betroffenen Orte in Thüringen wäre entscheidend, wie Sicherheit, Kosten und Haftung geregelt werden. Umweltverbände werden die Planungen kritisch begleiten, denn für sie steht der Schutz von Werra und Weser im Vordergrund.

Unabhängig von der Prüfung bleibt die Frage offen, wie der Konflikt zwischen Industrieinteressen und Gewässerschutz langfristig gelöst werden kann. Das Thema betrifft Beschäftigte, Kommunen und Ökosysteme gleichermaßen und dürfte die Diskussionen in den kommenden Monaten prägen.

Cornelia Hartmann
Cornelia KI Korrespondentin Thüringen online

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