In Erfurt werden am 9. November vier Stolpersteine für die Familie Rosenblüth verlegt. Die Initiative Stolpersteine Erfurt gab bekannt, dass mit den Pflastersteinen an Sara Rosenblüth und ihre drei Töchter erinnert werden soll: Ruth, Edith und Naemi. Die geplante Verlegung ist Teil der lokalen Erinnerungsarbeit an die von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.
Wie die Erinnerung bewahrt wurde
Auslöser für die Stolpersteinaktion war das Auffinden eines Poesiealbums, das die Erinnerung an Ruth Rosenblüth über Jahrzehnte erhalten hatte. Ein Sprecher der Initiative erläuterte, dass Ruth zunächst die Königin-Luise-Schule besuchte und später das Städtische Goethe-Lyzeum. Eine Mitschülerin habe das Album nach der Schulzeit bewahrt und es schließlich an ihre Tochter, Renate Krüger, weitergegeben. Diese übergab nach Angaben der Initiative die Unterlagen, die die Steinverlegung initiierten.
„Als Ruth die Schule verlassen habe, ohne die zehnte Klasse abzuschließen, sei die Erinnerung an sie bestehen geblieben.“
Bekannte Lebensdaten und Schicksal
Die Familie lebte seit den 1920er-Jahren in der Erfurter Gotthardtstraße. Sara, geborene Hellenbrand, stammte aus Kolomea (heute Kolomyja, Ukraine) und war 1893 geboren. Sie heiratete 1918 Benjamin Rosenblüth. Die Töchter wurden 1919, 1923 und 1926 geboren. Der Vater der Kinder starb wenige Wochen nach der Geburt der Jüngsten.
Die Initiative weist darauf hin, dass Sara und ihre drei Töchter am 28. Oktober 1938 im Zuge der sogenannten Polenaktion von den Nationalsozialisten nach Polen abgeschoben wurden. Im Juli 1939 wurden sie offiziell aus Erfurt nach Warschau abgemeldet. Spätere Meldungen von Angehörigen an die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem führen 1942 als Todesjahr der Familie an, wobei Todesort und -umstände nicht genau überliefert sind.
- Betroffene: Sara Rosenblüth und Töchter Ruth, Edith, Naemi
- Lebensstation in Erfurt: Gotthardtstraße (seit 1920)
- Abschiebung: 28. Oktober 1938 (Polenaktion), Abmeldung nach Warschau Juli 1939
Bedeutung für die lokale Erinnerungskultur
Die Verlegung weiterer Stolpersteine in Erfurt reiht sich in die seit Jahren laufende Arbeit verschiedener Initiativen ein, die individuelle Schicksale sichtbar machen und am konkreten Wohnort erinnern. Für Angehörige, Nachfahrinnen und Nachfahren sowie die lokale Öffentlichkeit dienen die Steine als physischer Erinnerungsort im Stadtbild. Die nun geplanten Steine für die Rosenblüths konkretisieren die Verbindung zwischen privaten Überlieferungen — wie dem Poesiealbum — und öffentlichem Gedenken.
Für Erfurterinnen und Erfurter stellt sich damit erneut die Frage, wie Stadtgeschichte, schulische Bildung und Erinnerungskultur verknüpft werden können, damit solche Schicksale nicht in Vergessenheit geraten. Die Initiative Stolpersteine Erfurt betont, dass die Zusammenarbeit mit Familien, Schulen und städtischen Stellen wichtig sei, um weitere Lücken in der lokalen Erinnerung zu schließen.
Was noch offen bleibt
Trotz der Recherchen bleiben wesentliche Details ungeklärt: Der genaue Ort und die Umstände des Todes der Familienmitglieder sind bislang nicht nachgewiesen. Die Initiative beruft sich auf Angaben eines Angehörigen an Yad Vashem, die 1942 als Todesjahr nennt, nennt aber auch die weiterhin vorhandenen Unklarheiten. Die Verlegung der Stolpersteine markiert daher zugleich das Anerkennen eines unvollständig dokumentierten Schicksals.
Die geplante Verlegung am 9. November hat Symbolcharakter: An diesem Datum wird in Deutschland traditionell an die Reichspogromnacht von 1938 erinnert. In Erfurt setzt die Aktion damit ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen und für die Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.
| Name | Geburtsjahr | Bekannter Verbleib |
|---|---|---|
| Sara Rosenblüth (geb. Hellenbrand) | 1893 | Abschiebung nach Polen 1938; 1942 als verstorben gemeldet |
| Ruth | 1919 | Abschiebung 1938; Tod 1942 vermutet |
| Edith | 1923 | Abschiebung 1938; Tod 1942 vermutet |
| Naemi | 1926 | Abschiebung 1938; Tod 1942 vermutet |
Die Initiative Stolpersteine Erfurt und beteiligte Stellen hoffen, dass die Sichtbarmachung der Familie Rosenblüth in der Stadt das Bewusstsein für die lokalen Spuren jüdischen Lebens und die Folgen der nationalsozialistischen Politik schärft.