In Mecklenburg‑Vorpommern hat die Jagdsaison begonnen und die Lage rund um das Schwarzwild steht erneut im Blickpunkt: Nach Angaben des Landesjagdverbandes MV wurden im Jagdjahr 2025/2026 rund 80.000 Wildschweine erlegt, sagte der Präsident des Verbandes, Florian Asche. In einzelnen Jahren seien sogar knapp 100.000 Stück erfasst worden.
Bestandsaufnahme und Gründe für starke Vermehrung
Der Verband führt die hohen Zahlen auf günstige Lebensbedingungen zurück: Die Kombination aus großflächigen Agrarlandschaften, viel Deckung in Wäldern und Gehölzen sowie guter Nahrungsverfügbarkeit fördere die Reproduktion des Schwarzwilds. Diese Faktoren führten landesweit zu dichten Beständen, die regelmäßig durch Drück‑ und Treibjagden reguliert werden.
Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums ist die Bejagung zudem ein wesentlicher Baustein der Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Die ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die für Menschen ungefährlich ist, aber bei Wild‑ und Hausschweinen zu schweren Krankheitsverläufen bis zum Tod führen kann. Entsprechende Maßnahmen zur Überwachung und Minimierung von Kontakten zwischen Wild‑ und Hausschweinen bleiben demnach wichtig.
Jagdaktivitäten und Artenvielfalt
Neben Wildschweinen stehen in Mecklenburg‑Vorpommern auch Rehwild, Füchse und Waschbären im Fokus der Bejagung. Die Bestände dieser Arten würden derzeit ebenfalls zunehmen, teilt der Landesjagdverband mit. In der Hauptjagdsaison werden landesweit Drück‑ und Treibjagden durchgeführt, die vorrangig auf Schwarzwild zielen, aber auch anderen jagdbaren Arten dienen.
„Das ist fürs Wildschwein natürlich super“, erklärte Asche zur Lage der Lebensbedingungen in MV.
Zahlen, Organisation und Mitglieder
Nach Schätzungen des Landesjagdverbandes verfügen in Mecklenburg‑Vorpommern etwa 15.000 Menschen über einen Jagdschein; knapp 10.000 von ihnen seien Mitglied im Verband. Der Verband betont, dass Mecklenburg‑Vorpommern im Bundesvergleich die höchste Jägerdichte aufweise: "Auf 100.000 Einwohner komme ein Jäger beziehungsweise eine Jägerin", so Asche.
| Angabe | Zahlen |
|---|---|
| Geschossene Wildschweine (Jagdjahr 2025/2026) | ~80.000 |
| Höchstwerte in einzelnen Jahren | ~100.000 |
| Jagdscheininhaber in MV (Schätzung) | ~15.000 |
| Mitglieder im Landesjagdverband | ~10.000 |
Veränderungen in der Jagdgemeinschaft
Interessant sind auch demografische Entwicklungen innerhalb der Jagdszene: Der Frauenanteil unter allen Jagdscheininhabern liege mit rund 12 Prozent in MV etwa auf Bundesdurchschnitt, berichtet der Verband. In den Jungjägerkursen zeige sich jedoch ein deutlicher Wandel: Frauen stellten dort inzwischen etwa 29 bis 30 Prozent der Absolventinnen und Absolventen. Der Verband sieht darin eine nachhaltige Veränderung der Zusammensetzung künftiger Generationen von Jägerinnen und Jägern.
- Wildschweine: Hohe Abschusszahlen zur Bestandsregulierung und Seuchenprävention.
- Weitere Zielarten: Rehwild, Füchse, Waschbären – Bestände steigen.
- Soziologie der Jagd: Mehr Frauen in Jungjägerkursen, insgesamt rund 15.000 Jagdscheininhaber.
Praktische Folgen für Land und Bevölkerung
Die intensive Bejagung hat Auswirkungen auf Landwirtschaft, Naturschutz und Verkehr: Häufige Bewegungsjagden und Treiben können temporär zu Einschränkungen in Wäldern und auf Feldwegen führen; Revierinhaber und Behörden koordinieren Termine, um Gefährdungen zu minimieren. Für Landwirtinnen und Landwirte ist die Regulierung des Schwarzwilds wichtig, um Ernteausfälle durch Wildschäden zu reduzieren. Zugleich sind Aufklärung und Kooperation mit Jägerschaft, Veterinärbehörden und Landnutzern unerlässlich, um Seuchenrisiken zu verringern.
Blick nach vorn
Die Diskussion um die richtige Balance zwischen Bejagung, Artenschutz und landwirtschaftlichen Interessen bleibt in MV aktuell. Während Verbände und Behörden auf die Notwendigkeit der Bestandsregulierung hinweisen, fordern Umweltverbände und Teile der Bevölkerung differenzierte Konzepte, die auch Lebensraumgestaltung und Prävention umfassen. Konkrete Zahlenspiele bei Abschüssen, Bestandsentwicklung und Präventionsmaßnahmen werden die kommenden Jahre den Ton angeben.
Die Hauptjagdsaison und die bevorstehenden Hubertusmessen sind nun Anlass, das Thema öffentlich zu diskutieren: von Seuchenprävention über Schäden in der Flur bis hin zur Frage, wie die Jagd in der Gesellschaft künftig wahrgenommen und organisiert werden soll.