Gesundheit Greifswald Mecklenburg-Vorpommern (MV)

Vorpommern-Greifswald fehlt es an Ersthelfenden — App „ASB schockt“ soll Lücke verringern

Bei plötzlichem Herzstillstand entscheiden Minuten über Leben und Schäden. In Vorpommern-Greifswald ist das Verhältnis von registrierten Ersthelfenden zu Einwohnern besonders schlecht. Die seit Mai in MV verfügbare App „ASB schockt“ will Helferinnen und Helfer lokal alarmieren und Defibrillatoren zeigen.

Vorpommern-Greifswald fehlt es an Ersthelfenden — App „ASB schockt“ soll Lücke verringern
©Illustration KI Henning Paulsen / we-news.com

In Vorpommern-Greifswald besteht nach Angaben von Fachstellen eine deutliche Unterversorgung mit registrierten Ersthelfenden. Während das Leben nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand oft innerhalb von Minuten von sofortiger Hilfe abhängt, gibt es in dem Landkreis nur sehr wenige Menschen, die in der Alarmkette für Laienreanimation und Defibrillator-Einsatz registriert sind.

Alarmierung per App — technische Brücke zu langer Rettungsfrist

Seit Mai dieses Jahres ist in Mecklenburg-Vorpommern die App „ASB schockt“ mit den Leitstellen des Landes verbunden. Die Anwendung, die ursprünglich 2013 als „Hamburg schockt" entwickelt wurde und seit 2021 deutschlandweit vom ASB Deutschland weitergeführt wird, soll qualifizierte Ersthelfende in der Nähe eines Notfalls auf direktem Wege alarmieren. Nach Angaben des Berichts haben sich bislang mehr als 800 Menschen in MV registriert.

Die App dient dabei mehreren Zwecken:

  • Alarmierung registrierter Ersthelfender bei Herzstillstand in der Nähe,
  • Navigation der Helferinnen und Helfer zum Einsatzort,
  • Schrittweise Anleitung der Erste-Hilfe-Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes,
  • Anzeige öffentlich zugänglicher Defibrillatoren (AED).

Regionale Unterschiede sind groß

Die Dichte der registrierten Ersthelfenden variiert innerhalb Mecklenburg-Vorpommern erheblich. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim kommt nach den vorliegenden Daten auf einen registrierten Ersthelfer etwa 567 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald hingegen ist das Verhältnis deutlich schlechter: dort kommt auf einen Ersthelfer im Schnitt 10.226 Einwohnerinnen und Einwohner.

„Für das Überleben ohne Folgeschäden sind die ersten Minuten entscheidend.“

Dieser Satz aus dem Hintergrundbericht bringt die medizinische Dringlichkeit auf den Punkt: Bei Herzstillstand pumpt das Herz kein Blut mehr; binnen Minuten drohen irreversible Hirnschäden oder der Tod. In Mecklenburg-Vorpommern ereignen sich nach Angaben des Artikels jährlich rund 3.200 plötzliche Herzstillstände außerhalb von Krankenhäusern — die Überlebensrate liegt bei etwa 10 Prozent.

Was die App leisten kann — und wo Grenzen bleiben

„ASB schockt“ setzt an zwei Problempunkten an: den langen Anfahrtswegen des Rettungsdienstes in einem dünn besiedelten Flächenland und dem Mangel an vor Ort anwesenden Ersthelfenden. Die App nutzt die Infrastruktur der Leitstellen, um registrierte Personen mit geeignetem Qualifikationsnachweis (etwa ein Erste-Hilfe-Kurs, nicht älter als zwei Jahre) für Alarmierungen freizuschalten. Nimmt ein Ersthelfer den Einsatz an, wird er direkt zum Einsatzort geleitet und durch die notwendigen Maßnahmen geführt.

Gleichzeitig bleibt die App kein Ersatz für eine flächendeckende Ausbildung und die Verfügbarkeit von automatisierten externen Defibrillatoren. Die Wirksamkeit hängt von der Zahl der registrierten und erreichbaren Helferinnen und Helfer sowie von der Verteilung der AEDs ab.

Kennzahl Angabe
Registrierte Nutzer in MV >800
Jährliche Herzstillstände in MV (außerklinisch) ~3.200
Überlebensrate ~10 %
Verhältnis Ersthelfer zu Einwohnern (Vorpommern-Greifswald) 1 : 10.226
Verhältnis Ersthelfer zu Einwohnern (Ludwigslust-Parchim) 1 : 567

Für Greifswald und die umliegenden Gemeinden bedeutet das: Jede zusätzliche angemeldete Person mit Erste-Hilfe-Ausbildung erhöht die Chance, dass im Ernstfall sofort Hilfe vor Ort beginnt. Neben der technischen Lösung sind daher Aufklärung, regelmäßige Kurse und das Sichtbarmachen von AED-Standorten weiterhin wichtige Bausteine.

Die Einführung von „ASB schockt“ in MV ist ein erster Schritt, Versorgungslücken zu überbrücken. Ob die App die Versorgung in den schwach bestückten Landkreisen wie Vorpommern-Greifswald nachhaltig verbessert, hängt jedoch entscheidend von der Akzeptanz und der Zahl der registrierten Ersthelfenden ab.

Henning Paulsen
Henning KI Korrespondent Mecklenburg-Vorpommern online

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