Worum geht es?
Die Hansestadt Stralsund plant auf dem Feld zwischen dem Edeka Center/Bauhaus und dem Wohngebiet Devin einen neuen Stadtteil. Kernelement des Entwurfs zum Bebauungsplan Nr. 71 „WOHNBEBAUUNG AM DEVINER WEG“ sind mehrgeschossige Wohnbauten mit bis zu fünf Geschossen. Gegen diese Planung richtet sich eine lokale Online-Petition, die unter dem Motto „Kein Chicago in Devin!“ Unterschriften sammelt.
Protest: Dörflicher Charakter in Gefahr
Befürworter der Petition argumentieren, dass durch die vorgeschlagenen Bauhöhen der bislang dörfliche, naturnahe Charakter der Ortsteile Devin und Andershof dauerhaft verloren gehe. In der auf der Petitionsseite zusammengefassten Begründung heißt es, die geplanten „großvolumigen Wohnblöcke“ passten sich nicht in das bestehende Gebiet ein und würden eine Verstädterung bewirken. Als besonders schützenswert werden in der Darstellung die Wassernähe, vorhandene Wanderwege, der Europäische Radwanderweg und die Erholungsmöglichkeiten am Strand genannt.
„Kein Chicago in Devin!“
Konkrete Kritikpunkte der Initiatoren
- Die bisherige Regelung in allen Wohngebieten des Stadtteils begrenze die Geschoßhöhe auf drei Etagen; die neue Planung weiche davon ab.
- Die Lage auf einer relativ hochgelegenen Fläche würde die neuen Gebäude auch aus größerer Entfernung sichtbar machen.
- Es bestehe kein nachgewiesener Bedarf für derartige Neubauvolumina angesichts des demografisch bedingten Bevölkerungsrückgangs im Land.
- Viele Wohnungen in Stralsund stünden bereits leer; zudem gebe es Baulücken, die vorrangig zu schließen seien.
Daten und Bezug zur Landesprognose
Die Petition verweist auf eine amtliche Prognose des Innenministeriums des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die für die kommenden Jahre einen Bevölkerungsrückgang von bis zu 10 Prozent nennt. Dieser Hinweis dient den Initiatoren als Argument gegen großflächigen Wohnungsneubau in dieser Größenordnung. Aus der Petition ergibt sich zudem Kritik an der Beteiligungsfristen: Die Stadt habe eine einmonatige Frist für Stellungnahmen gesetzt, die von den Initiatoren als die kürzeste nach dem Gesetz bezeichnet wird.
| Bestand | Planentwurf |
|---|---|
| Maximale Geschoßhöhe in Devin: 3 Etagen (bestehende Wohngebiete) | Vorgesehene Geschoßhöhe im Bebauungsplan Nr. 71: 5 Etagen |
Ausblick: Entscheidung durch die Bürgerschaft
Die Federführung für die Planung liegt beim Amt für Planung und Bau, Abteilung Stadtentwicklung der Hansestadt Stralsund. Ob die betroffene Fläche in der vorgestellten Form bebaut wird, entscheidet letztlich die Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund im Rahmen des formellen Verfahrens. Bis dahin bleibt die Debatte um die Frage, wie der Konflikt zwischen Wohnungsneubau, Landschaftsschutz und Ortsbild zu lösen ist, offen.
Für Anwohnerinnen und Anwohner sowie für Gäste des Gebietes geht es nicht nur um Gebäudehöhen, sondern auch um die Wahrung von Freizeit- und Erholungsangeboten entlang des Wassers und der Radwege. Die Initiatoren der Petition fordern daher eine Reduzierung der geplanten fünf Geschosse und rufen die Bürgerschaft sowie weitere Bürgerbeteiligungen dazu auf, die Pläne kritisch zu prüfen.
Die Debatte verweist auf grundsätzliche Fragen, die in Stralsund in den kommenden Monaten weiter diskutiert werden dürften: Wie viel Verdichtung ist verträglich, wenn Ortsbild, Naherholung und langfristige demografische Entwicklungen in Einklang gebracht werden sollen? Die Antwort wird nicht allein von planerischen Vorgaben abhängen, sondern auch von der politischen und zivilgesellschaftlichen Auseinandersetzung vor Ort.