Erfurt. In Thüringen ist die Zahl der gemeldeten Arbeitsunfälle im Jahr 2025 deutlich angestiegen. Nach Angaben des Sozialministeriums ereigneten sich im vergangenen Jahr insgesamt 7.288 meldepflichtige Unfälle am Arbeitsplatz; dabei kamen drei Menschen ums Leben. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von rund 8,2 Prozent.
Mehr Unfälle trotz weniger tödlicher Fälle 2025
Obwohl 2025 insgesamt mehr Unfälle registriert wurden, verringerte sich die Zahl der tödlich verlaufenen Arbeitsunfälle im Vergleich zu 2024: Im Jahr davor waren nach Ministeriumsangaben noch sechs tödliche Unfälle zu verzeichnen. Auch schwere Unfälle gingen zurück, von 34 Fällen im Jahr 2024 auf 28 im Jahr 2025.
Das zuständige Landesamt für Verbraucherschutz erhöhte seine Prüfaktivitäten: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führten 15.377 Kontrollen durch — knapp 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden damit im Freistaat etwa 3,1 Prozent der Betriebe kontrolliert. Ab 2026 gilt bundesweit eine Vorgabe, nach der mindestens 5 Prozent der Unternehmen überprüft werden müssen.
Trend 2026: bereits mehr schwere und tödliche Unfälle
Für das laufende Jahr meldet das Ministerium alarmierende Zwischenergebnisse: Bis Mitte Oktober gingen den Behörden im Freistaat bislang 15.588 Arbeitsunfälle ein. Darunter befinden sich bereits mehr schwere und tödliche Unfälle als im gesamten Jahr 2025. Die Zahl der bisher registrierten schweren Arbeitsunfälle bezifferte das Ministerium mit 38, die Zahl der tödlichen Unfälle mit 4.
"Die Ergebnisse des Jahresberichts zeigen, wie wichtig eine wirksame staatliche Arbeitsschutzaufsicht ist", erklärte Sozialministerin Katharina Schenk (SPD).
Ministerin Schenk betonte, Ziel der Behörde sei es, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Unfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen möglichst gar nicht erst entstünden. Nach Angaben des Ministeriums bestehen die größten Gefahren besonders auf Baustellen, beim Umgang mit Maschinen sowie bei Tätigkeiten mit Absturzrisiken.
Beanstandungen und Schwerpunktkontrollen
Bei den Kontrollen wurden im Berichtsjahr insgesamt 12.803 Beanstandungen festgestellt — nach 11.585 im Vorjahr. Diese Zahlen zeigen, dass Mängel bei Arbeitsschutzmaßnahmen nach wie vor weit verbreitet sind und Abhilfemaßnahmen erfordern.
- Kontrollen 2025: 15.377 (≈ +9,5 % gegenüber 2024)
- Kontrollquote: rund 3,1 % der Betriebe im Freistaat
- Beanstandungen: 12.803 (2025) gegenüber 11.585 (2024)
- Häufige Gefährdungsfelder: Baustellen, Maschinenbedienung, Absturzarbeiten
| Jahr | Meldepflichtige Unfälle | Schwere Unfälle | Tödliche Unfälle |
|---|---|---|---|
| 2024 | — | 34 | 6 |
| 2025 | 7.288 | 28 | 3 |
| 2026 (bis Mitte Okt.) | 15.588 | 38 | 4 |
Das Ministerium verweist darauf, dass die Kontrollen nicht nur der Strafverfolgung dienen, sondern auch der Prävention: Durch Hinweise, Auflagen und gegebenenfalls Bußgelder sollen Betriebe motiviert werden, Arbeitsabläufe sicherer zu gestalten. In der Öffentlichkeit wird vor allem die Frage diskutiert, ob die bereits geplante Erhöhung der Kontrollquote auf mindestens 5 Prozent der Betriebe ausreicht, um die festgestellten Mängel flächendeckend zu beheben.
Konsequenzen und Ausblick
Die Zahlen des Jahresberichts und die Zwischenbilanz für 2026 legen nahe, dass die Arbeitsschutzaufsicht in Thüringen verstärkt reagieren muss. Neben der Quantität der Kontrollen spielt auch deren Qualität eine Rolle: Gefährdungsanalysen, branchenspezifische Prüfprogramme und die Fortbildung von Prüfern könnten dazu beitragen, gefährliche Arbeitsbedingungen gezielter aufzuspüren.
Für Beschäftigte bedeutet das: Sensibilisierung für Risiken, Meldung von Mängeln an Betriebsräte oder Behörden sowie das Nutzen von Schutzmaßnahmen können Leben retten. Arbeitgeber sind in der Pflicht, Gefährdungen zu beseitigen und Arbeitsschutzvorschriften umzusetzen, um Unfälle zu vermeiden.
Die Landesregierung wird die Entwicklung weiter beobachten; die bereits angekündigten Anpassungen bei den Kontrollvorgaben gelten als ein zentraler Baustein, um die Zahl der Arbeitsunfälle langfristig zu senken.