Die Verbandsgemeinde Kirchberg hat deutlichere Schritte im Umgang mit der langjährigen Belastung durch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) im Umfeld des Flughafens Frankfurt‑Hahn gefordert. Gemeindeverwaltung und Bürgermeister Peter Müller sehen die Zuständigen von Bund, Land und der Struktur‑ und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in der Pflicht, weil die Kommunen die Problematik nicht allein bewältigen könnten.
Regionale Sorge um Gesundheit und Umwelt
PFAS sind eine Gruppe langlebiger Chemikalien, die sich in Umwelt und Organismen nur schwer abbauen. Einige Vertreter der Stoffgruppe stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Die Verbandsgemeinde bezeichnet die Situation als seit Jahren bestehendes Problem; betroffen sind neben Lautzenhausen auch die Ortsgemeinden Bärenbach und Hahn.
„Es muss mehr passieren“, sagte Bürgermeister Peter Müller. „Man hat das Gefühl, dass diese wichtige Thematik eher niederschwellig behandelt wird.“
Der Appell der Kommune richtet sich an den Bund, das Land Rheinland‑Pfalz und die SGD Nord: Die lokalen Verwaltungen könnten die erforderlichen Maßnahmen finanziell und fachlich nicht stemmen. Für Müller steht die Gesundheit der Bevölkerung im Mittelpunkt der Forderungen.
Untersuchungsstand und Befunde
Die SGD Nord hat nach eigenen Angaben mehrere Untersuchungsmaßnahmen in der Umgebung des Flughafens durchgeführt. Laut Mitteilung wurden die Gewässer zwischen 2012 und 2019 auf PFAS geprüft; für den Brühlbach erfolgte ein ergänzendes Monitoring von August 2020 bis Juli 2021. Im Jahr 2023 wurden alle Gewässer untersucht, in denen Fische leben oder leben könnten.
| Jahr/Zeitraum | Untersuchung |
|---|---|
| 2012–2019 | Erste Gewässeruntersuchungen auf PFAS |
| Aug 2020–Jul 2021 | Ergänzendes Monitoring im Brühlbach |
| 2023 | Untersuchung aller gewässerführenden Bereiche mit Fischvorkommen |
Nach Angaben der SGD Nord seien die Konzentrationen in Gewässern westlich des Flugplatzes vergleichsweise gering gefunden worden. Konkrete Maßnahmen zur Sanierung oder zur Verringerung der Belastung nannte die Verbandsgemeinde nach eigener Aussage bislang nicht.
Ursachen und bisher bekannte Quellen
In der öffentlichen Diskussion stehen insbesondere Löschschäume im Verdacht, als Quelle für PFAS‑belastungen bei Flughäfen gedient zu haben. Historisch wurden solche Schäume auch an Standorten verwendet, an denen amerikanische Streitkräfte stationiert waren. Die Haltbarkeit und Bioakkumulationseigenschaften der Stoffe führen dazu, dass Belastungen über lange Zeit in Böden, Sedimenten und Gewässern nachweisbar bleiben können.
- Betroffene Orte: Lautzenhausen, Bärenbach, Hahn.
- Behördenbeteiligung: Verbandsgemeinde Kirchberg, SGD Nord, Land und Bund werden adressiert.
- Untersuchungszeiträume: 2012–2019, 2020–2021 (Brühlbach), 2023 (gewässerbezogene Untersuchungen).
Kommunale Forderungen und offene Fragen
Die Verbandsgemeinde fordert vor allem verstärkte Anstrengungen von übergeordneten Stellen. Konkrete Forderungen an Umfang, Zeitplan oder Kosten von Sanierungsmaßnahmen wurden nicht detailliert genannt. Die Gemeinde sieht sich jedoch nicht in der Lage, die Belastungslage ohne überregionale Unterstützung zu beheben.
Offene Fragen bleiben unter anderem:
- Welche konkreten Schritte planen Bund und Land, um Belastungen zu reduzieren?
- Welche weiteren Untersuchungen sind geplant, um Ausbreitung und Konzentrationen präziser zu erfassen?
- Welche Schutzmaßnahmen für Trinkwasser, Böden und landwirtschaftliche Nutzflächen werden geprüft?
Regionale Auswirkungen und Erwartungen
Für die betroffenen Gemeinden geht es nach den Worten der Verantwortlichen letztlich um den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. Die Forderung nach mehr Engagement spiegelt eine wachsende Erwartung wider, dass Behörden die historischen Belastungen nicht nur dokumentieren, sondern konkrete Abhilfemaßnahmen vorlegen und umsetzen.
Die Verbandsgemeinde Kirchberg bleibt bei ihrer Position: Ohne stärkere finanzielle und fachliche Unterstützung von Bund und Land sehe sie keine ausreichende Grundlage, die Probleme nachhaltig zu lösen. Ob und wann diese Unterstützung erfolgt, ist bislang offen.
Weitere Berichte und Entscheidungen der SGD Nord sowie Reaktionen von Landes- und Bundesbehörden werden die Entwicklung in den kommenden Monaten bestimmen.