Husum – Die Umweltorganisation WWF hat einen Plan vorgelegt, der in den Küstengewässern Schleswig-Holsteins flächendeckende, fischereifreie Bereiche vorsieht. Nach Angaben der Organisation würden die ausgewählten Flächen die Fischereitätigkeit der Krabbenkutter im Land um rund 25 Prozent beschränken und zugleich besonders wertvolle Naturräume schützen.
Ausgangslage und Forderung
Der WWF begründet seinen Vorstoß mit dem schlechten ökologischen Zustand der Küstengewässer. Eine von der Organisation erwähnte unabhängige Untersuchung habe gezeigt, dass die derzeit unzureichend geregelte Fischerei klare Defizite beim Schutz der Unterwasserwelt verursache. Die Meeresschutzexpertin des WWF, Catherine Zucco, kritisierte, dass die Krabbenfischerei „den ständig wasserbedeckten Teil des Nationalparks flächendeckend mit Grundschleppnetzen“ befahre und dass es an Rückzugsräumen für marine Arten mangele.
„Momentan bewirtschaftet die Krabbenfischerei den ständig wasserbedeckten Teil des Nationalparks flächendeckend mit Grundschleppnetzen“, sagte die WWF-Meeresschutzexpertin Catherine Zucco.
Reaktionen aus der Fischereiwirtschaft
Die Reaktionen der Krabbenfischer fielen deutlich kritisch aus. Nach Angaben des Landesfischereiverbandes bezeichnete der Vorsitzende der Sparte Krabbenfischerei die Pläne als existenzbedrohend. Konkrete Zahlen oder Berechnungen, die zur Untermauerung dieser Einschätzung genannt wurden, wurden in der dpa-Meldung nicht wiedergegeben.
Hintergrund: Gescheiterter Zukunftsdialog
Der WWF-Vorstoß kommt etwa ein Jahr nach dem ergebnislosen Ende des sogenannten Zukunftsdialogs Krabbenfischerei im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Die Gespräche zwischen Krabbenfischern, Naturschützern und der Landesregierung waren im Sommer 2025 vorerst gescheitert, weil die Beteiligten sich nicht auf den Umfang neuer fischereifreier Gebiete im Nationalpark einigen konnten. Seitdem seien die Verhandlungen nicht wieder aufgenommen worden, heißt es in der Mitteilung des WWF.
Mögliche politische und praktische Folgen
Die Forderung des WWF könnte den Druck auf die Landespolitik erhöhen, neue Regelungen für den Schutz der Unterwasserwelt zu erarbeiten. Konkrete politische Reaktionen von Landesregierung oder zuständigen Behörden wurden in der vorliegenden Meldung nicht berichtet. Offenkundig stehen nun mehrere Fragen zur Debatte:
- Welche Flächen genau soll die WWF-Initiative schützen, und wie wurden sie ausgewählt?
- Welche Übergangsfristen oder Kompensationsregelungen sind für betroffene Fischer denkbar?
- Wie lassen sich Schutzinteressen und lokale Wirtschaftsinteressen rechtlich und praktisch vereinbaren?
Solche Fragen dürften Gegenstand politischer Beratungen und möglicher weiterer Dialogrunden sein, sollten Landesregierung oder betroffene Kommunen die WWFs Vorschlag aufgreifen.
Vergleich mit Nachbarland Niedersachsen
In der dpa-Zusammenfassung wird außerdem erwähnt, dass Niedersachsen fischereifreie Zonen in einer Größenordnung von rund 10 Prozent seiner Küstengewässer plane. Ein direkter Vergleich der Ausgestaltungen liegt nicht vor; er macht jedoch deutlich, dass Regulierungsansätze entlang der deutschen Nordseeküste unterschiedlich diskutiert werden.
| Land | Vorgeschlagener Anteil fischereifreier Zonen |
|---|---|
| Schleswig-Holstein (WWF-Vorschlag) | ~25 % der Küstenfischerei-Aktivitäten reduziert |
| Niedersachsen (Plan) | ~10 % |
Was jetzt zu erwarten ist
Der WWF fordert die Landesregierung auf, Regelungen zum verbesserten Schutz der Unterwasserwelt zu erarbeiten. Sollte die Landespolitik aktiv werden, wären Conventions wie Anhörungen von Betroffenen, ökologische Gutachten und mögliche Kompensationsmodelle zu erwarten. Für Fischer vor Ort bleibt die Lage angespannt: Sie sehen ihr Einkommen und ihre Lebensgrundlage bedroht, während Umweltschützer die Notwendigkeit raschen Handelns betonen.
Ob und in welchem Umfang der WWF-Plan in politische Maßnahmen mündet, hängt von weiteren Gesprächen zwischen Politik, Fischereiwirtschaft und Naturschutzakteuren ab. Die Debatte bringt Schleswig-Holstein erneut in den Fokus darüber, wie Küstenschutz und wirtschaftliche Nutzung der Meere langfristig miteinander vereinbart werden können.