Das Stadtwerk Winterthur reduziert die Strompreise für das Jahr 2027 um acht Prozent. Die Stadtverwaltung teilte am Montag mit, dass ein durchschnittlicher Familienhaushalt gegenüber 2026 mit rund 100 Franken tieferen Stromkosten rechnen könne. Parallel zur Preissenkung führt das Unternehmen ein neues Tarifmodell ein, das Verbrauchsspitzen teurer macht und Anreize zur Nutzung von Solarstrom schaffen soll.
Neue Tarifstruktur: Niedertarif und Leistungstarif
Das Modell sieht einen Niedertarif an Wochentagen zwischen 13 und 16 Uhr vor. Ziel ist, Konsumenten zu motivieren, mehr eigenen Solarstrom zu nutzen. Zugleich wird ein Leistungstarif eingeführt: Haushalte, die viele Geräte gleichzeitig betreiben und damit hohe zeitgleiche Leistungsbezüge aufweisen, zahlen demnach höhere Preise. Wer die Nutzung über den Tag verteilt – etwa das E‑Auto erst nach dem Kochen auflädt – profitiert vom tieferen Aufwand.
«Das neue Modell soll die Einwohnerinnen und Einwohner dazu bringen, möglichst Solarstrom zu nutzen.»
In der Mitteilung betont das Stadtwerk, die Preissenkung basiere vor allem auf dem niedrigeren Energiebestandteil des Tarifs. Auch der Anteil für die Netznutzung sinke. Als Gründe werden tiefere Kapitalkosten, geringere Verwaltungskosten sowie reduzierte Kosten für das Übertragungsnetz der Swissgrid genannt.
Hintergrund: Marktpreise und vergangene Preissprünge
Die Strommarktpreise hatten 2022 den Höchststand erreicht und sind seither gesunken, liegen aber weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt. Die Mitteilung erinnert daran, dass 2024 der stärkste Preisschock stattfand: In jenem Jahr stiegen die Preise innerhalb eines Jahres um 46 Prozent, massgeblich aufgrund der vollen Weitergabe höherer Marktpreise und der Einführung der Winterreserve.
Weiter nennt die Mitteilung Daten zur Einspeisevergütung für Solarenergie: Diese lag 2026 bei rund 7 Rappen pro kWh. Damit bestehe eine Differenz von rund 20,7 Rappen pro kWh gegenüber dem Haushaltstarif, eine Lücke, die sich seit 2010 vergrössert habe.
Folgen für Haushalte und Verhalten
Für Winterthurer Haushalte bedeuten die Anpassungen konkret:
- Direkte Entlastung durch die achtprozentige Preissenkung, durchschnittlich rund 100 Fr. für Familienhaushalte gegenüber 2026.
- Anreiz für verstärkte Nutzung von Eigenproduktion (Solarstrom) durch den Niedertarif in der Mittagszeit.
- Verhaltenslenkung durch den neuen Leistungstarif: Wer Lasten zeitlich verteilt, reduziert Kosten.
| Grösse | Wert |
|---|---|
| Tarifreduktion 2027 | –8 % |
| Erwartete Ersparnis Familie vs. 2026 | ~100 Fr. |
| Niedertarif | Werktags 13–16 Uhr |
| Einspeisevergütung 2026 | ~7 Rp./kWh |
Stadtwerk-Kundinnen und -Kunden werden künftig ihren Verbrauch genauer planen müssen, wenn sie von den tieferen Preisen profitieren wollen. Für Mieterinnen und Mieter ohne eigene Solaranlage bleibt die Verhaltensänderung – zeitverschobenes Laden oder Trocknen – der primäre Hebel.
Ausblick: Energiepolitik und lokaler Effekt
Die Massnahmen zeigen, wie lokales Versorgungsmanagement und Tarifgestaltung zusammenspielen: Während sinkende Beschaffungspreise und geringere Netzkosten Raum für Entlastungen schaffen, setzt das Stadtwerk zugleich auf instrumentelle Preissignale, um Nachfrage und Einspeisung von Solarstrom zu koordinieren. Für die Stadt Winterthur bedeutet dies eine kurzfristige Entlastung der Haushalte und langfristig eine stärkere Ausrichtung der Verbrauchsmuster an erneuerbarer Eigenproduktion.
Weitere Details zum neuen Tarifmodell und konkrete Beispiele für verschiedene Haushaltstypen will das Stadtwerk laut Mitteilung in den kommenden Wochen veröffentlichen.