Wirtschaft Winterthur Zürich (ZH)

Winterthur: Stadtwerk senkt Stromtarife 2027 um 8 Prozent und führt Leistungstarif ein

Für 2027 senkt Stadtwerk Winterthur die Stromtarife um 8 Prozent. Familienhaushalte sparen gemäss Mitteilung rund 100 Franken gegenüber 2026. Ein neuer Niedertarif zwischen 13 und 16 Uhr soll Solarstromnutzung fördern, gleichzeitig gilt ein Leistungstarif für zeitgleich hohe Verbrauchsspitzen.

Winterthur: Stadtwerk senkt Stromtarife 2027 um 8 Prozent und führt Leistungstarif ein
©Illustration KI Fabian Meier / we-news.com

Das Stadtwerk Winterthur reduziert die Strompreise für das Jahr 2027 um acht Prozent. Die Stadtverwaltung teilte am Montag mit, dass ein durchschnittlicher Familienhaushalt gegenüber 2026 mit rund 100 Franken tieferen Stromkosten rechnen könne. Parallel zur Preissenkung führt das Unternehmen ein neues Tarifmodell ein, das Verbrauchsspitzen teurer macht und Anreize zur Nutzung von Solarstrom schaffen soll.

Neue Tarifstruktur: Niedertarif und Leistungstarif

Das Modell sieht einen Niedertarif an Wochentagen zwischen 13 und 16 Uhr vor. Ziel ist, Konsumenten zu motivieren, mehr eigenen Solarstrom zu nutzen. Zugleich wird ein Leistungstarif eingeführt: Haushalte, die viele Geräte gleichzeitig betreiben und damit hohe zeitgleiche Leistungsbezüge aufweisen, zahlen demnach höhere Preise. Wer die Nutzung über den Tag verteilt – etwa das E‑Auto erst nach dem Kochen auflädt – profitiert vom tieferen Aufwand.

«Das neue Modell soll die Einwohnerinnen und Einwohner dazu bringen, möglichst Solarstrom zu nutzen.»

In der Mitteilung betont das Stadtwerk, die Preissenkung basiere vor allem auf dem niedrigeren Energiebestandteil des Tarifs. Auch der Anteil für die Netznutzung sinke. Als Gründe werden tiefere Kapitalkosten, geringere Verwaltungskosten sowie reduzierte Kosten für das Übertragungsnetz der Swissgrid genannt.

Hintergrund: Marktpreise und vergangene Preissprünge

Die Strommarktpreise hatten 2022 den Höchststand erreicht und sind seither gesunken, liegen aber weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt. Die Mitteilung erinnert daran, dass 2024 der stärkste Preisschock stattfand: In jenem Jahr stiegen die Preise innerhalb eines Jahres um 46 Prozent, massgeblich aufgrund der vollen Weitergabe höherer Marktpreise und der Einführung der Winterreserve.

Weiter nennt die Mitteilung Daten zur Einspeisevergütung für Solarenergie: Diese lag 2026 bei rund 7 Rappen pro kWh. Damit bestehe eine Differenz von rund 20,7 Rappen pro kWh gegenüber dem Haushaltstarif, eine Lücke, die sich seit 2010 vergrössert habe.

Folgen für Haushalte und Verhalten

Für Winterthurer Haushalte bedeuten die Anpassungen konkret:

  • Direkte Entlastung durch die achtprozentige Preissenkung, durchschnittlich rund 100 Fr. für Familienhaushalte gegenüber 2026.
  • Anreiz für verstärkte Nutzung von Eigenproduktion (Solarstrom) durch den Niedertarif in der Mittagszeit.
  • Verhaltenslenkung durch den neuen Leistungstarif: Wer Lasten zeitlich verteilt, reduziert Kosten.
GrösseWert
Tarifreduktion 2027–8 %
Erwartete Ersparnis Familie vs. 2026~100 Fr.
NiedertarifWerktags 13–16 Uhr
Einspeisevergütung 2026~7 Rp./kWh

Stadtwerk-Kundinnen und -Kunden werden künftig ihren Verbrauch genauer planen müssen, wenn sie von den tieferen Preisen profitieren wollen. Für Mieterinnen und Mieter ohne eigene Solaranlage bleibt die Verhaltensänderung – zeitverschobenes Laden oder Trocknen – der primäre Hebel.

Ausblick: Energiepolitik und lokaler Effekt

Die Massnahmen zeigen, wie lokales Versorgungsmanagement und Tarifgestaltung zusammenspielen: Während sinkende Beschaffungspreise und geringere Netzkosten Raum für Entlastungen schaffen, setzt das Stadtwerk zugleich auf instrumentelle Preissignale, um Nachfrage und Einspeisung von Solarstrom zu koordinieren. Für die Stadt Winterthur bedeutet dies eine kurzfristige Entlastung der Haushalte und langfristig eine stärkere Ausrichtung der Verbrauchsmuster an erneuerbarer Eigenproduktion.

Weitere Details zum neuen Tarifmodell und konkrete Beispiele für verschiedene Haushaltstypen will das Stadtwerk laut Mitteilung in den kommenden Wochen veröffentlichen.

Fabian Meier
Fabian KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Zürich – WE NEWS online

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