Verkehr Zürich Zürich (ZH)

Ausbau der Zürcher Velovorzugsrouten stockt: Einsprachen blockieren rund 24 Kilometer

Die Stadt Zürich eröffnet einen weiteren Abschnitt des Velovorzugsroutennetzes, ringt aber weiterhin mit Einsprachen gegen Projekte. Von den geplanten rund 130 Kilometern sind noch knapp 24 Kilometer blockiert; erst 6,28 Kilometer sind realisiert.

Ausbau der Zürcher Velovorzugsrouten stockt: Einsprachen blockieren rund 24 Kilometer
©Illustration KI Fabian Meier / we-news.com

Die Stadt Zürich hat am Mittwoch einen weiteren Abschnitt des geplanten Velovorzugsroutennetzes eingeweiht. Der rund ein Kilometer lange Teilabschnitt «Bullingerplatz–See» führt über die Stauffacherbrücke, die Sihlamtstrasse, die Flössergasse und die Tödistrasse bis an das General-Guisan-Quai. Trotz dieser Eröffnung bleibt der Ausbau insgesamt verlangsam: knapp 24 Kilometer des Netzes sind wegen Einsprachen blockiert.

Volksentscheid noch nicht eingelöst

Die Stadt plant ein rund 130 Kilometer langes Netz aus Velovorzugsrouten. Die Umsetzung eines Mindestumfangs von 50 Kilometern geht auf die Volksinitiative «Sichere Velorouten für Zürich» zurück, die im September 2020 mit 70,5 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde. Ziel der Initiative ist ein durchgehendes, für den Veloverkehr priorisiertes Netz, auf dem Durchgangsverkehr reduziert und Veloanliegen baulich gestärkt werden sollen.

In der Praxis trifft die Verwaltung auf Widerstände: «Wir würden gerne schneller vorwärts machen, um den Willen der Stimmbevölkerung umzusetzen», sagte SP-Stadträtin Simone Brander bei der Eröffnung.

«Doch vielerorts verzögern leider Einsprachen die bereits fertig ausgearbeiteten Projekte.»

Stand der Umsetzung

Von den geplanten 130 Kilometern sind bislang lediglich 6,28 Kilometer umgesetzt worden. Das sind die Routen Altstetten–HB sowie Mühlebachstrasse–Zollikerstrasse. Die neu eröffnete Verbindung ergänzt das sichtbare grüne Band und die Velo-Piktogramme, die die Velovorzugsrouten im Stadtbild kennzeichnen.

Geplantes Netz Umgesetzt Blockiert durch Einsprachen
~130 km 6,28 km ~24 km

Die Stadt schreibt, das gesamte Netz solle bis 2031 fertiggestellt sein. Damit bleiben noch zahlreiche Projekte in Planung, Plangenehmigung oder im Einspracheverfahren.

Welche Abschnitte betroffen sind

Konkrete Details zu den eingespielten Einsprachen nennt die Stadt nicht alle im Communiqué. Bekannt ist jedoch, dass der neue Abschnitt «Bullingerplatz–See» in zwei Teilen geplant ist: Der erste Teil wurde nun eröffnet, der zweite Teil zwischen Bullingerplatz und Stauffacherquai soll noch dieses Jahr in die Planauflage gehen. Sobald auch diese Verbindung umgesetzt ist, entsteht eine durchgehende Verbindung vom Altstetten-Teil bis ans Seeufer.

  • Eröffnet: Abschnitt Bullingerplatz–See (rund 1 km)
  • Umgesetzt bisher: Altstetten–HB, Mühlebachstrasse–Zollikerstrasse (6,28 km)
  • Blockiert: rund 24 km durch Einsprachen/Neubeurteilungsbegehren

Warum es Einsprachen gibt

Die Einsprachen richten sich gegen Strassenbauprojekte oder gegen angepasste Verkehrsvorschriften, welche die Velorouten ermöglichen sollen. Solche Einsprachen können von Anwohnenden, Gewerbe oder Interessengruppen eingereicht werden und zielen oft auf Aspekte wie Erreichbarkeit, Parkplätze, Lieferverkehr oder Umwelteinflüsse. Sie verlängern Planungs- und Bewilligungsverfahren und verschieben damit die Umsetzung um Monate bis Jahre.

Für die Stadt bedeutet das: Trotz fertiger Projektpläne kommen physische Massnahmen wie bauliche Trennung oder neue Markierungen nur zögerlich voran. Die Verzögerungen stehen im Spannungsfeld zwischen dem politischen Auftrag der Volksinitiative und dem rechtlichen Weg der Einsprachen.

Auswirkungen für den Veloverkehr

Die verlangsamte Umsetzung hat direkte Folgen für den Alltagsverkehr in Zürich. Velofahrende warten weiterhin auf durchgehende, sichere Verbindungen, die schnelle und sichere Querungen durch die Innenstadt oder auf Hauptachsen erlauben. Besonders Pendlerinnen und Pendler sowie Schulwege profitieren von zusammenhängenden Routen ohne Unterbruch durch Autoverkehr.

Die Stadt sieht die Ausbaustrategie als langfristiges Projekt und betont, dass sichtbare Fortschritte — wie das grüne Band oder Piktogramme — bereits erfolgen. Dennoch bleibt unklar, wie rasch die blockierten Abschnitte gelöst werden können, zumal Rechtsmittelverfahren ihre eigene Dynamik haben.

Ausblick

Die Stadt will das Netz bis 2031 fertigstellen. Entscheidend dafür sind künftig die Zahl und die Dauer der Einsprachen sowie der politische Druck, Planungsprozesse zu beschleunigen. Für Velofahrende bedeutet das: Teilweise schon spürbare Verbesserungen, aber noch kein durchgehendes, zusammenhängendes Velo- backbone durch die ganze Stadt.

Die Eröffnung des neuen Abschnitts zeigt, dass die Umsetzung vorangeht. Doch ohne eine Lösung für die rund 24 blockierten Kilometer bleibt die volle Wirkung der Volksinitiative und des städtischen Ausbauprogramms begrenzt.

Fabian Meier
Fabian KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Zürich – WE NEWS online

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