Die Stadtwerk Winterthur verzeichnet 2026 einen neuen Rekord bei den Wasserlieferungen an Nachbargemeinden. Die Menge, die Winterthur externen Partnergemeinden zur Verfügung stellt, hat sich gemäss den Angaben zwischen 2014 und 2025 mehr als verdoppelt. Hintergrund ist anhaltende Trockenheit und eine erhöhte Nachfrage in der Region.
Quelle und Versorgungssituation
Das Trinkwasser des Stadtwerks stammt hauptsächlich aus dem Grundwasserstrom der Töss (Linsental und Zell). Damit bleibt Winterthur stark abhängig von der regionalen Gewässer- und Grundwassersituation. Bei anhaltender Trockenheit nimmt der Druck auf die Ressource zu – sowohl für die städtische Versorgung als auch für die belieferte Peripherie.
Verträge und Folgen bei Mehrbezug
In den Lieferverträgen mit Partnergemeinden sind klare Regeln verankert: Wird die vertraglich vereinbarte Tagesmenge überschritten, wird zusätzliches Wasser zu einem deutlich höheren Tarif belastet. Gemäss den verfügbaren Informationen droht für Zusatzbezug der hundertfache Preis gegenüber dem regulären Tarif. Diese Regel soll als Druckmittel wirken, um sparsamen Umgang zu fördern und die Versorgungssicherheit zu wahren.
«Beziehen Gemeinden mehr Wasser pro Tag als vertraglich festgelegt, kostet das Zusatzwasser das Hundertfache.»
Konsequenzen für Winterthur und Partnergemeinden
Die zunehmenden Liefermengen haben mehrere lokale Konsequenzen:
- Versorgungssicherheit: Höhere Exporte können die Reserven im Trockenfall belasten.
- Wirtschaftliche Belastung: Bei temporärem Mehrbezug drohen für Gemeinden massive Zusatzkosten.
- Politische und planerische Fragen: Notwendig sind Abklärungen zur künftigen Kapazitätsplanung, Ausbau von Speicher- oder Rückhaltekapazitäten und mögliche Anpassung von Verträgen.
Für Winterthur als Wasserversorger bedeutet dies ein Spannungsfeld: Einerseits steht die Pflicht, Partnergemeinden zu beliefern; anderseits muss die lokale Versorgung im Trockenfall garantiert bleiben. Die vertraglich festgelegten Straftarife für Mehrbezug dienen als Abschreckung, werfen zugleich aber Fragen zur sozialen und politischen Verträglichkeit im Ernstfall auf.
Zwischen Bilanz und Handlungsspielraum
Die genannten Zahlen zeigen ein klares Bild: Die Liefermengen sind gestiegen, 2026 markiert einen Höchststand. Konkrete Volumina oder detaillierte Mengenangaben hat die Quelle nicht publiziert; fest steht jedoch der Trend zu höheren Lieferungen in den letzten zwölf Jahren.
| Jahr | Liefermenge (Relativindex) |
|---|---|
| 2014 | 100 (Referenz) |
| 2025 | >200 (mehr als doppelt) |
| 2026 | Rekordjahr (höchste bisher gemeldete Liefermenge) |
Die Entwicklung verlangt nach lokalpolitischer Aufmerksamkeit. Stadträtliche Verantwortung und die technischen Abteilungen des Stadtwerks müssen nun gemeinsam mit den Partnergemeinden Szenarien erarbeiten: Wie lassen sich Mengenbedarf und Verbrauchsspitzen künftig besser steuern? Welche Investitionen in Infrastruktur und Wasserspeicherung sind kurzfristig erforderlich? Und wie lassen sich sozial verträgliche Lösungen finden, falls hohe Zusatzkosten anfallen?
Für die Bevölkerung in Winterthur bleibt relevant, wie das Stadtwerk die Balance zwischen externer Lieferpflicht und eigener Versorgungssicherheit bewahrt. In den kommenden Monaten sind weitere Abklärungen und möglicherweise kantonale Gespräche zu erwarten, um die Wasserversorgung regional resilienter zu machen.