Grünflächen an Fassaden und Dächern als städtische Kühlung
Die Idee, Dächer und Fassaden stärker zu begrünen, gewinnt in Winterthur an Bedeutung. Begrünte Häuser schaffen mehr Schatten, reduzieren die Aufheizung von Fassaden und Strassen und verbessern so lokal das Stadtklima. Vor dem Hintergrund der jüngsten Klimaszenarien stellt sich die Frage, wie solche Massnahmen konkret zur Abmilderung von Hitzeextremen in Winterthur beitragen können.
Warum Begrünung wirkt
Begrünte Fassaden und Dachbegrünungen wirken auf mehreren Ebenen: Sie vermindern die direkte Sonneneinstrahlung auf Gebäudeflächen, speichern und verdunsten Wasser und schaffen Schattenplätze für Passantinnen und Passanten. In der Folge lässt sich die Oberflächentemperatur von Fassaden und Trottoirs senken, was Hitzeinseln und Tropennächte abmildern kann. Der Text verweist auf bekannte Vorbilder wie das Hundertwasserhaus in Wien oder das Bosco Verticale in Mailand, die zeigen, wie Vegetation in dichter Stadtbauweise integriert werden kann.
«Der Mensch muss auf den Dächern der Natur zurückgeben, was er ihr widerrechtlich unten beim Hausbau weggenommen hat.»
Der historische Satz von Friedensreich Hundertwasser wird in der Debatte oft zitiert, weil er das Prinzip hinter der Dach- und Fassadenbegrünung prägnant zusammenfasst: Urbaner Raum kann durch Vegetation ökologisch aufgewertet werden.
Datenlage: Schweiz stärker erwärmt
Die jüngsten Klimaszenarien «Klima CH2025», erstellt von MeteoSchweiz, der ETH Zürich und Partnerinstitutionen, unterstreichen die Dringlichkeit: Während die globale Erwärmung seit vorindustrieller Zeit bei rund 1,4 °C liegt, ist die Erwärmung in der Schweiz laut Bericht bereits etwa 2,9 °C. Diese Zahlen erklären, weshalb Städte wie Winterthur besonders unter längeren und heisseren Perioden leiden.
| Räumlicher Bezug | Erwärmung seit vorindustrieller Zeit |
|---|---|
| Global | ~1,4 °C |
| Schweiz | ~2,9 °C |
Konsequenzen für Winterthur
Für Winterthur bedeutet die erhöhte Temperatur eine Zunahme von sehr heissen Tagen und von Tropennächten, in denen die Temperatur nachts nicht mehr unter 20 °C sinkt. Solche Entwicklungen belasten die Lebensqualität und die Gesundheit, insbesondere von älteren Menschen und chronisch Kranken. Begrünte Gebäude können hier lokal Abhilfe schaffen, indem sie:
- Schatten bieten und direkte Sonneneinstrahlung reduzieren,
- Verdunstungskälte erzeugen und so Umgebungstemperaturen senken,
- die biologische Vielfalt in der Stadt fördern und zur Aufenthaltsqualität beitragen.
Welche Schritte Winterthur konkret unternimmt, hängt von Planung, Finanzierung und dem Engagement privater Bauherrschaften ab. Stadtplanerinnen und -planer sowie Bauträger müssen Abwägungen treffen zwischen Kosten, Tragfähigkeit von Dächern, Pflegeaufwand und städtebaulichen Vorgaben. Zudem spielen Förderprogramme und kantonale Vorgaben eine Rolle, um Begrünungsprojekte attraktiver zu machen.
Ausblick und Handlungsspielräume
Begrünte Häuser sind kein Allheilmittel, aber sie sind ein praktikabler Baustein in einem Mix von Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Auf lokaler Ebene lassen sich kurzfristig sichtbare und spürbare Effekte erzielen, etwa durch Grünpfeiler auf Strassen, extensive Dachbegrünungen oder Fassadenbegrünungen an öffentlichen Bauten. Langfristig braucht es jedoch integrierte Konzepte, die Stadtplanung, Verkehrslenkung, Grünflächenerhalt und Gebäudekonzepte zusammenführen.
Die Diskussion um begrünte Fassaden und Dächer bietet Winterthur die Chance, stadtklimatische Vorteile mit städtebaulicher Qualität zu verbinden. Ziel muss sein, die Stadt für kommende Hitzesommer resilienter zu machen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität in Quartieren zu erhöhen.