Die waadtländische Staatsrätin Valérie Dittli hat ihren Willen bekräftigt, bei den nächsten Wahlen in den Staatsrat erneut anzutreten. Die definitive Frage, ob sie als offizielle Kandidatin ihrer Partei antreten darf, entscheidet die Delegiertenversammlung der Die Mitte Waadt am 2. September. Zuvor will der kantonale Parteivorstand am Donnerstag eine Stellungnahme verfassen.
Interne Zerreissprobe in der Partei
Die Parteiführung steht unter Druck: Der neunköpfige Präsidialausschuss der Mitte Waadt hat bereits empfohlen, Dittli nicht weiter zu unterstützen. Parteipräsident Giancarlo Sergi betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA jedoch, die Delegierten hätten «alle Karten in der Hand» und müssten selbst entscheiden. Konkrete Gegenkandidaturen sind für die Versammlung bisher nicht angekündigt.
«Die Delegierten hätten nun aber 'alle Karten in der Hand und müssten eine Entscheidung treffen',» sagte Giancarlo Sergi.
Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund eines angespannten politischen Klimas für Dittli. In den letzten Monaten haben mehrere Affären und kritische parlamentarische Berichte ihr Image im Kanton stark belastet. Medienberichten zufolge laufen gegen die 33-jährige Politikerin zwei Strafuntersuchungen; parlamentarische Prüfungen attestierten Probleme etwa im Management und im Umgang mit Verwaltungsangestellten.
Wenig Aussicht auf breite Bündnisse
Bei ihrem überraschenden Einzug in die Regierung 2022 profitierte Dittli von Unterstützung aus anderen Parteien, namentlich FDP und SVP. Diese Allianz scheint diesmal nicht zu existieren. Beobachterinnen und Beobachter erwarten, dass die Mitte im Kanton Waadt derzeit nur begrenztes Gewicht hat, weshalb eine Nominierung Dittlis ohne zusätzliche Partner die Chancen auf einen erfolgreichen Wahlkampf schmälern würde.
Dittli selbst zeigt sich dennoch entschlossen. In einem Interview kündigte sie an, erneut anzutreten «um zu gewinnen». Sollte die Partei sie nicht offiziell unterstützen, schliesst sie nicht aus, unabhängig zu kandidieren. Diese Option würde das politische Gefüge im Kanton weiter verkomplizieren.
Inhaltliche Schwerpunkte und Rechtfertigung
Im Gespräch mit der Presse verteidigte Dittli Teile ihrer Amtsführung, räumte aber Fehler zu Beginn ihrer Zeit als Departementsvorsteherin ein und übernahm Verantwortung. Sie betonte zugleich ihre Arbeitsleistung und nannte konkrete politische Ziele, mit denen sie in den Wahlkampf ziehen will: Senkung der Steuerlast, Entlastung der KMU und Stärkung der Kaufkraft des Mittelstandes. Weiterhin will sie die Landwirtschaft mit Innovationsförderung gegen die Folgen des Klimawandels und wiederkehrende Dürreperioden wappnen.
Politische Wirkung und mögliche Szenarien
Die Entscheidung der Delegierten hat mehrere Folgen:
- Eine offizielle Nominierung der Mitte würde Dittli formal in den Wahlkampf schicken, allerdings ohne die früheren breiten Koalitionspartner.
- Lehnt die Partei die Nominierung ab, könnte Dittli als unabhängige Kandidatin antreten; dies würde die Fragmentierung auf dem bürgerlichen Lager verstärken.
- Bleibt sie aussen vor, eröffnet das Raum für neue Kandidaturen innerhalb der Mitte und mögliche taktische Abstimmungen mit anderen Parteien.
Die politische Ausgangslage ist damit offen. Ohne die Unterstützung anderer Parteien dürfte ein Erfolg Dittlis bei den Urnen schwierig werden, zumal die Affären und die Untersuchungen ihre Glaubwürdigkeit bei Teilen des Publikums und der politischen Klasse beeinträchtigt haben.
Zeitleiste
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2022 | Dittlis überraschender Einzug in den Staatsrat mit Unterstützung mehrerer Parteien |
| seit 2025 | Parlamentarische Berichte und kritische Medienberichterstattung zu Affären |
| 16. August 2026 | Medienberichte über interne Ablehnung in der Parteiführung; Dittli kündigt Wiederkandidatur an |
| 2. September 2026 | Delegiertenversammlung der Mitte Waadt entscheidet über Kandidatur |
Die Debatte in der Mitte Waadt wird in den kommenden Tagen an Intensität gewinnen. Für den Kanton sind die Entwicklungen relevant, weil die interne Entscheidung das Kräfteverhältnis in der kommenden Staatsratswahl beeinflusst. Beobachterinnen und Beobachter werden genau verfolgen, ob sich Dittli gegen interne Widerstände durchsetzen kann oder ob die Partei einen Neuanfang anstrebt.
Als Regionalkorrespondent beobachte ich, wie persönliche Kontroversen, institutionelle Prüfungen und strategische Erwägungen aufeinandertreffen. Die Versammlung vom 2. September wird Klarheit bringen – ob sie aber Ruhe in die politische Debatte bringt, ist offen.