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Waadtländer Mitte zieht Unterstützung für Staatsrätin Valérie Dittli zurück

Das Präsidium der Mitte Waadt beschliesst mit knapper Mehrheit, Valérie Dittli bei den Wahlen 2027 nicht zu unterstützen. Die Partei begründet den Schritt mit dem Wunsch nach einem politischen Neuanfang; zwei laufende Verfahren gegen die Staatsrätin und ein externes Rechtsgutachten prägen die Debatte.

Waadtländer Mitte zieht Unterstützung für Staatsrätin Valérie Dittli zurück
©Illustration KI Laurent Rochat / we-news.com

Das Präsidium der Partei Die Mitte Waadt hat beschlossen, Staatsrätin Valérie Dittli bei den kantonalen Wahlen 2027 nicht mehr aktiv zu unterstützen. Der Entscheid fiel nach Angaben der Partei mit sieben zu zwei Stimmen und signalisiert eine Wende in der Haltung gegenüber der umstrittenen Regierungsrätin.

Parteichef nennt Neuanfang als Beweggrund

Parteipräsident Giancarlo Sergi bestätigte die Entscheidung und erklärte, die Partei wolle einen politischen Neuanfang prüfen und neue Bündnisse ausloten. Bis zum Ende der laufenden Legislatur werde man Dittli jedoch weiterhin unterstützend begleiten. Die Partei kündigte Beratungen im Kantonalvorstand am 20. August sowie eine Delegiertenversammlung am 2. September an, an der die Strategie für die Wahlen im Februar 2027 weiter konkretisiert werden soll.

«Wir wollen dieses Kapitel unbedingt schliessen»

Die Entscheidung des Parteipräsidiums folgt einer längeren Krise um die Staatsrätin. Valérie Dittli steht seit Monaten unter Druck: Gegen sie laufen zwei Untersuchungsverfahren. Im Zentrum der Kritik steht ein Bericht des ehemaligen Kantonsrichters Jean-François Meylan, der unter anderem einen umstrittenen Abschluss eines Rechtsstreits mit einem Mandat über rund 40’000 Franken thematisiert. Ein weiterer Vorwurf lautet auf Amtsmissbrauch.

Rechtliche Auseinandersetzungen und Gutachten

Dittli weist die Vorwürfe zurück und betont ihre Unschuldsvermutung. Zugleich liess sie ein externes Rechtsgutachten erstellen, das das gegen sie geführte Verfahren kritisiert. Die Rechtsprofessoren Vanessa Rüegger und Felix Uhlmann kommen in ihrem Gutachten zum Schluss, Dittli sei im Zuge der Untersuchung nicht in ausreichendem Masse angehört worden, obwohl sie dies mehrfach schriftlich verlangt habe. Die Veröffentlichung dieser Stellungnahme zeigte, dass die Staatsrätin nicht kampflos in die Defensive gehen will.

Auswirkungen auf Bündnisstrategien

Die Entscheidung der Mitte hat unmittelbare Konsequenzen für mögliche Koalitionsoptionen im Kanton. Die Partei ist bestrebt, nach dem Verlust von Sitzen im Kantonsparlament ihre Position neu zu ordnen und über Bündnisse mit anderen Parteien zu verhandeln. Aus einem jüngst bekannt gewordenen Strategiepapier geht hervor, dass mehrere potenzielle Partner eine Unterstützung Dittlis im Falle einer erneuten Kandidatur ablehnen würden.

Konkreter Widerstand gegen eine Dittli-Kandidatur soll unter anderem von den Grünliberalen, der EVP, Les Libres sowie Teilen des bürgerlichen Spektrums signalisiert worden sein. Das Präsidium der Mitte betrachtet derzeit eine Allianz mit Grünliberalen, EVP und Les Libres als eine der erfolgversprechenden Varianten.

Offene Fragen vor den Wahlen

Valérie Dittli selbst hat noch nicht bekanntgegeben, ob sie für eine Wiederwahl antreten wird. Sie kündigte an, ihren Entscheid in den kommenden Tagen öffentlich zu machen. Sollte sie kandidieren, könnte die Delegiertenversammlung vom 2. September das letzte Wort haben; andernfalls dürfte der Entscheid des Präsidiums die Richtung für die Kantonalpolitik der Mitte vorgeben.

Für die Wählerinnen und Wähler im Kanton Waadt stellen sich mehrere Fragen: Welche Konsequenzen hat der Rückzug der parteiinternen Unterstützung für das Profil der Mitte? Wie stabil sind mögliche Bündnisse, die ohne Dittli als Kandidatin angestrebt werden? Und welche Bedeutung haben die laufenden Verfahren für das Vertrauen in die kantonale Exekutive?

Praktische Hinweise und nächste Schritte

  • Die Mitte Waadt berät im Kantonalvorstand am 20. August.
  • Die Delegiertenversammlung entscheidet am 2. September über die Wahlstrategie für 2027.
  • Valérie Dittlis definitive Erklärung zur Frage einer neuerlichen Kandidatur wird in den kommenden Tagen erwartet.

Die Entwicklung bleibt für die Lokalpolitik bedeutsam: Einerseits geht es um die Person einer einzelnen Regierungsrätin, andererseits um die langfristige Neuorientierung einer Partei, die sich im Kanton Waadt neu positionieren muss. Die weitere Debatte wird zeigen, ob die Mitte mit ihrer Abkehr von Dittli in der Lage ist, Wähler zurückzugewinnen und stabile Listenbündnisse für die kommenden Wahlen zu schmieden.

DatumEreignis
14. Juli (Abstimmung laut Bericht)Präsidium zog Unterstützung für Dittli zurück (sieben zu zwei Stimmen)
20. AugustSitzung des Kantonalvorstands der Mitte Waadt
2. SeptemberDelegiertenversammlung: Entscheidung über Wahlstrategie 2027
Februar 2027Kantonale Regierungsratswahlen

Die politische Diskussion im Kanton Waadt bleibt offen. Beobachterinnen und Beobachter werden in den nächsten Wochen besonders auf die äusseren Reaktionen potenzieller Bündnispartner sowie auf die juristischen Entwicklungen rund um die Vorwürfe gegen Dittli achten.

Laurent Rochat
Laurent KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Waadt – WE NEWS online

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