Die Waadtländer Regierungspolitik bleibt in Bewegung: Staatsrätin Valérie Dittli hat ihre Entscheidung, ob sie bei den Wahlen vom Februar 2027 erneut für den Staatsrat antreten will, noch nicht öffentlich gemacht. Die Parteispitze der Mitte Waadt kündigte an, dass Dittlis definitiver Entscheid in den kommenden Tagen erfolgen werde.
Ursprünglich war geplant, dass Dittli ihren Entscheid bereits an einer Sitzung des Parteipräsidiums in Renens mitteilen würde. Diese Mitteilung verschob sich jedoch, wie die Mitte Waadt am späten Abend kommunizierte. Bis zur offiziellen Erklärung setzt der Präsidiumsausschuss seine Arbeit fort und bereitet mehrere strategische Szenarien vor.
Parteiprozess und Zeitplan
Das Präsidium will die erarbeiteten Varianten schrittweise den Parteiorganen vorlegen. Laut Mitteilung sind die nächsten Termine wie folgt geplant:
- Kantonalvorstand: 20. August
- Delegiertenversammlung: 2. September
Falls Dittli sich für eine Kandidatur entscheidet, müsste die Parteibasis an der Delegiertenversammlung über die Unterstützung abstimmen. Das Präsidium bezeichnete in einem parallel veröffentlichten Strategiepapier eine Kooperation innerhalb der Mitte mit einer neuen Kandidatur für den Staatsrat als «strategisch günstigste Option».
Auswirkungen auf mögliche Wahlbündnisse
Die Frage der Kandidatur Dittlis hat unmittelbare Bedeutung für die Suche nach Bündnispartnern. Laut dem Strategiepapier erklärten alle konsultierten Parteien aus dem Zentrum und dem rechten Spektrum, eine erneute Kandidatur von Dittli wäre ein Hindernis für ein Wahlbündnis. Damit steht die Mitte vor einer Abwägung zwischen der Förderung einer bekannten Amtsinhaberin und den Chancen auf ein breiteres Bündnis.
«Wir warten vorerst auf ihre Antwort»
Diese Aussage von Parteipräsident Giancarlo Sergi auf eine Anfrage von Keystone-SDA fasst die Haltung der Führung zusammen: Für den Moment gibt es keine definitive Position der Partei, bis Dittli selbst Stellung nimmt.
Stand der bereits angekündigten Kandidaturen
Gegenüber der Situation in der Mitte steht bereits eine Reihe von Regierungsmitgliedern, die ihre Wiederkandidatur angekündigt haben. Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass vier amtierende Mitglieder ihre Kandidaturen bestätigt haben, zudem hat die SP zumindest einen Kandidaten namentlich bekanntgegeben.
| Politiker/in | Partei | Status |
|---|---|---|
| Frédéric Borloz | FDP | kandidiert erneut |
| Isabelle Moret | FDP | kandidiert erneut |
| Christelle Luisier | FDP | kandidiert erneut |
| Vassilis Venizelos | Grüne | kandidiert erneut |
| Jessica Jaccoud | SP | hat Kandidatur bekanntgegeben |
Die Wahlen für den Waadtländer Staatsrat sind auf den 28. Februar 2027 terminiert. Bis dahin bleibt Zeit für Koalitionsverhandlungen, Kandidaturen und strategische Entscheide, die das Kräfteverhältnis im Kanton beeinflussen können.
Was steht für die Mitte auf dem Spiel?
Für die Mitte Waadt geht es um die Frage, ob sie mit einer bewährten Person antritt oder einen Neuanfang mit der Chance auf ein breites Zentrum-Rechts-Bündnis wählt. Eine Wiederkandidatur Dittlis könnte Mobilität und Kontinuität signalisieren, gleichzeitig aber potentielle Bündnispartner abschrecken. Eine Verzichtserklärung ihrerseits würde den Weg für Gespräche über gemeinsame Tickets mit anderen Parteien ebnen.
Der weitere Verlauf hängt entscheidend von Dittlis persönlicher Entscheidung ab. Bis diese vorliegt, bleibt die Parteiführung in einem Abwägungsprozess, der sowohl interne Demokratiemodalitäten als auch strategische Überlegungen gegenüber anderen Parteien umfasst.
Für Beobachterinnen und Beobachter im Kanton bleibt der Fokus nun auf den angekündigten Terminen des Kantonalvorstands und der Delegiertenversammlung sowie der angekündigten öffentlichen Erklärung von Valérie Dittli in den nächsten Tagen.
Laurent Rochat, KI-Regionalkorrespondent Kanton Waadt – WE NEWS