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Staatsarchiv digitalisiert 450 Fotos der Textilfirma Koller in Gais und öffnet Industriegeschichte

Das Staatsarchiv in Herisau hat eine umfangreiche fotografische Sammlung der Textilveredelungsfirma Koller + Co. aus Gais digital zugänglich gemacht. Die Bilder zeigen Baustellen, Arbeitsszenen und Lebensspuren vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Kriegsjahre.

Staatsarchiv digitalisiert 450 Fotos der Textilfirma Koller in Gais und öffnet Industriegeschichte
©Illustration KI Andrea Steiner / we-news.com

Das Staatsarchiv des Kantons Appenzell Ausserrhoden hat eine umfangreiche Fotosammlung der Textilveredelungsfirma Koller + Co. aus Gais digitalisiert und online zugänglich gemacht. Insgesamt handelt es sich um rund 450 Fotografien aus dem Nachlass des Fotografen Willy Koller senior, wie der Kanton in einer Mitteilung schreibt. Die Bilder geben Einblick in den Aufbau des Fabrikareals im Strahlholz, Arbeitsabläufe und Alltagsmomente der Belegschaft.

Vom Bau bis zum Arbeitsalltag: Breites Bild der Industriegeschichte

Die Aufnahmen entstanden überwiegend im ersten Halbjahr des 20. Jahrhunderts und dokumentieren Fachbereiche, Bauphasen und Infrastrukturarbeiten. Darunter sind:

  • Aufnahmen des schrittweisen Ausbaus des Fabrikareals
  • Fotos von Einbauten wie Heizkesseln und dem Errichten von Hochkaminen
  • Szenen von Arbeiten auf Gerüsten, die heute als unsicher gelten würden
  • Dokumente zur Holzlagerung während der Kohleknappheit im Zweiten Weltkrieg
  • Bau von firmeneigenen Siedlungen und Verkehrsarbeiten (Strassen, Bahn) in den 1940er-Jahren

Die Bilder zeigen zudem Personalporträts und mehrere Unfallfotos, unter anderem des Firmenwagens aus den 1930er-Jahren. Sie bieten damit nicht nur technische, sondern auch soziale Einblicke in die lokale Industriegeschichte.

Überlieferung und Digitalisierung

Die Sammlung stammt aus dem Nachlass von Willy Koller senior (1912–1987) und wurde vom ehemaligen Firmeninhaber Willy Koller junior dem Staatsarchiv übergeben. Die Übernahme erfolgte 2026; die Digitalisierung ist laut Staatsarchiv kürzlich abgeschlossen worden. Die Bilder können über den Online-Archivkatalog des Staatsarchivs eingesehen werden (https://archives-quickaccess.ch/search/staar/baureportagen-koller).

"Es handelt sich um 450 Fotografien", sagt Renate Bieg, die stellvertretende Staatsarchivarin.

Bedeutung für Forschung und Lokalgeschichte

Für Historikerinnen und Historiker, Studierende der Industriearchäologie und lokalgeschichtlich Interessierte eröffnen die Fotografien neue Quellen. Sie erlauben eine Detailanalyse von Bauweisen, technischen Einrichtungen und den Arbeitsbedingungen in einer Phase, in der Sicherheits- und Arbeitsstandards noch anders aussahen als heute. Die Aufnahmen sind zudem von Wert für Familienforschung und Ortsgeschichte, weil zahlreiche Arbeiterinnen und Arbeiter abgebildet sind.

Kontext: Textilveredelung in Appenzell Ausserrhoden

Die Textilbranche prägte die wirtschaftliche Entwicklung zahlreicher Gemeinden im Kanton. Firmen wie Koller + Co. waren Teil dieses regionalen Netzwerks von Produktion, Zulieferern und Wohnbauten. Die Dokumentation des Fabrikareals sowie der Bau einer firmeneigenen Siedlung weisen auf die enge Verzahnung von Arbeit, Wohnen und Infrastruktur in dieser Epoche hin.

Praktische Hinweise zur Nutzung

Die digitalisierten Bilder stehen im Online-Katalog des Staatsarchivs zur Recherche bereit. Interessierte sollten folgende Punkte beachten:

  • Die Suchabfrage im Archivkatalog erfolgt über Titel, Schlagworte oder Namen; die direkte URL wurde vom Staatsarchiv publiziert.
  • Für wissenschaftliche Publikationen oder Wiederverwendung empfiehlt sich eine Rückfrage beim Staatsarchiv hinsichtlich Nutzungs- und Bildrechten.
  • Originale verbleiben im Archiv; Reproduktionen können in der Regel über die zuständige Stelle bestellt werden.
Merkmal Angabe
Anzahl Fotografien 450
Entstehungszeitraum Frühes 20. Jahrhundert bis 1940er-Jahre
Hauptthemen Bau, Technik, Arbeit, Lager, firmeneigene Siedlung

Ausblick

Die Freischaltung der Fotos ist ein Schritt zur Erhaltung und Vermittelung regionaler Industriegeschichte. Solche digitalen Sammlungen erleichtern den Zugang zu Quellen, ermöglichen Vergleiche über Zeiträume hinweg und fördern das Bewusstsein für die lokale Entwicklung. Für Forscherinnen, Schülergruppen und die interessierte Öffentlichkeit bieten die Bilder nun unmittelbar Anschauungsmaterial, das bislang nur vor Ort zugänglich war.

Bereits jetzt lassen sich in der Sammlung Themen für weitergehende Untersuchungen ausmachen: Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz, Wohnverhältnisse firmeneigener Siedlungen oder die Auswirkungen von Rohstoffengpässen wie der Kohleknappheit im Zweiten Weltkrieg auf die lokale Produktion. Das Staatsarchiv hält die Bilddaten als Teil des kollektiven Gedächtnisses des Kantons bereit.

Andrea Steiner
Andrea KI KI-Ressortleiterin Kultur – WE NEWS online

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