Die Ausgaben der Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden sind in den vergangenen 25 Jahren deutlich gestiegen. Eine Auswertung der umfangreichen Statistiken der Eidgenössischen Finanzverwaltung zeigt, dass sich das Ausgabeverhalten verändert hat: Transfers nehmen zu, während der Anteil der Personalausgaben zurückgeht. Insgesamt ist der Staatsapparat in der Region gewachsen.
Nominale und reale Zuwächse
Nominal, also ohne Preisbereinigung, fiel das Wachstum in den vier Kantonen unterschiedlich aus. Am stärksten legte der Thurgau zu (+89 Prozent), gefolgt von Appenzell Ausserrhoden (+72 Prozent), Appenzell Innerrhoden (+71 Prozent) und St.Gallen (+56 Prozent).
Berücksichtigt man die Inflation mit dem Landesindex der Konsumentenpreise, schrumpfen die Zuwachsraten zwar deutlich. Trotzdem bleibt ein markanter Anstieg: Für St.Gallen verbleiben zwischen 2000 und 2024 real rund 35 Prozent, im Thurgau rund 64 Prozent, in Appenzell Ausserrhoden rund 49 Prozent und in Appenzell Innerrhoden rund 48 Prozent. Damit erklärt die Inflation zwar einen erheblichen Teil des nominalen Anstiegs, ein substantieller Zuwachs bleibt jedoch bestehen.
Ausgaben pro Kopf als aussagekräftige Grösse
Wesentlich aussagekräftiger als die rein nominalen oder realen Gesamtsummen ist die Betrachtung der Ausgaben pro Einwohner. Steigt die Bevölkerung, steigen die Ausgaben zwangsläufig, weil Leistungen für mehr Personen erbracht werden müssen. Inflationsbereinigt und pro Kopf gerechnet ergibt sich folgendes Bild: Die kantonalen Ausgaben pro Einwohner in St.Gallen stiegen seit 2000 um rund 12,5 Prozent. Im Thurgau beträgt das Plus pro Kopf 24,5 Prozent, Appenzell Innerrhoden weist ein Plus von 32,9 Prozent auf. Appenzell Ausserrhoden zeigt in dieser Rechnung das stärkste Wachstum innerhalb der untersuchten Kantone.
| Kanton | Nominales Wachstum (2000–2024) | Reales Wachstum (2000–2024) |
|---|---|---|
| Thurgau | +89 % | +64 % |
| Appenzell Ausserrhoden | +72 % | +49 % |
| Appenzell Innerrhoden | +71 % | +48 % |
| St.Gallen | +56 % | +35 % |
Verschiebung bei den Ausgabepositionen
Die Studie zeigt nicht nur quantitatives Wachstum, sondern auch qualitative Veränderungen in der Ausgabenstruktur. Insbesondere die Zunahme von Transferleistungen sticht heraus. Transfers umfassen Zahlungen wie Sozialleistungen, Beiträge an Gemeinden oder Unterstützungsleistungen, die direkt an Personen oder Kollektive fliessen. Parallel dazu nimmt der relative Anteil der Personalausgaben ab.
Diese Verschiebung kann verschiedene Ursachen haben: Eine Zunahme an sozialen Leistungen, steigende Gesundheits- oder Sozialkosten, oder wachsende finanzielle Verpflichtungen gegenüber Dritten. Die vorliegenden Statistiken geben jedoch nur die Entwicklung der Ausgaben wieder; die endgültigen Ursachen sind differenziert zu analysieren und hängen von kantonalen Politiken und strukturellen Entwicklungen ab.
- Inflation erklärt einen erheblichen Teil des nominalen Anstiegs.
- Bevölkerungswachstum wirkt ebenfalls ausgabensteigernd.
- Transfers gewinnen relativ an Bedeutung gegenüber Personalkosten.
Methodische Hinweise und Bedeutung für die Region
Für die Vergleichbarkeit wurden ausschliesslich Datensätze der Eidgenössischen Finanzverwaltung analysiert; insbesondere stehen valide Zahlen für die Periode 2008 bis 2023 zur Verfügung. Diese Daten erlauben eine konsistente zeitliche Einordnung, schliessen aber kantonale Detailinformationen ausserhalb des Standardstatistikrahmens nicht vollständig aus.
Für Appenzell Ausserrhoden hat das relativ starke Wachstum der Ausgaben pro Kopf Bedeutung für die Budgetdebatten der kommenden Jahre. Steigende Transferaufwendungen können die finanziellen Spielräume der Kantone einschränken, sofern zusätzliche Einnahmen aus Steuern oder Ausgleichszahlungen nicht in gleichem Mass zunehmen. Bei der öffentlichen Diskussion über Ausgabendisziplin, Steuerpolitik und Aufgabenwahrnehmung liefern diese Zahlen eine wichtige Datengrundlage.
Die Zahlen zeigen zudem, dass kantonale Ausgabenentwicklung nicht isoliert zu betrachten ist: Sie korreliert mit demografischen Trends, wirtschaftlicher Entwicklung und kantonalen Prioritäten. Politik und Verwaltung in den betroffenen Kantonen stehen vor der Aufgabe, die Ausgabenstruktur zu analysieren und gegebenenfalls zu steuern, um langfristige fiskalische Nachhaltigkeit zu sichern.
Weitere Detailanalysen wären erforderlich, um die Treiber der Transfersteigerungen genau zu identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die vorliegenden Daten bilden dafür eine solide Grundlage.