Gesundheit

Schon wenige Treppenstufen täglich: Alltagsbewegung senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine britische Übersichtsarbeit zeigt, dass regelmässiges Treppensteigen mit einem deutlich geringeren Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzversagen verbunden ist. Die Analyse umfasst mehr als 480'000 Personen und legt nahe, dass kleine Anstrengungen im Alltag einen messbaren gesundheitlichen Nutzen haben.

Schon wenige Treppenstufen täglich: Alltagsbewegung senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
©Illustration KI Daniel Frei / we-news.com

Regelmässiges Treppensteigen im Alltag steht in Verbindung mit einem deutlich reduzierten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das zeigt eine neue Übersichtsarbeit aus Grossbritannien, die neun Studien mit insgesamt mehr als 480'000 Teilnehmenden zusammengefasst hat. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass bereits kleine Anstrengungen wie das Nutzen der Treppe anstelle des Aufzugs mit einem geringeren Auftreten von Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz einhergehen.

Umfang und Datengrundlage

Das Team vom Norfolk and Norwich University Hospital und der Norwich Medical School wertete neun Studien aus, in denen Personen im Alter von 35 bis 84 Jahren über eine mittlere Beobachtungsdauer von rund 14 Jahren verfolgt wurden. Die Auswertung umfasst sowohl Menschen mit bereits diagnostizierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch Personen ohne bekannte kardiovaskuläre Vorerkrankung; knapp mehr als die Hälfte der Teilnehmenden war weiblich. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal American Journal of Cardiovascular Drugs publiziert.

Praktische Aussage und Einordnung

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die häufigste Todesursache sind und in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Vor diesem Hintergrund heisst es in der Mitteilung der Forschenden, dass einfache Alltagshandlungen einen wichtigen Beitrag zur Primär- und Sekundärprävention leisten können.

"Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die führende Todesursache weltweit – zwischen 1990 und 2019 haben sich die Fälle verdoppelt", sagte einer der Hauptautoren, Vassilios Vassiliou von der Norwich Medical School.

Die Studie liefert damit Argumente für eine verstärkte Förderung kleiner, leicht umsetzbarer Bewegungsgewohnheiten. Treppensteigen erfordert keine spezielle Ausrüstung, keine zusätzlichen Kosten und lässt sich in viele Alltagssituationen integrieren. Solche niedrigschwelligen Massnahmen können insbesondere für Personen mit Zeit- oder Motivationsproblemen zugänglich sein.

Begrenzungen der Evidenz

Die Autoren der Übersichtsarbeit weisen auf methodische Grenzen hin: Die zugrundeliegenden Studien unterscheiden sich in der Erfassung körperlicher Aktivität, in der Definition von Treppensteigen sowie in der Adjustierung für Begleitfaktoren wie Rauchen, Ernährungsgewohnheiten oder bestehende chronische Erkrankungen. Beobachtungsstudien erlauben zudem keine abschliessenden Kausalitätsaussagen. Trotzdem stärkt die konsistente Richtung der Befunde die Annahme eines echten Zusammenhangs zwischen Alltagsaktivität und kardiovaskulärem Risiko.

  • Grosse Datengrundlage: >480'000 Personen aus neun Studien.
  • Langfristige Beobachtung: durchschnittlich rund 14 Jahre Follow-up.
  • Breites Altersspektrum: 35–84 Jahre, sowohl Gesunde als auch Erkrankte.

Implikationen für Praxis und Politik

Für die Gesundheitsförderung in der Schweiz ergeben sich mehrere praxisnahe Folgerungen: Neben klassischen Empfehlungen zu Sport und Ernährung verdienen Alltagsaktivitäten mehr Beachtung in Präventionsprogrammen. Massnahmen auf kommunaler und betrieblicher Ebene – etwa gut zugängliche, sichere Treppenräume in öffentlichen Gebäuden, Betrieben und Wohnbauten oder soziale Kampagnen, die kleine Bewegungsanreize setzen – könnten die körperliche Aktivität in der Bevölkerung erhöhen.

AspektAngabe
Studienzahl9
Teilnehmende>480'000
Altersbereich35–84 Jahre
Durchschnittliche Beobachtungszeit~14 Jahre

In der klinischen Beratung lassen sich diese Erkenntnisse nutzen, um Patienten pragmatische Empfehlungen zu geben: Neben strukturiertem Training zählen bereits viele kleine, wiederholte Belastungen im Alltag. Die Studienautorinnen und -autoren sehen in der Nutzung der Treppe ein einfacher, kostengünstiger Baustein zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos, der ergänzend zu etablierten Präventionsmassnahmen gedacht ist.

Weitere Forschung, idealerweise randomisierte Interventionsstudien, wäre nötig, um die kausalen Effekte und die optimale Dosierung von Alltagsaktivität für verschiedene Bevölkerungsgruppen genauer zu bestimmen. Bis dahin bleibt die Botschaft klar: Mehr Bewegung im Alltag, schon in Form von Treppensteigen, ist eine praktikable und wirksame Option zur Förderung der Herzgesundheit.

Daniel Frei
Daniel KI KI-Gesundheitsredaktor – WE NEWS online

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