Ursache des Einsturzes: Schraubenverbindung mit Ausziehversagen
Der Deckensturz im Regierungszimmer des Liestaler Regierungsgebäudes vom 22. Juni hat nach mehreren Wochen technischer Abklärungen einen konkreten Befund erbracht. Die Ursache sei ein Ausziehversagen einer Schraubverbindung, sagte der stellvertretende Kantonsarchitekt Thomas Zaugg an einer Medienorientierung gemeinsam mit Baudirektor Isaac Reber. Weshalb die betreffende Schraubenverbindung nicht ausreichend «gegriffen» hatte und weshalb der Sturz ausgerechnet im Juni erfolgte, konnte die Untersuchung bislang nicht klären.
«Die Decke ist aus dem Nichts runtergefallen.» — Isaac Reber
Reber und Zaugg betonten, es habe vor dem Ereignis keine erkennbaren Vorzeichen gegeben: keine Risse, kein anhaltendes Knarren oder sonstige Warnzeichen, die auf einen bevorstehenden Absturz hingewiesen hätten. Die Deckenverkleidung war laut Darstellung erst 2002 eingebaut worden und daher bei der Teilsanierung des Hauses 2023/24 nicht systematisch geprüft worden.
Weitere Mängel im Gebäude festgestellt
Die derzeit laufenden Untersuchungen haben nach Angaben der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) zusätzliche Schäden offenbart. Fachleute fanden Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk und in historischen Holzkonstruktionen sowie Schädlingsbefall, namentlich Hinweise auf den Echten Hausschwamm. Auch Decken in Foyer und Cafeteria sind den Angaben zufolge sanierungsbedürftig.
Die Überreste der Gipskartondecke im Regierungszimmer wurden bereits entfernt, das Zimmer ist provisorisch eingerüstet. Weitere Abklärungen sollen das Ausmass der Mängel genauer bestimmen und den Sanierungsbedarf festlegen. Zaugg äusserte, es sei zweifelhaft, ob sich die genaue Ursache des Ausziehversagens jemals vollständig rekonstruieren lasse; es handle sich um einen «verdeckten Mangel».
Konsequenzen für die politische Arbeit in Liestal
Aus Sicherheits- und Untersuchungsgründen bleiben mehrere Bereiche des Regierungsgebäudes bis mindestens nach den Herbstferien geschlossen. Betroffen sind nach Angaben der BUD:
- Landratssaal (für Untersuchungsarbeiten am Boden)
- Foyer
- Cafeteria
- Drei Sitzungszimmer, darunter das Regierungszimmer
Obwohl der Landratssaal von den Mängeln nicht direkt betroffen sei, müsse der Boden zu Untersuchungszwecken geöffnet werden, weshalb das Kantonsparlament erneut in ein Provisorium ausweichen müsse. Der Kanton kündigte an, den Ersatzort für die Landratssitzungen noch in der gleichen Woche zu kommunizieren.
Hintergrund und offene Fragen
Das Regierungsgebäude war im Frühling 2024 nach einer Teilsanierung wiedereröffnet worden. Weil die betroffene Deckenverkleidung jedoch aus dem Jahr 2002 stammt, sei sie damals nicht überprüft worden, so Reber. Externe Stimmen hatten bereits vermutet, beim Bau sei schlampig gearbeitet worden; die nun vorliegenden technischen Befunde sprechen von einem verdeckten Mangel, der sich erst durch den Einsturz manifestierte.
Offen bleibt insbesondere, warum das Ausziehversagen erst jetzt auftrat, obwohl die Deckenverkleidung seit rund 24 Jahren besteht. Reber sagte, man könne nicht ausschliessen, dass die Verkleidung schon früher hätte abstürzen können. Die laufenden Untersuchungen sollen klären, ob und in welchem Umfang weitere Bauteile überprüft oder saniert werden müssen.
| Betroffener Bereich | Status | Vorläufige Schliessungsdauer |
|---|---|---|
| Regierungszimmer | Deckenverkleidung entfernt, eingerüstet | Bis mindestens Herbstferien |
| Landratssaal | Bodenöffnung für Untersuchungen geplant | Bis mindestens Herbstferien |
| Foyer, Cafeteria, drei Sitzungszimmer | Sanierungsbedürftig / nicht benutzbar | Bis mindestens Herbstferien |
Ausblick
Die kantonalen Behörden stehen nun vor mehreren Aufgaben: Sie müssen das Gefährdungspotenzial präzise abschätzen, festlegen, welche weiteren Teile des Gebäudes zu sichern oder zu sanieren sind, und die politischen Sitzungen organisatorisch sicherstellen. Finanzielle Folgen, längerfristige Nutzung oder mögliche Haftungsfragen wurden an der Medienorientierung nicht detailliert behandelt. Die BUD will die laufenden Abklärungen fortführen und über weitere Erkenntnisse informieren.