Die anhaltende Hitze und Trockenheit hinterlassen diesem Sommer auch im Kanton Solothurn deutliche Spuren im Wald. Kantonsförster Rolf Manser spricht von einem «extrem frustrierenden» Eindruck, wenn er derzeit durch sein Revier an der Martinsflue geht: Bei 34 Grad im Schatten zeige sich deutlich, wie Bäume verbrennen, Laub braun werde und zum Teil sogar grüne Blätter abfielen.
Besondere Betroffenheit im Jurabogen
Manser beobachtet die grössten Probleme im Jurabogen, der sich nach seinen Angaben vom Raum Genf bis Baden im Aargau erstreckt. Dort zeigten sich die Folgen von Hitze und Wassermangel besonders deutlich. Vor allem die Buchen litten: «Die Buchen leiden am meisten», so Manser. Gesunde Bäume stellten bei extremen Bedingungen die Wasserversorgung der Blätter ein; in vielen Fällen fiele sogar noch grünes Blattwerk ab, was ein besonders schlimmes Zeichen sei.
«Wenn Bäume schreien könnten – es wäre ein sehr lautes Wehklagen.»
Die Situation beschrieb der 62-jährige Forstingenieur als ein Bild der Ohnmacht: Er arbeite seit 34 Jahren im Forstdienst, doch ein derartiges Ausmass an Hitze- und Trockenstress habe er bislang nicht erlebt.
Häufung extremer Jahre
Manser ordnet den aktuellen Sommer in eine Serie auffälliger Hitzejahre ein. Er zählt 2003, 2018, 2023 und 2026 als markante Jahre mit besonders ausgeprägten Hitzebelastungen. Diese wiederkehrenden Extremereignisse setzten die Wälder zunehmend unter Druck und minderten deren Regenerationsfähigkeit.
| Jahr | Bemerkung |
|---|---|
| 2003 | Frühes Referenzjahr für extreme Hitze |
| 2018 | Massive Schäden in vielen Regionen |
| 2023 | Weiteres Extremjahr |
| 2026 | Aktuelle Hitzeperiode mit sichtbaren Schäden |
Welche Zeichen weisen auf Stress bei Bäumen hin?
Laut Manser zeigen sich stressbelastete Bäume vor allem durch ein sogenanntes «Lampfen» der Blätter: Sie hängen schlaff an den Zweigen, verfärben sich und fallen ab. Dieses Verhalten weist auf Wassermangel und eingeschränkte Nährstoffzufuhr hin. Bei manchen Arten, insbesondere der Buche, sei das Abwerfen sogar noch grüner Blätter zu beobachten – ein deutliches Alarmzeichen.
- Betroffene Arten: Besonders Buchen, aber auch Fichten leiden.
- Sichtbare Symptome: Braunfärbung, Blattfall, ‚Lampen‘ der Blätter.
- Tödliche Grenze: Manser nennt Temperaturen von 40 bis 42 Grad als kritische Marke für Bäume.
Langfristige Perspektiven und Herausforderungen
Die wiederkehrenden Hitzeperioden stellen Forstbetriebe und Behörden vor neue Aufgaben. Bäume, die heute Schaden nehmen, vermindern die Strukturstabilität und die langfristige Gesundheit von Beständen. Das hat Folgen für Waldfunktionen wie Schutz vor Erosion, Biodiversität und Holznutzung. Manser betont dabei das Gefühl der Hilflosigkeit vieler Förster angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich Veränderungen zeigen.
Gleichzeitig erfordert die Lage veränderte waldbauliche Konzepte: Anpassungsstrategien könnten etwa vermehrte Durchmischung der Baumarten, gezielte Jungwuchspflege oder die Auswahl hitze- und trockenheitsresistenter Arten umfassen. Solche Massnahmen nannte Manser in den vorliegenden Aussagen nicht im Detail, doch die Dynamik der Entwicklung macht rasches Handeln notwendig.
Was bedeutet das für Waldbesucher und die Bevölkerung?
Für die Bevölkerung bedeutet die Schwächung der Wälder veränderte Landschaftsbilder und potenziell erhöhtes Risiko durch kranke Bäume, die bei Stürmen oder Schneelasten brechen können. Der Kantonsförster appelliert indirekt an die Wahrnehmung und Rücksichtnahme gegenüber dem Wald als empfindlichem Ökosystem: Beobachtungen von ausgeprägtem Blattfall oder abgestorbenen Beständen sollten den Forstdiensten gemeldet werden, damit Gefahrenstellen beurteilt werden können.
Die aktuellen Berichte aus dem Revier an der Martinsflue sind ein weiteres Indiz dafür, dass Klimafolgen in den Wäldern vor der Haustür angekommen sind. Entscheidend bleibt nun, wie schnell Forstbetriebe, Gemeinden und Kanton auf diese Herausforderungen mit angepassten Pflege- und Schutzkonzepten reagieren.