Der Regierungsrat des Kantons Solothurn reagiert auf eine «markant» gestiegene Kriminalitätsbelastung und die zunehmende Komplexität von Strafverfahren: Mit dem «Sicherheitsbericht 26+» legt er einen Plan vor, der die Polizei bis 2035 um rund 100 Stellen verstärken soll. Ziel ist es, die Polizeidichte an den schweizerischen Mittelwert anzunähern und die Sicherheitslage langfristig zu stabilisieren.
Ausgangslage: vergleichsweise tiefe Polizeidichte und steigende Aufgaben
Der Bericht stellt fest, dass der Kanton Solothurn derzeit über eine Polizeidichte von rund 157 Polizistinnen und Polizisten pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner verfügt. Dieser Wert liegt unterhalb des schweizerischen Durchschnitts und positioniert den Kanton im hinteren Drittel der Kantone. Die Kombination aus relativ wenig Personal und höherer Kriminalitätsbelastung verschärfe die Lage, heisst es im Bericht.
Die Aufgaben der Polizei würden heute schneller wachsen als die personellen Ressourcen es erlaubten. Neben klassischer Kriminalität nennt der Bericht neuartige Herausforderungen wie Cyber- und Strukturkriminalität sowie die allgemein zunehmende Komplexität von Verfahren.
Regierungsrat setzt auf mehr Präsenz und Prävention
Aus Sicht der Regierung kann eine stärkere Polizeipräsenz die Sicherheitswahrnehmung in der Bevölkerung erhöhen, Straftaten verhindern und damit langfristig auch den Aufwand für Strafverfolgungsbehörden reduzieren. Die vorgesehene Korpserhöhung von rund 100 Stellen bis 2035 wird vom Regierungsrat als verhältnismässig beurteilt; sie soll den Kanton «vom viertletzten Platz ins schweizerische Mittel» bringen.
- Aktuelle Polizeidichte: ~157 Beamtinnen und Beamte pro 100'000 Einwohner
- Geplante zusätzliche Stellen: rund 100 bis 2035
- Wichtigste Treiber: höhere Kriminalitätsbelastung, Cyber- und Strukturkriminalität, komplexere Verfahren
Was die Erhöhung bewirken soll
Der Bericht betont zwei Wirkungsrichtungen: Kurzfristig soll mehr Personal die Präsenz verbessern — beispielsweise verstärkte Patrouillen in Brennpunkten und schnellere Reaktionszeiten. Mittelfristig erhofft sich der Kanton eine Entlastung der Ermittlungsbehörden durch frühzeitige Prävention und effizientere Abläufe, die dadurch entstandene Einsparungen würden allerdings erst langfristig eintreten.
Politische und operative Fragen offen
Mehr Personal wirft Fragen nach Finanzierung, Rekrutierung und Ausbildung auf. Der Bericht selber skizziert die Notwendigkeit der Aufstockung, macht aber keine detaillierten Angaben zu Kosten oder zu den Quellen für die zusätzlichen Stellen. Auch die Frage, in welchem Umfang spezialisierte Einheiten für Cyber- oder Strukturkriminalität ausgebaut werden, bleibt offen.
| Indikator | Aktuell | Ziel / Planung |
|---|---|---|
| Polizeidichte | ~157 pro 100'000 | Aufschliessen ans schweizerische Mittel |
| Zusätzliche Stellen | — | rund 100 bis 2035 |
Auswirkungen für Gemeinden und Bevölkerung
Für Gemeinden im Kanton könnte eine Aufstockung der Polizei spürbare Effekte haben: Mehr Präsenz in Zentren und Wohnquartieren, schnellere Reaktionen bei Einsätzen und möglicherweise verstärkte Präventionsangebote. Der Bericht legt nahe, dass sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung verbessern kann, was wiederum präventive Effekte auf die Kriminalitätsentwicklung haben könnte.
Welche Prioritäten gesetzt werden — mehr Streifen, mehr Ermittler oder mehr spezialisierte Fachkräfte für Cyberthemen —, wird in den kommenden Monaten Gegenstand politischer Debatten und konkreter Planungen sein. Der Regierungsrat hat mit dem Sicherheitsbericht einen Orientierungsrahmen vorgelegt; die Umsetzung erfordert nun konkrete Entscheide zu Budget, Rekrutierung und Struktur.
Bleiben Fragen zur Finanzierung und zur zeitlichen Staffelung der Stellenaufbauphase unbeantwortet. Der Bericht beschreibt das Problem und die Zielrichtung, nicht aber die detaillierten Schritte dorthin. Im weiteren Verfahren wird sich zeigen, wie rasch und in welcher Form der Kanton auf die Herausforderungen reagiert.