Das Amt für Informatik (AFI) des Kantons Graubünden hat am Montag einen Cyberangriff auf einen SharePoint-Server der kantonalen Verwaltung festgestellt. Nach einer ersten Analyse gibt es laut Mitteilung keine Hinweise darauf, dass Konten kompromittiert wurden oder Daten abgeflossen sind. Die detaillierten Untersuchungen laufen weiter.
Verbindung zum Vorfall beim Bund
Das AFI bezieht sich in seiner Mitteilung auf eine frühere Warnung des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation (BIT), das am 4. August über einen Cyberangriff auf SharePoint-Server des Bundes informiert hatte. Die Sicherheitsspezialisten des Kantons entdeckten nun einen ähnlichen Vorfall in der kantonalen SharePoint-Umgebung, die für Teile des Internetauftritts der Verwaltung zuständig ist.
Erste Erkenntnisse und betroffene Systeme
Nach der internen Auswertung weist das AFI darauf hin, dass vertrauliche Informationen und besonders schützenswerte Personendaten ohnehin nicht auf SharePoint-Servern gespeichert würden und somit nicht betroffen seien. Konkret meldet das Amt:
- Keine Anzeichen für kompromittierte Benutzerkonten
- Kein nachgewiesener Abfluss von Daten
- Spezielle Schutzdaten sind nicht auf den betroffenen SharePoint-Instanzen abgelegt
Schnelle Reaktion: Update und Abschottung
Um die Sicherheitslücken zu schliessen und den Vorfall zu beheben, führte das AFI ein ausserordentliches Update auf der kantonalen Webseite durch. Dabei blieben das kantonale ePortal sowie alle Fachapplikationen online und funktionstüchtig, wie das Amt betont. Die Massnahme zielte offenbar darauf ab, mögliche Angriffsvektoren zu schliessen, ohne die Zugänglichkeit der Angebote für Bevölkerung und Verwaltung einzuschränken.
Was bisher bekannt ist – und was weiterhin geprüft wird
Die bisher verfügbaren Informationen stammen aus einer ersten forensischen Auswertung; tiefere Analysen laufen noch. Was das AFI aktuell prüft, lässt sich wie folgt zusammenfassen:
- Quellen und Einfallstore des Angriffs
- Umfang und mögliche Persistenz von Schadsoftware oder Zugangsmöglichkeiten
- Übereinstimmungen mit den Angriffsmustern, die das BIT beim Bund beobachtete
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 4. August | BIT informiert über Angriff auf SharePoint-Server des Bundes |
| 11. August | AFI entdeckt ähnlichen Vorfall in kantonaler SharePoint-Umgebung; Update zur Schliessung von Sicherheitslücken durchgeführt |
Auswirkungen für die Bevölkerung und Verwaltung
Nach aktuellem Stand sind die direkt für die Öffentlichkeit wichtigen Portale weiterhin erreichbar. Das AFI betont, dass Fachapplikationen und das ePortal nicht betroffen waren und online blieben. Für Bürgerinnen und Bürger ergeben sich damit vorerst keine Einschränkungen bei der Nutzung der digitalen Dienste.
Hintergrund: SharePoint als Ziel von Angriffen
SharePoint-Server werden in vielen Verwaltungen und Organisationen als Plattform für Dokumente und Webinhalte genutzt. Weil sie weitverbreitet sind und oft Schnittstellen zu anderen Diensten besitzen, sind sie potentiell attraktives Ziel für Cyberkriminalität. Das BIT hatte Ende Juli/Anfang August vor ähnlichen Angriffen auf Bundesserver gewarnt, weshalb kantonale IT-Stellen wachsam sind und Sicherheitsmassnahmen umsetzen.
Weiteres Vorgehen
Die kantonalen IT-Verantwortlichen setzen die Analyse fort und arbeiten voraussichtlich mit externen Spezialisten zusammen, um Ursachen vollständig zu klären und Folgeschäden auszuschliessen. Bis ein abschliessender Bericht vorliegt, bleibt die Lage vorsichtig beobachtet.
Für Behördenmitarbeitende und Partnerorganisationen empfiehlt sich weiterhin, gängige Sicherheitsregeln einzuhalten: regelmässige Passwortwechsel, Aktivierung von Zwei-Faktor-Authentifizierung dort, wo möglich, und Vorsicht bei unerwarteten E-Mails oder Links. Das AFI wird über weitere Erkenntnisse informieren, sobald diese vorliegen.
Die Entdeckung des Vorfalls zeigt, dass auch kantonale Infrastrukturen Angriffsfläche bieten und permanente Wachsamkeit sowie rasches Handeln erfordern. Die bisherigen Befunde — insbesondere die Angabe, dass keine Konten kompromittiert wurden und keine Daten abhandenkamen — sind beruhigend, doch die abschliessende forensische Klärung ist entscheidend, um zukünftige Risiken zu minimieren.