Die Evangelische Volkspartei (EVP) des Kantons Aargau hat an ihrer Parteiversammlung am 13. August überraschend deutlich den 50-jährigen GLP-Politiker Dominik Gresch zur Wahl in den Regierungsrat empfohlen. Gresch, Stadtrat von Zofingen und Grossrat, hatte sich zwei Tage zuvor bereits durch die Grünliberalen als offizieller Kandidat für die Ersatzwahl vom 18. Oktober nominiert.
Hearing mit zwei Kandidierenden
Die EVP lud zur Anhörung sowohl Gresch als auch die 48-jährige FDP-Nationalrätin Maja Riniker, die ebenfalls für die Nachfolge von Regierungsrat Stephan Attiger kandidiert. Attiger, Mitglied der FDP, hat seinen Rücktritt Ende Jahr bekanntgegeben, weshalb die Ersatzwahl nötig wird. In der Versammlung stellten beide Kandidierenden ihre politischen Schwerpunkte sowie Vorstellungen für das mögliche Departementsmandat vor.
Nach einer lebhaften Diskussion fasste die EVP die Positionen zusammen und kam zu einer klaren Empfehlung zugunsten von Gresch. Die Partei begründete dies vor allem mit seiner langjährigen Exekutiverfahrung auf kommunaler Ebene. Als Stadtrat von Zofingen verfügte Gresch über Erfahrungen in der praktischen Politikführung, die die EVP als relevant für ein kantonales Regierungsratsamt einschätzt.
«In den Themen des freiwerdenden Departements Bau, Verkehr und Umwelt bringen hingegen beide wenig Erfahrung mit»
Gleichzeitig hielt die EVP in ihrer Mitteilung fest, dass beide Kandidierenden in menschlicher und fachlicher Hinsicht geeignet seien. Gleichzeitig räumte die Partei ein, dass weder Gresch noch Riniker über ausgewiesene Fachkenntnisse im freiwerdenden Departement Bau, Verkehr und Umwelt verfügten. Dieses Defizit wertete die EVP offen als sachliche Einschränkung.
Warum Gresch punktete
Die EVP hob zwei Gründe hervor, die schliesslich zugunsten des GLP-Kandidaten ausschlugen. Erstens brachte Gresch nach Auffassung der Partei die nötige Exekutiverfahrung mit, die bei einem Regierungsratsamt als Vorteil gilt. Zweitens überzeugte Gresch in der Anhörung besonders in Fragen rund um den Umweltschutz, einem zentralen Thema der EVP.
Die Partei betonte, dass ihr bei der Entscheidung politische Positionen wichtiger gewesen seien als das Geschlechterverhältnis in der Regierung. Hätte die EVP Riniker empfohlen, würde dies bedeuten, dass mit ihr neben Nationalrätin Martina Bircher eine zweite Frau in den Regierungsrat käme. Die EVP erklärte, dieser Gesichtspunkt sei gegenüber Programminhalten und Standpunkten zurückgetreten.
Parteipolitische Bedeutung
Die Empfehlung der EVP kann in der Ersatzwahl vom 18. Oktober politisch relevant sein. EVP, Grüne und GLP sind bislang nicht im Aargauer Regierungsrat vertreten. Die EVP verfügt im Kanton nach eigenen Angaben über rund 500 Mitglieder. Eine Abstimmungsempfehlung dieser kleineren Partei könnte Wählerinnen und Wähler in Randgruppen beeinflussen oder Signale an andere Parteien senden, wie die bürgerliche Mitte und Umweltparteien koordiniert auftreten.
| Kandidat | Partei | Aktuelle Funktion | EVP-Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Dominik Gresch | GLP | Stadtrat Zofingen, Grossrat | Empfohlen; Exekutiverfahrung, Umweltkompetenz |
| Maja Riniker | FDP | Nationalrätin | Geeignet; weniger Exekutiverfahrung auf lokaler Ebene |
Weiterer Verlauf
Die EVP-Empfehlung ist eine Stellungnahme innerhalb des parteipolitischen Prozesses; verbindliche Entscheide trifft die Wählerschaft bei der Ersatzwahl am 18. Oktober. Bis dahin werden die Parteien ihre Kampagnen führen und weitere Hör- und Diskussionsrunden abhalten. Inwiefern die Empfehlung Wählerinnen und Wähler beeinflusst, lässt sich erst im Ergebnis ablesen.
Für den Kanton Aargau steht die Frage im Raum, wie ein Vertreter oder eine Vertreterin ohne ausgeprägte Fachkenntnisse im Departement Bau, Verkehr und Umwelt pragmatisch und rasch handlungsfähig werden kann. Dass die EVP dies in ihrer Beurteilung offen angesprochen hat, zeigt die Relevanz des Departementsinhalts für die staatliche Aufgabenwahrnehmung.
- EVP empfiehlt GLP-Kandidat Dominik Gresch deutlich zur Regierungsratswahl.
- Begründung: Exekutiverfahrung und starke Positionen im Umweltschutz.
- Beide Kandidierenden bringen laut EVP wenig Erfahrung für das Departement Bau, Verkehr und Umwelt mit.
Die politische Debatte im Kanton wird bis zur Ersatzwahl weitergehen. Die EVP hat mit ihrer Empfehlung ein deutliches Zeichen gesetzt, wie kleinere Parteien ihre Rolle in der kantonalen Politik sehen und welche Prioritäten sie bei der Besetzung der Exekutive setzen.