Die Zentralbahn hat in der Nacht auf Donnerstag den ersten Wagen der neuen «Fink»-Baureihe entgegengenommen. Das Fahrzeug wurde vom Stadler-Werk in Bussnang nach Interlaken Ost transportiert und anschliessend ins Netz der Zentralbahn überführt. In Meiringen beginnt nun die Inbetriebnahmephase, in der der neue Zug unter realen Bedingungen geprüft wird.
Umfangreiche Tests vor dem Fahrgastbetrieb
Bevor der «Fink» regulär Fahrgäste befördern darf, stehen laut Mitteilung der Zentralbahn und des Herstellers Stadler mehrere Prüfungen an. Getestet werden unter anderem das Fahrverhalten, die Bremsleistung sowie das Zusammenspiel von Zahnrad- und Adhäsionsantrieb. Ebenfalls geprüft werden die Fahrzeugsteuerung und das Zugsicherungssystem. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Tests und der definitiven Zulassung darf der Zug im regulären Betrieb eingesetzt werden.
- Fahrverhalten und Bremsleistung
- Prüfung Zahnrad- und Adhäsionsantrieb
- Funktion der Fahrzeugsteuerung
- Abnahme des Zugsicherungssystems
Fahrplanwechsel und Kapazitätsausbau
Die Zentralbahn plant, den ersten «Fink» mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember auf der Strecke zwischen Luzern und Engelberg einzusetzen. Parallel soll dort ein neuer Halbstundentakt eingeführt werden. In den Wochen nach Inbetriebnahme sollen schrittweise bis zu neun weitere Fahrzeuge desselben Typs in Betrieb genommen werden, sodass insgesamt zehn neue «Fink»-Fahrzeuge zum Einsatz kommen.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Hersteller | Stadler (Bussnang) |
| Erste Auslieferung | Transport in Nacht auf Donnerstag nach Interlaken Ost / Meiringen |
| Geplanter Betriebsbeginn | Fahrplanwechsel 13. Dezember |
| Sitzplätze pro Zug | 128 (111 2. Klasse / 17 1. Klasse) |
| Anzahl geplanter Fahrzeuge | 10 |
Warum dieser Ausbau?
Die Beschaffung reagiert laut Zentralbahn insbesondere auf die steigende Nachfrage im Freizeit- und Tourismusverkehr. Bereits heute stossen Züge zwischen Luzern und Interlaken sowie zwischen Luzern und Engelberg zu Spitzenzeiten an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit der neuen Flotte soll die Leistungsfähigkeit erhöht und der Komfort für Reisende verbessert werden.
Ein einzelner «Fink» bietet 128 Sitzplätze, davon 111 in der zweiten Klasse und 17 in der ersten Klasse. Stadler informiert, dass die Produktion eines Fahrzeugs durchschnittlich rund zehn Monate in Anspruch nimmt. Die Auslieferung des ersten Zuges markiert somit den Auftakt einer mehrmonatigen Rollout-Phase.
Regionaler Nutzen und Auswirkungen
Für die Zentralschweiz bedeutet die Modernisierung des Rollmaterials eine Entlastung in den Spitzenzeiten, was sowohl Pendlerinnen und Pendlern als auch dem touristischen Verkehr zugutekommt. Der neue Halbstundentakt auf der Strecke Luzern–Engelberg verspricht kürzere Wartezeiten und eine dichtere Bedienung, was auch für Anschlussverbindungen relevant ist. Für den Wirtschaftsstandort Luzern und angrenzende Regionen bringt dies zusätzliche Planungssicherheit im öffentlichen Verkehr, insbesondere in der Wintersaison, wenn das Gästeaufkommen traditionell steigt.
Bis jedoch alle zehn Fahrzeuge zum Einsatz kommen, ist Geduld nötig: Die Inbetriebnahmephase umfasst umfangreiche Tests und die sukzessive Zulassung der Fahrzeuge. Fahrgäste müssen damit rechnen, dass der Austausch der bisherigen Flotte etappenweise erfolgt.
Die Zentralbahn betont, dass erst nach bestandener Prüfung und formeller Zulassung durch die zuständigen Behörden der Regelbetrieb mit den neuen Zügen aufgenommen wird. Konkrete Daten zu weiteren Lieferterminen oder zur sukzessiven Einführung der restlichen Züge nannte die Mitteilung nicht.
Die Auslieferung des ersten «Fink» unterstreicht die fortlaufenden Investitionen in das regionale Schienennetz und die Bedeutung moderner Fahrzeugflotten für die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs in der Zentralschweiz.
Reportage aus Interlaken/Meiringen