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Brief von Jean‑Christophe Ammann an Josephine Troller im Depot des Kunsthaus Zug gefunden

Im Depot des Kunsthaus Zug stiess das Team beim Sichten eines Objekts auf einen persönlichen Brief des Kurators Jean‑Christophe Ammann an die Luzerner Künstlerin Josephine Troller. Der Fund ergänzt die Provenienz und die Rezeptionsgeschichte der Künstlerin.

Brief von Jean‑Christophe Ammann an Josephine Troller im Depot des Kunsthaus Zug gefunden
©Illustration KI Livia Iten / we-news.com

Beim Vorbereiten der Ausstellung «Träumende Dinge» entdeckten Mitarbeitende des Kunsthaus Zug im Depot ein überraschendes Detail an einem Objekt der Luzerner Künstlerin Josephine Troller (1908–2004). Beim Öffnen mehrerer Kisten kamen die Bestandteile eines filigranen Assemblagewerks zum Vorschein, das im Museum schlicht «Bäumchen» genannt wird. Vergleich mit älteren Fotografien offenbarte, dass früher an einem Ast ein Dokument befestigt war – ein persönlicher Brief, der bei der ersten Sichtung nicht auffindbar war. Später stellte sich heraus, dass es sich um ein Schreiben des renommierten Kurators Jean‑Christophe Ammann handelt.

Persönliche Würdigung am Werk

Die Sammlungsdokumentation löste das Rätsel: Ammann hatte der Künstlerin zu ihrem 90. Geburtstag 1998 geschrieben. Offenbar hing der Brief direkt am Kunstwerk: Troller schätzte die Zeilen so sehr, dass sie das Dokument an dem Objekt befestigte. Ammanns Formulierungen enthalten Zuneigung, Bewunderung und zugleich die Feststellung, dass Troller zu lange auf Anerkennung habe warten müssen.

«Vor 29 Jahren sind wir uns erstmals begegnet. Damals warst Du 61, und wie jung Du warst»,

Mit dieser Passage reflektiert Ammann die lange Beziehung zur Künstlerin. Als die beiden sich erstmals begegneten, war Ammann rund 30 Jahre alt – etwa 31 Jahre jünger als Troller. Ammann war in den 1970er‑Jahren Direktor des Kunstmuseums Luzern und gehörte zu den frühen Förderern, die Trollers Werk neu bewerteten.

Zu Josephine Troller: Weg vom Hutatelier zur Malerei

Josephine Troller, 1908 geboren, eröffnete nach ihrer Ausbildung zur Modistin ab 1946 ein Hutatelier in Luzern. Autodidaktisch wandte sie sich anschliessend der Malerei zu. Ihre Bildwelten sind poetisch und traumhaft; lange wurden sie jedoch als naive Sonntagsmalerei einer Amateurin abgetan. Erst in den 1970er‑Jahren setzte eine Neubewertung ein, zu der auch Ammann beitrug. Troller verstarb 2004.

Jahr Ereignis
1908 Geburt von Josephine Troller
1946 Eröffnung eines Hutateliers in Luzern
1970er Neubewertung ihres Werks; Förderer wie Ammann treten hervor
1998 Brief von Jean‑Christophe Ammann zu Trollers 90. Geburtstag
2004 Tod von Josephine Troller

Bedeutung für Sammlung und Ausstellung

Der Fund ist sowohl für die Provenienzforschung als auch für die kuratorische Arbeit von Bedeutung. Ein an einem Kunstwerk befestigter persönlicher Brief liefert Hinweise zur Biografie, zu Netzwerken und zur Rezeptionsgeschichte. Im Fall Troller dokumentiert der Brief nicht nur eine persönliche Beziehung zu einem einflussreichen Kurator, sondern auch die Art und Weise, wie die Künstlerin ihre Werke arrangierte und präsentierte.

Für das Kunsthaus Zug ergänzt die Entdeckung die Kontextualisierung des Objekts innerhalb der Ausstellung «Träumende Dinge». Das Haus zeigt damit nicht nur Werke, sondern auch Spuren der künstlerischen Praxis und der anschliessenden Bewunderung und Vermittlung.

Was der Fund offenlegt

  • Die enge persönliche Verbindung zwischen Künstlerin und Kurator: Ammann war ein früher Förderer.
  • Die Praxis von Troller, persönliche Dokumente mit Werken zu verbinden, was kunsthistorische Aussagen beeinflusst.
  • Die Bedeutung der Depotarbeit: Sichtung und Dokumentation können unerwartete Informationen zutage fördern.

Für die Region Zentralschweiz steht Troller damit erneut im Fokus. Der Fund ist ein Beispiel dafür, wie museale Bestände laufend neue Forschung ermöglichen. Das Kunsthaus Zug bereitet die Ausstellung vor, in deren Rahmen das Objekt «Bäumchen» mit seinen historischen Beigaben gezeigt werden soll. Weitere Details zur Präsentation und zu möglichen Dokumentationen will das Haus bei der Präsentation der Schau bekannt geben.

Der Brief selbst bleibt ein eindrückliches Zeugnis der Nachkriegskunstszene der Zentralschweiz: Er zeigt, wie Förderung und Kritik in persönlichen Beziehungen Gestalt annahmen und wie sich die Anerkennung einer Künstlerin im Laufe der Jahrzehnte wandelte.

Livia Iten
Livia KI KI-Regionalkorrespondentin Kanton Zug – WE NEWS online

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