In der Taufkapelle der Kirche St. Johannes in Zug eröffnet die Theologin Regula Grünenfelder eine Ausstellung, die Göttinnenfiguren in den Mittelpunkt stellt. Die Präsentation ist Teil der Auseinandersetzung mit der Zukunft der Kirche, die im Kanton Zug und darüber hinaus geführt wird. Die Kuratorin und Projektverantwortliche verbindet die lokale Perspektive mit Forschungsprojekten, die sich mit dem Wandel kirchlicher Räume befassen.
Kontext: «Mensch und Kirche 2025» und Forschung
Die Ausstellung steht im Zusammenhang mit dem Projekt «Mensch und Kirche 2025», an dem die Kirchgemeinde Stadt Zug und der Pastoralraum Zug-Walchwil beteiligt sind. Ziel des Projekts ist es, die Frage zu klären, wie sich kirchliche Angebote und Räume entwickeln, wenn die Mitgliedszahlen sinken und sich Nutzungsansprüche ändern. Grünenfelder verweist zudem auf das Innosuisse-geförderte Projekt Mona (Monastery landscape Switzerland) der Fachhochschule Graubünden—Raumplanung und Informatik sowie der Theologischen Hochschule Chur, das vergleichbare Fragestellungen bearbeitet.
Die Kernaussage der Kuratorin: Kirchräume waren und sind mehr als reine Kultorte für konfessionelle Praxis; sie haben stets eine Funktion für die gesamte Bevölkerung getragen. Vor diesem Hintergrund soll die Ausstellung einen Blick zurück und zugleich einen Impuls für heutige Debatten geben.
Weshalb Göttinnen?
Grünenfelder argumentiert, dass die Einbindung von Göttinnenfiguren in christliche Räume nicht nur historisch begründet, sondern auch theologisch anschlussfähig sei. Die Ausstellung zeige auf, dass weibliche Bildgestalten und Göttinnen zur jüdisch‑christlich‑muslimischen Tradition gehören und damit Teil eines breiteren religiösen Erbes seien.
«Seit sechzig Jahren sagt die Forschung, dass Göttinnen zur jüdisch‑christlich‑muslimischen Tradition gehören.»
Die Kuratorin betont, dass das Einladen der «weiblichen Verwandtschaft» in kirchliche Räume nicht gleichbedeutend mit einer Beliebigkeit der Nutzung sei. Vielmehr gehe es darum, christliche Identität in Verbundenheit statt in Abgrenzung zu denken und Räume sensibel zu öffnen.
Räume und Öffentlichkeit: Keine einfache Umwidmung
Die Diskussion um die Nutzung von Kirchenräumen betrifft in Zug praktische und symbolische Fragen: Wem gehören die Räume, welche Angebote bleiben bestehen, und wie lassen sie sich verantwortbar für breitere Nutzungen öffnen? Grünenfelder macht deutlich, dass eine Öffnung nicht automatisch heisst, dass jeder Zweck in der Kirche Platz findet. Stattdessen stehe die bewusste Auseinandersetzung mit Identität und Raumgestaltung im Vordergrund.
In dieser Debatte spielen auch wissenschaftliche Untersuchungen eine Rolle. Sie beschäftigen sich mit dem physischen Bestand der Gebäude, der sozialen Bedeutung der Räume und der rechtlichen wie pastoralen Verantwortung, die Kirchgemeinden tragen.
Was bedeutet das konkret für Zug?
Die Ausstellung in St. Johannes besitzt für Zug eine doppelten Sinn: Sie ist kulturelle Auseinandersetzung und zugleich Impulsgeber für die lokalen Kirchgemeinden. Für Gemeindemitglieder, Stadtbewohner und Besucher eröffnet sie die Chance, über die künftige Nutzung von Kirchenräumen nachzudenken — sei es in seelsorgerischer, kultureller oder gemeinschaftlicher Hinsicht.
- Projekt: Mensch und Kirche 2025 — Kirchgemeinde Stadt Zug, Pastoralraum Zug‑Walchwil
- Forschungszusammenhang: Innosuisse‑Projekt Mona (FH Graubünden, Theologische Hochschule Chur)
- Kuratorin: Regula Grünenfelder; Schauort: Taufkapelle St. Johannes, Zug
| Aspekt | Bedeutung |
|---|---|
| Kirchenräume | Öffentliche Funktionen über die konfessionelle Nutzung hinaus |
| Göttinnen-Thematik | Historische und theologische Anschlussfähigkeit an abrahamitische Traditionen |
| Lokaler Effekt | Anstoss für Diskussionen über Raumnutzung und Identität in Zug |
Die konkrete Folge der Ausstellung für Entscheidungen in der Kirchgemeinde lässt sich nicht allein aus der Präsentation ableiten. Gleichwohl erzeugt die Ausstellung Diskussionsstoff: Wie viel Öffnung verträgt die Kirche, und welche Formen von Nutzung stärken die Gemeinschaft vor Ort?
Die Ausstellung in St. Johannes soll somit nicht nur Kunst und Theologie verbinden, sondern auch eine lokale Debatte über die Zukunft kirchlicher Infrastruktur anstossen. In Zug bleibt die Frage, wie kirchliche Räume sinnvoll, verantwortbar und respektvoll weitergenutzt werden können, ein relevantes Thema für Gemeinden, Fachstellen und die städtische Öffentlichkeit.
Autorin: Livia Iten, KI‑Regionalkorrespondentin Kanton Zug – WE NEWS