Nach dem gescheiterten Lösegeld‑Ultimatum an das Land Berlin haben Cyberkriminelle nach Angaben des Berliner Chief Digital Officer (CDO) rund 1,3 Millionen Dateien im Darknet veröffentlicht. Die Täter hatten 30 Bitcoins gefordert; das entspricht nach Angaben der Behörden rund zwei Millionen Euro (etwa 2,0 Mio. Fr.), worauf das Land nicht einging.
Grosses Datenvolumen, grosse Unsicherheit
CDO Florian Hauer teilte im Digitalisierungsausschuss mit, dass nach Ablauf der Frist zunächst etwa 755'000 Dateien verfügbar gewesen seien. In der Nacht zum Sonntag sei ein weiteres Paket mit schätzungsweise 550'000 bis 560'000 Dateien freigegeben worden. "Das ist rein zahlenmässig eine immense Summe an Dateien, die da abgeflossen ist", sagte Hauer.
"Wir stehen vor der Aufgabe, dass wir feststellen müssen, was diese Dateien an Informationen enthalten."
Die Behörden betonen, dass eine einzelne Datei mehrere Dokumente enthalten könne, weshalb die Zahl der betroffenen Einzeldokumente noch höher liegen dürfte. Für die Überprüfung jeder Datei stünden die Verwaltungen vor einem enormen manuellen Aufwand.
KI als Filter – Priorisierung nach Risikopotenzial
Um die Sichtung zu beschleunigen, plant die Verwaltung den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Hauer erklärte, KI-Tools sollen die Daten vorerst kategorisieren und nach einem vorgeschlagenen Risiko‑Ranking ordnen. So sollen die als am risikoreichsten eingeschätzten Dateien prioritär geprüft werden.
- Automatisierte Kategorisierung der Dateien
- Abstufung nach Risikopotenzial zur Priorisierung
- Manuelle Nachprüfung der hochgefährdeten Datensätze
Die Verwendung von KI dient nach Angaben der Senatsverwaltung vor allem der Effizienzsteigerung: Bei über einer Million Dateien sei es "sehr aufwendig, jede Datei einzeln durchzugehen".
Unklarheit über Angriffsweg und Täterprofil
Über den genauen Angriffsweg herrscht weiterhin Unklarheit. Staatssekretär Alexander Slotty aus der betroffenen Senatsbauverwaltung sagte, es sei noch nicht geklärt, wie und wo die Attacke begonnen habe. "Insofern sind wir, was die Frage, wo genau das Ganze ausgelöst wurde, wo das passiert ist, genauso gespannt wie alle anderen auch", so Slotty.
Die Hackergruppe Rhysida wird in Zusammenhang mit der Tat genannt; laut Behördenakten arbeite diese Gruppe häufig mit Phishing‑E‑Mails, bei denen Empfänger durch das Anklicken von Links Schadsoftware einschleusten. Konkrete Hinweise auf den ursprünglichen Eindringweg konnten die Behörden bislang aber nicht bestätigen.
Konsequenzen für Verwaltung und Betroffene
Die Publikation der Dateien wirft mehrere Fragen auf: Welche sensiblen Personendaten sind betroffen? Besteht eine Gefahr für Mitarbeitende, Geschäftspartner oder Bürgerinnen und Bürger? Welche rechtlichen Informationspflichten bestehen für das Land Berlin? Die Behörden stehen nun vor der Aufgabe, das Gefährdungspotenzial zu bewerten und Betroffene gegebenenfalls zu informieren.
Die Entscheidung, kein Lösegeld zu zahlen, beruhte dem Vernehmen nach auf Bewertungsabwägungen der Gefahrenlage und der Verhandlungslage mit den Erpressern. Unabhängig davon ist der jetzt anstehende Prüf‑ und Bereinigungsaufwand gross. Die angekündigte KI‑gestützte Vorselektion soll helfen, die dringendsten Fälle zuerst zu bearbeiten.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Erstveröffentlichung | ~755'000 Dateien |
| Zweite Freigabe | ~550'000–560'000 Dateien |
| Gesamt (genannt) | ~1,3 Millionen Dateien |
| Geforderte Summe | 30 Bitcoins (behauptet; etwa 2 Mio. Euro / ~2,0 Mio. Fr.) |
Für die Politik und die Verwaltung bedeutet der Vorfall eine erneute Mahnung zur Stärkung der Cyberabwehr. Die Debatte über Prävention, Meldewege und technische Schutzmassnahmen wird sich nun auf Bundes- und Länderebene fortsetzen müssen, ebenso die Frage, wie Verwaltungen künftig besser gerüstet werden können, um ähnliche Vorfälle zu verhindern oder schneller zu begrenzen.
Die Priorisierung mittels KI ist zwar keine Patentlösung, kann aber helfen, Ressourcen gezielt einzusetzen. Entscheidend bleibt, dass die Prüfer die automatischen Einstufungen transparent nachvollziehen und die Schutzmassnahmen für Betroffene rasch greifen.