Frischer Vorstoss belastet langjährige Debatte um Parkplätze in Arbon
In Arbon flammt die Diskussion um zusätzliche Parkflächen erneut auf. José Franco von den Grünen brachte Mitte Juni den Vorschlag ein, bei der Kunsthalle eine oberirdische Einstellhalle zu erstellen. Die Stadtregierung beurteilt dieses Vorhaben zurückhaltend. Zur Begründung nennt sie vor allem technische, bauliche, denkmalpflegerische und betriebliche Fragen.
Die Idee ist Teil einer seit mehr als zwei Jahrzehnten geführten Auseinandersetzung um neue Parkhäuser in Arbon. Ziel der Planungen ist unter anderem, Parkplätze in der Altstadt und am See freizuspielen, damit die Uferzone und der historische Kern lebenswerter werden. Konkrete Umsetzungszeitpunkte gibt es bislang nicht.
Hintergrund und frühere Initiativen
Vor rund zwei Jahren verstärkten SP und Grüne die Debatte mit einer Petition, die mehr als 500 Unterschriften sammelte. Die Bittschrift forderte unter anderem, die Autoabstellplätze am Wöschplatz und am Adolph‑Saurer‑Quai freizugeben. Der Stadtrat kündigte an, das Thema in der nächsten Amtsperiode (2027–2031) anzugehen. Den Grünen geht dieses Tempo jedoch zu langsam, weshalb Franco mit seiner neuen Idee nachlegte.
Die Liegenschaft an der Grabenstrasse, in der die Kunsthalle liegt, hat eine wechselvolle Geschichte: Das längliche Gebäude wurde 1925 erbaut, war bis 1967 Teil des ehemaligen Eisen‑ und Blechpresswerks von Friedrich August Schädler und wurde 1993 als Kunsthalle eröffnet. Heute gehört die Liegenschaft der Stadt Arbon.
Stadtrat äussert Vorbehalte
In der Antwort auf Francos Einfache Anfrage schreibt der Stadtrat, eine Parkierungsanlage im Bereich der Kunsthalle beziehungsweise der Schädler‑Liegenschaft werde «zurzeit zurückhaltend beurteilt». Diese Haltung stützt sich auch auf frühere Abklärungen: Eine im Jahr 2008 erarbeitete Machbarkeitsstudie zum «Unteren Schädler» wird dabei erwähnt.
«Eine Parkierungsanlage im Bereich der Kunsthalle beziehungsweise der Schädler‑Liegenschaft wird zurzeit zurückhaltend beurteilt»
Die Stadt verweist zugleich darauf, dass Planungen für Parkhäuser beim Engelplatz und beim «Römerhof» bestehen. Aus Sicht des Vorstosses scheint es beim «Römerhof»-Projekt aber «Sand im Getriebe» zu geben; zumindest deutet die Antwort an, dass dort kurzfristig keine Realisierung zu erwarten ist.
- Initiator: José Franco (Grüne, Stadtparlament Arbon)
- Ziel: Neue Parkierungsanlage bei Kunsthalle / Aufhebung von Parkplätzen in Altstadt und am See
- Aktueller Stand: Stadtrat beurteilt Vorschlag zurückhaltend; Zeitplan fehlt
Konsequenzen für die Stadtentwicklung
Die Diskussion berührt mehrere stadtplanerische Zielsetzungen: Die Entlastung der Altstadt von Autos, der Schutz von denkmalgeschützten Bauten, die Nutzung städtischer Liegenschaften und die Frage, wo zusätzliche Parkangebote sinnvoll platziert werden können. Für Anwohner, Gewerbetreibende und Besucher ist zentral, wie schnell und wo Ausgleichsflächen geschaffen werden, damit die freigewordenen Flächen am See und in der Altstadt attraktiv umgestaltet werden können.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1925 | Erbauung des länglichen Gebäudes an der Grabenstrasse |
| 1967 | Ende der Nutzung als Teil des Eisen‑ und Blechpresswerks |
| 1993 | Eröffnung der Kunsthalle |
| 2008 | Machbarkeitsstudie zum «Unteren Schädler» |
| 2024 (vor rund 2 Jahren) | Petition von SP und Grünen mit über 500 Unterschriften |
| 2027–2031 | Stadtrat will das Anliegen in der nächsten Amtsperiode prüfen |
Ob ein oberirdisches Parkhaus bei der Kunsthalle je realisiert wird, bleibt offen. Entscheidend werden vertiefte Abklärungen zu Tragbarkeit, Denkmalschutz, Betrieb und Kosten sein. Die Stadt signalisiert, dass sie das Thema nicht ausschliesst, aber bisher zögerlich beurteilt. Für die Grünen ist dies zu wenig; sie drängen auf eine beschleunigte Lösung, um die Innenstadt und das Seebad langfristig zu entlasten.
Die Debatte dürfte in den kommenden Monaten weitergehen. Insbesondere die geplanten Projekte beim Engelplatz und beim «Römerhof» bleiben dabei zentral, weil sie das Bild von Arbons Zentrum massgeblich prägen werden.