Das vietnamesische Ministerium für Bildung und Ausbildung hat in Richtlinien für das kommende Schuljahr Schulen verpflichtet, Schülerinnen und Schüler beim Eintritt in die 10. Klasse aktiv über Wahlfächer zu beraten und Bedingungen zu schaffen, die einen Wechsel der Wahlfächer ermöglichen. Gleichzeitig wurden die Pflichtfächer und das Angebot an Wahlfächern für die gymnasiale Oberstufe präzisiert.
Beratungspflicht und Wechselrecht
Nach den Vorgaben sollen Schulen sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler bei der Wahl ihrer Fächer informiert und begleitet werden. Wird im Laufe des Schuljahres ein Wechsel der Wahlfächer gewünscht, muss die Schule laut Ministerium dafür sorgen, dass die Rechte der Betroffenen gewahrt werden. Die Richtlinien zielen damit auf Transparenz und Flexibilität bei Entscheidungen, die für die weitere Studien- und Berufsorientierung erheblich sind.
„Informationen, die in den sozialen Medien kursieren und behaupten, Geschichte sei ein Wahlfach an Gymnasien, falsch sind“
Pflichtfächer und Wahlangebot
Das Ministerium nennt die Pflichtfächer auf Gymnasialniveau klar: Dazu gehören unter anderem Vietnamesische Sprache und Literatur, Mathematik, erste Fremdsprache, Geschichte, Sport, nationale Verteidigungs- und Sicherheitserziehung, praxisorientierte Aktivitäten und Berufsberatung sowie lokale Bildungsinhalte. Diese Fächer bilden demnach die Basis des allgemeinen Bildungsprogramms.
Ergänzend können Schülerinnen und Schüler der Oberstufe aus einem festgelegten Angebot von Wahlfächern vier Fächer auswählen. Das Angebot umfasst insgesamt 9 Wahlfächer, darunter Geographie, Wirtschaftswissenschaften und Rechtskunde, Physik, Chemie, Biologie, Technologie, Informatik, Musik und bildende Kunst.
| Bestandteil | Angabe |
|---|---|
| Pflichtfächer (Auswahl, Gymnasialniveau) | Mehrere, u. a. Vietnamesische Sprache, Mathematik, Geschichte |
| Anzahl Wahlfächer im Angebot | 9 |
| Anzahl zu wählender Fächer | 4 |
Hintergrund und Praxis
Die Bestätigung, dass Geschichte ein Pflichtfach ist, reagiert ausdrücklich auf verbreitete Missverständnisse. Laut Ministerium wurde die Regelung bereits mit dem Rundschreiben 13/2022/TT-BGDĐT vom 3. August 2022 eingeführt und ist seit dem Schuljahr 2022/2023 wirksam. Zugleich sieht der Lehrplan für Geschichte zusätzlich Wahlangebote mit insgesamt 35 Unterrichtsstunden pro Schuljahr vor, was offenbar zu Verwirrung geführt hat.
Die Anweisung zur Beratungspraxis ist besonders relevant, weil viele Familien und Schülerinnen und Schüler trotz der seit fünf Jahren geltenden Neuregelung offenbar weiterhin unsicher sind, welche Kombinationen von Pflicht- und Wahlfächern für Studium und Berufswahl sinnvoll sind. In Hanoi reagierten mehrere Gymnasien deshalb bereits mit Informations- und Beratungsterminen nach den Aufnahmeprüfungen zur 10. Klasse.
Konsequenzen für Schulen, Eltern und Schüler
- Schulen müssen Beratungsangebote zur Fächerwahl ausbauen und dokumentieren.
- Schülerinnen und Schüler erhalten ein formell verankertes Recht, Wahlfächer zu wechseln.
- Klare Kommunikation ist nötig, um Missverständnisse über Pflichtfächer zu vermeiden, insbesondere hinsichtlich der Rolle der Geschichte im Lehrplan.
Die Richtlinien stellen damit sowohl eine Klarstellung des Curriculums als auch eine Vorgabe für schulische Beratungspraxis dar. Für Familien bleibt wichtig, die Informationsangebote der Schulen zu nutzen, um Entscheidungen für die Oberstufe im Hinblick auf weitere Ausbildung und Berufswahl wohlüberlegt treffen zu können.
Ressort Bildung