Die Sozialistische Jugend (SJ) Wien fordert den Rücktritt des SPÖ-Bezirksvorstehers von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy. Anlass sind kolportierte Äußerungen Nevrivys über einen möglichen Verkauf von Gemeindewohnungen, die in einem Medienbericht sowie in einem veröffentlichten Gesprächsprotokoll aufgeführt wurden.
Hintergrund und Forderung
Nach Angaben der Medien, die das Protokoll veröffentlichten, soll Nevrivy bei einem Treffen mit dem inzwischen zurückgetretenen Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck im November des Vorjahres gesagt haben, er wäre „am liebsten“ für einen Verkauf von bis zu 100.000 Gemeindewohnungen. Die Äußerungen riefen breite Kritik hervor. Nevrivy betonte in der Folge, er bekenne sich bedingungslos zum sozial geförderten Wohnbau und halte neue Sozialbau-Projekte für unverzichtbar.
„Halbherzige Entschuldigungen reichen hier nicht aus“,
schrieb Laura Stern, die Vorsitzende der SJ Wien, in einem Instagram-Post, über den zunächst der „Kurier“ berichtet hatte. Die SJ verlangt, dass aus den Äußerungen Konsequenzen gezogen werden und Nevrivy von seinem Amt als Bezirksvorsteher zurücktritt.
Reaktionen und Bedeutung
Die Debatte trifft einen sensiblen Punkt in der Wiener Politik: Der sozial geförderte Wohnbau gilt in Wien als zentrales sozialpolitisches Projekt und als Identitätsmerkmal des sogenannten „Roten Wien“. Angriffe auf diesen Bereich stoßen daher nicht nur bei Oppositionsparteien, sondern auch in parteinahen Jugendorganisationen auf starke Ablehnung.
Die Forderung der Sozialistischen Jugend verweist auf das innenparteiliche Spannungsfeld. Während Nevrivy seine Unterstützung für Sozialbauprojekte betonte, interpretiert die SJ die kolportierten Formulierungen als unvereinbar mit dem Kurs vieler SPÖ-Verbände in Wien.
Chronologie (Auswahl)
| Datum/Zeitraum | Ereignis |
|---|---|
| November (Vorjahr) | Treffen zwischen Nevrivy und Walter Ruck; laut veröffentlichtem Protokoll angebliche Äußerung zu Verkauf von bis zu 100.000 Gemeindewohnungen. |
| Jüngste Woche | Nevrivy betont sein Bekenntnis zum sozial geförderten Wohnbau. |
| 22. August 2026 | SJ Wien fordert öffentlich den Rücktritt Nevrivys; Bericht im „Kurier“ und APA-Berichterstattung. |
Was nun?
Die Veröffentlichung des Gesprächsprotokolls hat die Diskussion in Wien verschärft. Die SJ verlangt personalpolitische Konsequenzen. Ob die SPÖ-Führung oder der Bezirksparteivorstand daraufhin Maßnahmen ergreifen, ist offen. In der Vergangenheit waren innerparteiliche Proteste nicht selten ein Auslöser für Disziplinarmaßnahmen oder Rücktritte, doch solche Entscheidungen liegen in der Regel bei Parteiinstanzen und Abwägungen über politisches Kalkül.
- Streitpunkt: Kolportierte Forderung nach Verkauf von bis zu 100.000 Gemeindewohnungen.
- Akteur: Sozialistische Jugend Wien fordert Rücktritt des Bezirksvorstehers.
- Kontext: Sozialer Wohnbau als zentrales Element der Wiener Politik; hohe Sensibilität gegenüber Privatisierungsdiskussionen.
Die nächsten Tage dürften zeigen, ob die Forderung der SJ politische Wirkung entfaltet. Eine klare Antwort von Seiten der SPÖ auf Bezirksebene oder aus der Wiener Parteiführung steht nach den vorliegenden Meldungen noch aus.