Wegen schlechten Wetters wechselte das Programm der Max‑Reger‑Tage kurzfristig vom geplanten Open‑Air in den Saal der Regionalbibliothek Weiden. Dort bot das Bläserquintett ProFive dem Publikum einen konzentrierten Abend mit Werken aus Klassik und Romantik und erzielte einen stimmungsvollen Kammermusikabend trotz der Wetterkapriole.
Programm und Besetzung
Die Besetzung des Quintetts lautete: Stefan Albers (Flöte), Ralf‑Jörn Köster (Oboe), Manfred Lindner (Klarinette), Andreas Becker (Horn) und Albrecht Holder (Fagott). Die Musikerinnen und Musiker überzeugten nach Berichten durch präzises Zusammenspiel, differenzierte Klanggebung und spürbare Spielfreude.
- Eröffnungswerk: Joseph Haydns Divertimento B‑Dur Hob. II:46 mit dem bekannten „Chorale St. Antoni“;
- Besonderheit: Max Regers Sonatine D‑Dur op. 89/2 in einer Bearbeitung für Bläserquintett von Lorenz Kerscher — für ProFive eine Premiere;
- Weitere Werke: Stücke von Anton Reicha, Jacques Ibert und August Klughardt, letzterer mit dem spätromantischen Quintett C‑Dur op. 79 als programmatischer Höhepunkt.
Reger in neuer Gestalt
Besonders bemerkenswert war die Aufführung der Reger‑Sonatine: Ursprünglich für Klavier gesetzt, gewann die Musik durch die Umsetzung für Bläser ganz neue Klangfarben und fügte sich laut Berichten überraschend selbstverständlich in das Programm ein. Für ProFive war diese Bearbeitung eine Premiere; die Umwandlung von klavierlicher Textur in kammermusikalische Bläserstimmen offenbarte andere Konturen der spätromantischen Tonsprache und bot dem Publikum frische Perspektiven auf Regers Werk.
Publikum und Atmosphäre
Trotz des Regens blieb der Abend nicht nur nicht beeinträchtigt, er wurde im vollbesetzten Franz‑Joachim‑Behnisch‑Saal zu einem musikalischen Erfolg für die Veranstalter. Der Wechsel von Open‑Air zu Saal veränderte die räumliche Nähe zwischen Publikum und Musikerinnen, was der Intimität der Kammermusik zugutekam: Fein ausgearbeitete Details und kammermusikalische Dialoge kamen im geschlossenen Raum prägnant zur Geltung.
| Werk | Komponist | Besonderheit |
|---|---|---|
| Divertimento B‑Dur Hob. II:46 | Joseph Haydn | Eröffnungsstück mit „Chorale St. Antoni“ |
| Sonatine D‑Dur op. 89/2 | Max Reger | Bearbeitung für Bläserquintett (Premiere) |
| Quintett C‑Dur op. 79 | August Klughardt | Spätromantischer Höhepunkt |
Einordnung
Die Veranstaltung zeigt, wie flexibel Kulturformate auf Unwägbarkeiten reagieren können, ohne an künstlerischer Substanz einzubüßen. Die Max‑Reger‑Tage verbindet das Bemühen, Reger als Komponisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts im regionalen wie überregionalen Konzertleben präsent zu halten, mit einem Programm, das sowohl historische als auch neue Bearbeitungsansätze reflektiert. Solche Ansätze eröffnen Hörperspektiven und machen deutlich, dass Reger jenseits seiner Klavier- und Orchesterwerke in kammermusikalischem Kontext ebenfalls Substanz hat.
Für die Musikerinnen und Musiker von ProFive bot der Abend zudem die Gelegenheit, größere stilistische Spannweiten zu zeigen — von Haydns klassischer Formensprache über die Mitteleuropäische Romantik bis zum spätromantischen Klangfantasma bei Klughardt. Musikalisch wie organisatorisch erwies sich der Abend als Beispiel für gelungene Programmgestaltung unter schwierigen äußeren Bedingungen.
Kontakt/Info: Die Aufführung fand im Saal der Regionalbibliothek Weiden statt; Veranstalter waren die Max‑Reger‑Tage.