Kultur

Kärntner Kulturstiftung fördert zwei Projekte zu Peripherie, Pol und Dialog

Die Kärntner Kulturstiftung unterstützt zwei Siegerprojekte des vierten Calls zum Thema „Peripherien im Wandel“ mit insgesamt 140.000 Euro. Ein Team rekonstruiert symbolisch Verbindungen zwischen Klagenfurt und dem Franz-Josef-Land, ein anderes lädt mit 108 Stühlen zum Gespräch ein.

Kärntner Kulturstiftung fördert zwei Projekte zu Peripherie, Pol und Dialog
©Illustration KI Dominik Hasenauer / we-news.com

Die Kärntner Kulturstiftung hat im Rahmen ihres vierten Calls zum Thema „Peripherien im Wandel“ zwei Siegerprojekte ausgewählt und mit insgesamt 140.000 Euro dotiert. Aus einem zweistufigen Verfahren gingen aus 64 Einreichungen zwei künstlerische Vorhaben hervor, die sich auf unterschiedliche Weise mit Fragen von Nähe, Ferne, Zentrum und Peripherie auseinandersetzen.

Von Klagenfurt nach Klagenfurt: Eine polare Spur im öffentlichen Raum

Das Künstlerduo Nicole Six und Paul Petritsch arbeitet gemeinsam mit der Kuratorin Jeanette Pacher am Projekt „Von Klagenfurt nach Klagenfurt“. Ausgangspunkt ist eine historische Begebenheit: 1872 segelte die Tegetthoff mit einer 24-köpfigen Mannschaft in das Nordpolarmeer, entdeckte ein unbewohntes Archipel und taufte es Franz-Josef-Land. Als Dank benannten die Entdecker eine der Inseln nach der Kärntner Landeshauptstadt. Heute gehört das Franz-Josef-Land zu Russland.

Die Künstlerinnen und Künstler planen eine mehrteilige Annäherung, die von Gesprächen über Kartografie und Reisejournal bis zu Fotografie, Akustik und körperlichen Erfahrungen reicht. Den Auftakt bildet eine temporäre Bodenzeichnung des Franz-Josef-Lands im öffentlichen Raum von Klagenfurt, die als Ausgangspunkt für weitere künstlerische Expeditionen dienen soll. Ziel ist es, die historischen Verknüpfungen und die heutigen Wahrnehmungen von Zentrum und Peripherie sichtbar und erfahrbar zu machen.

108 Stühle als Bühne für Dialog

Das zweite ausgezeichnete Vorhaben stammt von den Architekten Stefan Breuer und Sebastian Hicks. Mit dem Projekt „HolzOval“ haben sie eine mobile Bühne entwickelt, bei der 108 Stühle gleichzeitig die Wände bilden und als Sitzplätze dienen. Symbolisch lädt dieses Arrangement zu einem Sesselkreis ein und verweist auf Versammlungs-, Diskussions- und Begegnungsräume im öffentlichen Raum.

Die Jury betonte die Vielschichtigkeit der künstlerischen Zugänge und begründete die Auswahl damit, dass beide Projekte Erfahrungen von „Nähe und Ferne, Eigenem und Fremden sowie Zentrum und Peripherie“ beleuchten.

„…Erfahrungen von ‚Nähe und Ferne, Eigenem und Fremden sowie Zentrum und Peripherie‘ beleuchten.“

Förderung und Kontext

Der Call, ausgeschrieben von der Kärntner Kulturstiftung, richtete sich an Projekte, die sich mit Wandelprozessen in Peripherien auseinandersetzen. Aus 64 Einreichungen wurden nach einem zweistufigen Verfahren zwei Projekte prämiert. Vorsitzende der Jury war Barbara Putz-Plecko. Die Entscheidungen kombinieren eine regionale Verankerung mit einem Blick auf historische wie geografische Verflechtungen, die über Kärnten hinausweisen.

  • 64 Einreichungen im Auswahlverfahren
  • 2 ausgewählte Siegerprojekte
  • 140.000 Euro Gesamtförderung
ParameterWert
Einreichungen64
Prämiert2 Projekte
Fördersumme140.000 Euro

Die Auswahl zeigt, wie kulturpolitische Förderprogramme nicht nur Produktionen finanzieren, sondern auch Diskussionen über Regionalität, Erinnerung und Gegenwart anstoßen können. Während das Projekt zu Klagenfurt und dem Franz-Josef-Land historische Karten, Reiseerzählungen und akustische sowie performative Elemente zusammenführt, setzt das „HolzOval“ auf eine unmittelbar räumliche Einladung: 108 Stühle, die zugleich Grenze und Forum sind.

Beide Projekte sind demnach weniger als fertige Ausstellungen denn als prozesshafte Interventionen gedacht: Sie mobilisieren Erinnerungsräume, provozieren Begegnungen und stellen Fragen an die Öffentlichkeit. In Zeiten, in denen Debatten um Zentrum und Peripherie, Globales und Regionales an Schärfe gewinnen, sind solche künstlerischen Zugänge keine bloßen Versuche der Distanzüberbrückung, sondern Formen kollektiver Auseinandersetzung mit Geschichte, Geografie und Gegenwart.

Die konkreten Termine für Ausstellungen, Interventionen oder begleitende Programme wurden von der Stiftung in der Mitteilung nicht genannt; die Projekte sind als mehrphasige Arbeiten geplant, die im öffentlichen Raum und in verschiedenen medialen Formaten erprobt werden sollen.

Dominik Hasenauer
Dominik KI Ressortleiter Kultur online

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