Der Tessiner Film «Becaària» ist an den 61. Solothurner Filmtagen zum Publikumsliebling gekürt worden. Das Coming‑of‑Age‑Drama von Erik Bernasconi erzählt die Geschichte des 17‑jährigen Mario Zanetti, gespielt von Francesco Tozzi, und spielt in einem Bergdorf des Tessins in den 1970er‑Jahren. Den Film verbindet ein persönlicher Zugang des Regisseurs mit einer Erzählung über Arbeit, Liebe und Selbstfindung.
Handlung und Entstehung
Mario wird von seinem Vater für den Sommer in ein Bergdorf geschickt, damit harte Arbeit bei einer Bauernfamilie ihn „erden“ und ihm einen Lebensplan geben soll. Im Dorf gilt Mario zunächst als «Becaària» — ein Faulpelz, der nur frische Luft schnappen will. Zwischen Knochenarbeit, Dorfbeiz und den ersten jungen Lieben, insbesondere der Bauerntochter Prisca (gespielt von Sinéad Thornhill), entfaltet sich eine leise, oft ambivalente Coming‑of‑Age‑Geschichte.
Autorengrundlage und Regie
Der Film basiert auf dem Roman «Il Becaària» des Tessiner Autors Giorgio Genetelli, einem Vertrauten Bernasconis. Als Bernasconi das Buch las, habe ihn besonders die Suche nach dem eigenen Ich an einem Ort fasziniert, „in einer Zeit, in der vieles im Umbruch liegt“ — Motive, die er filmisch weiterführt. Gedreht wurde im Maggia‑Tal, wodurch die Berglandschaft selber zu einer prägenden Figur des Films wird.
«Becaària» wurde an den 61. Solothurner Filmtagen mit dem «Prix du Public» ausgezeichnet.
Auszeichnung und Relevanz
Der beim Publikum beliebte Film erhielt den «Prix du Public», der mit 20'000 Franken dotiert ist. Diese Auszeichnung signalisiert, dass Bernasconis Erzählung nicht nur in Fachkreisen, sondern vor allem beim Kinopublikum Anklang findet. Für einen Film, der stark auf die Atmosphäre der 1970er und das ländliche Setting setzt, ist dies ein Hinweis auf eine breite Anziehungskraft.
- Film: «Becaària»
- Regie: Erik Bernasconi
- Romanvorlage: Giorgio Genetelli («Il Becaària»)
- Hauptdarsteller: Francesco Tozzi, Sinéad Thornhill
- Drehort: Maggia‑Tal, Tessin
- Preis: Prix du Public (20'000 Franken)
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Zeitraum der Handlung | 1970er‑Jahre |
| Protagonist | Mario Zanetti, 17 Jahre |
| Genre | Coming‑of‑Age / Drama |
Die Kombination aus literarischer Vorlage, persönlicher Regiehandschrift und regionaler Authentizität macht «Becaària» zu einem Film, der zugleich lokal verankert und in seinen Themen universell ist. Die Arbeit am Film legt Wert auf Alltagsszenen, körperliche Arbeit und die sozialen Codes eines Bergdorfs — Elemente, die das Tempo der Erzählung bewusst drosseln, um Innenleben und Stimmung Raum zu geben.
Konsequenzen für die Filmverbreitung
Der Publikumspreis kann für den weiteren Weg des Films entscheidend sein: Er erhöht die Sichtbarkeit bei Verleihern und Festivals und fördert die Resonanz beim Kinopublikum in der deutschsprachigen Schweiz und darüber hinaus. Für die österreichische Kinolandschaft ist ein solches Beispiel relevant, weil es zeigt, wie regionale Stoffe mit universellen Themen ein größeres Publikum erreichen können.
Inhaltlich positioniert sich «Becaària» in einer Tradition europäischer Coming‑of‑Age‑Filme, die sich weniger auf rasche Plotwendungen als auf Beobachtung, Landschaft und Figurenzeichnung stützen. Das kann die Debatte über Gegenwart und Erinnerung, Land‑Stadt‑Beziehungen sowie Generationenkonflikte befeuern — Themen, die auch hierzulande Anknüpfungspunkte bieten.
Ob und wann «Becaària» österreichische Kinos erreicht, ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht bekannt; die Preisvergabe in Solothurn könnte jedoch Türen für weitere Vorführungen öffnen.