Berlin — Die Hauptstadt beginnt das neue Schuljahr mit einer Rekordzahl an Schülerinnen und Schülern: Insgesamt werden an Berlins allgemeinbildenden Schulen 404.910 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Das teilte Bildungssenatorin Katharina Günther‑Wünsch mit und machte zugleich deutlich, dass die Lage an vielen Standorten weiter angespannt bleibt.
Mehr Plätze, aber weiterhin Engpässe
Für das neue Schuljahr wurden nach Angaben der Senatorin rund 8.000 zusätzliche Schulplätze geschaffen. Zugleich bezifferte sie die aktuell rechnerisch fehlenden Plätze auf etwa 24.000. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Gesamtschülerzahl um knapp 1.200 Personen. Neu eingeschult werden in diesem Jahr 35.550 Kinder, das sind 274 weniger als im Vorjahr.
„Wir müssen weiter neue Schulen bauen. Die Klassenzimmer sind nach wie vor voll. Unser Ziel ist es, hier Entspannung reinzubringen.“
Günther‑Wünsch verwies auf die laufende Neubau‑ und Sanierungsinitiative des Senats, mit der langfristig Kapazitäten geschaffen werden sollen. Konkrete Maßnahmen sehen unter anderem sechs Neubauten vor; bis zum nächsten Schuljahr sind laut Senatsangaben weitere 6.700 Plätze geplant. Die Senatorin hob hervor, dass das Programm trotz eines beginnenden Geburtenrückgangs weitergeführt werden müsse: Prognosen zufolge würden sinkende Geburtenraten erst gegen 2030 messbar an den Schulen ankommen.
Zusammensetzung der Schülerschaft
In den Berliner Willkommensklassen werden nach den Zahlen 9.900 geflüchtete Kinder und Jugendliche unterrichtet. Die Tendenz in diesem Bereich ist rückläufig, dennoch bleibt die Integration dieser jungen Menschen eine Aufgabe für die städtischen Schulen.
| Indikator | Zahl |
|---|---|
| Gesamtzahl Schüler*innen | 404.910 |
| Neu eingeschulte Kinder | 35.550 |
| Schüler*innen in Willkommensklassen | 9.900 |
| Neue Schulplätze (aktuell) | 8.000 |
| Rechnerisch fehlende Plätze | 24.000 |
| Unbesetzte Vollzeit-Lehrstellen (Stand Schuljahresbeginn) | 500 |
Personalsituation bleibt eine Herausforderung
Der Lehrkräftemangel ist nach wie vor Thema: Zum Schuljahresbeginn konnten nach aktuellem Stand 500 Vollzeitstellen nicht besetzt werden. Die endgültige Zahl werde erst im November feststehen, sagte die Senatorin. Sie wies jedoch auf Fortschritte in den vergangenen Jahren hin: 2023 waren zum Beginn des Schuljahrs noch 1.500 Lehrkräfte nicht besetzt. Zugleich betonte Günther‑Wünsch, dass durch tarifliche Vereinbarungen zur Entlastung von Schulpersonal der Bedarf an Lehrkräften zuletzt wieder etwas gestiegen sei.
- Steigende Schülerzahlen halten den Druck auf die Schulinfrastruktur hoch.
- Neubauten und Sanierungen schaffen Entlastung, reichen aber kurzfristig nicht aus.
- Lehrkräftegewinnung bleibt zentral für die Qualitätsicherung des Unterrichts.
Für Eltern, Lehrende und die Bildungsverwaltung bedeutet das: Kurzfristig sind pragmatische Lösungen gefragt — etwa temporäre Klassenräume, Umwidmungen und gezielte Personalmaßnahmen. Mittelfristig entscheidet die Umsetzung des Schulbauprogramms und die Lehrerinnen‑ und Lehrergewinnung, ob sich die Situation nachhaltig verbessert. Die Berlin‑Kennzahlen haben zudem überregionale Relevanz: Sie zeigen, wie demografische Veränderungen, Fluchtbewegungen und politische Maßnahmen zusammenwirken und welche Zeiträume erforderlich sind, damit Investitionen in Bildung spürbar Entlastung bringen.
Die endgültige Bilanz wird sich in den kommenden Monaten bilden, wenn die Zahlen zur Personalbesetzung im November feststehen und geplante Neubauten schrittweise in Betrieb genommen werden.