Eine internationale Forschergruppe um Thomas Karl vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck und Min Shao von der Jinan Universität hat nach eigenen Angaben nachgewiesen, dass einige Baumarten in Städten bei Hitze erheblich zur Entstehung von bodennahem Ozon beitragen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht und basieren auf Messungen, die über drei Monate am Wetterturm in Peking durchgeführt wurden.
Wie Stadtgrün Ozonbildung beeinflusst
Dem Team zufolge stoßen beispielsweise Trauerweiden, Platanen und Stieleichen bei hohen Temperaturen vermehrt flüchtige organische Verbindungen (VOCs) aus. Diese Substanzen reagieren in Anwesenheit von Sonnenlicht und Stickoxiden zu bodennahem Ozon, einem reizenden und gesundheitsschädlichen Gas. Die Forschenden betonen, dass die Emissionen von Bäumen damit nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern im Kontext städtischer Schadstoffquellen und Wetterlagen.
Messbefund und Quellenanteile
Bei den Untersuchungen am Pekinger Messstandort ergab sich, dass etwa ein Zehntel der gemessenen VOCs aus biologischen Quellen stammte — darunter Stadtbäume. Der weitaus größere Teil der nachgewiesenen Verbindungen hatte laut Studie anthropogene Ursachen, etwa durch Kraftstoffdämpfe, Kochen oder Lösungsmittel.
| Quelle | Anteil / Charakteristik |
|---|---|
| Biologische Quellen (z. B. Stadtbäume) | ≈ 10 % der gemessenen VOCs |
| Anthropogene Quellen (z. B. Verkehr, Kochen, Lösungsmittel) | Mehrheit der VOC-Emissionen; dominierend bei den Messungen |
Folgen für Stadtplanung und Begrünung
Aus den Messungen leiten die Autorinnen und Autoren konkrete Konsequenzen für das Pflanzen von Stadtbäumen ab: Bei Neubepflanzungen solle auf emissionsärmere Arten geachtet werden. Als Beispiele nennen die Forschenden fruchttragende Bäume und Ginkgo. Damit wird vorgeschlagen, die Auswahl von Baumarten stärker mit Kriterien zur Luftqualität zu verknüpfen, statt allein ästhetische oder schattengebende Aspekte zu berücksichtigen.
- Messzeitraum: drei Monate am Messstandort in Peking.
- Kernbefund: Bäume tragen, insbesondere bei Hitze, zu VOC-Emissionen bei.
- Empfehlung: Pflanzung emissionsarmer Baumarten in Städten.
Die Studie ergänzt frühere Erkenntnisse, dass urbane Ozonbelastung ein Zusammenspiel aus meteorologischen Bedingungen, Verkehrsemissionen und biogenen Stoffen ist. Für Kommunen bedeutet das: Begrünung als Klimaanpassung bleibt wichtig, gleichzeitig muss die Auswahl der Arten und die Reduktion anthropogener Emissionen Hand in Hand gehen, um gesundheitliche Risiken zu minimieren.
Für Schulen, Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen bietet die Studie einen konkreten Anknüpfungspunkt, um Themen wie Luftqualität, Klimaanpassung und Stadtökologie im Unterricht zu behandeln. Sie zeigt, wie naturwissenschaftliche Forschung direkt in kommunale Entscheidungen zur Begrünung und zur öffentlichen Gesundheit einfließen kann.
Weitere Details zu Methoden und lokal unterschiedlichen Auswirkungen sind der Publikation in „Science Advances“ zu entnehmen; die Innsbrucker Forschergruppe arbeitet nach eigenen Angaben international zusammen, um regionale Unterschiede in der Rolle von Stadtbäumen für die Ozonbildung besser zu verstehen.