Im Schuljahr 2025/26 wurden in Österreich insgesamt 2.440 Schülerinnen und Schüler vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen. Damit setzt sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort: 2024/25 waren es 2.187, 2023/24 2.013 und 2022/23 1.911. Das geht aus den aktuellen Daten des Bildungsministeriums hervor.
Regionale Verteilung und Schultypen
Im Ländervergleich liegen Wien, Vorarlberg und Oberösterreich an der Spitze – sowohl absolut als auch relativ zur Schülerzahl. Allein in Oberösterreich wurden 587 Schülerinnen und Schüler suspendiert; das ist nahezu gleich viel wie im Jahr davor (606).
Die Häufung von Suspendierungen zeigt sich je nach Schultyp unterschiedlich: Sonderschulen verzeichnen verhältnismäßig die meisten Ausschlüsse, gefolgt von Mittelschulen und Polytechnischen Schulen. Am seltensten kommt es an Berufsschulen und AHS zu Suspendierungen. In Volksschulen ist der Anteil zwar generell gering, dennoch wurden insgesamt 534 Kinder suspendiert.
Neuerlicher Anstieg und Reaktion des Ministeriums
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) betont die Brisanz der Zahlen und spricht von deutlichem Handlungsbedarf: Wenn mehr als 2.400 Kinder und Jugendliche betroffen seien, müsse der Umgang mit eskalierendem Verhalten verbessert werden. Als konkrete Maßnahme kündigt das Ministerium ab Herbst eine verpflichtende Suspendierungsbegleitung an—ein Mix aus Unterricht und zusätzlichen Maßnahmen zur Reintegration.
„Wenn mehr als 2.400 Schülerinnen und Schüler suspendiert werden, zeigt das, dass wir beim Umgang mit eskalierenden Konflikten und herausforderndem Verhalten noch besser werden müssen.“
Was die Begleitung leisten soll
Die geplante Begleitung hat zwei zentrale Ziele: den Unterrichtsausfall zu reduzieren und eine nachhaltige Rückkehr in den Schulalltag zu ermöglichen. Suspendierte Schüler können je nach Schwere des Vorfalls bis zu vier Wochen vom Unterricht ausgeschlossen werden; Auslöser sind in vielen Fällen Gewalt, Drohungen oder Sachbeschädigung.
- Unterricht: Weiterführung von Lernangeboten während der Suspendierung, um Lernrückstände zu begrenzen.
- Reintegration: Maßnahmen zur Konfliktbearbeitung und psychosozialen Unterstützung, damit die Rückkehr in die Klasse gelingt.
- Dauer: Suspendierungen können bis zu vier Wochen dauern; die Begleitung beginnt künftig verpflichtend.
Konsequenzen für Schulen, Lehrkräfte und Eltern
Der erneute Anstieg stellt Schulen und Lehrkräfte vor organisatorische und pädagogische Herausforderungen. Lehrkräfte müssen neben Unterrichtsaufgaben verstärkt Deeskalations- und Unterstützungsarbeit leisten. Eltern sind gefragt, bei familiären Ursachen von auffälligem Verhalten frühzeitig mit der Schule zusammenzuarbeiten. Bildungsfachleute sehen in der verpflichtenden Begleitung einen wichtigen Schritt, warnen aber zugleich, dass Ressourcen nötig sind: personelle Kapazitäten, Fortbildung für Lehrkräfte und niedrigschwellige Beratungsangebote.
| Schuljahr | Anzahl Suspendierungen |
|---|---|
| 2022/23 | 1.911 |
| 2023/24 | 2.013 |
| 2024/25 | 2.187 |
| 2025/26 | 2.440 |
Für eine wirksame Umsetzung der Begleitmaßnahmen sind mehrere Elemente entscheidend: klare Standards für Interventionen, ausreichende finanzielle Mittel und abgestimmte Konzepte auf allen Ebenen — von der einzelnen Schule bis zur Bildungsverwaltung. Ohne diese Voraussetzungen könnten Suspendierungsbegleitungen das Problem lediglich verwalten statt nachhaltig zu reduzieren.
Die Ankündigung der verpflichtenden Begleitung markiert einen Politikwechsel in Richtung aktiver Reintegration. Entscheidend wird sein, wie rasch Schulen zusätzliche Unterstützung erhalten und ob begleitende Maßnahmen tatsächlich dazu führen, dass betroffene Kinder und Jugendliche dauerhaft im Unterricht bleiben und nicht erneut auffallen.
Für Eltern, Lehrkräfte und Schulverantwortliche gilt es nun, die neuen Vorgaben genau zu prüfen, Ressourcen einzuplanen und Partnerschaften mit Jugend- und Sozialarbeit zu stärken. Nur so kann die Rückkehr in den Schulalltag für die Betroffenen gelingen — und das System insgesamt stabiler werden.