Die UNESCO hat am 11. August alarmierende Zahlen zum Zustand des Bildungswesens in Afghanistan veröffentlicht: rund 2,4 Millionen Mädchen sind derzeit vom Zugang zu Sekundarschulbildung ausgeschlossen. Gegenüber den Daten für 2025 sei das ein Anstieg um 200.000 Mädchen, so die Organisation.
Recht auf Bildung und die Realität vor Ort
Afghanistan ist laut UNESCO das einzige Land weltweit, das Mädchen und Frauen offiziell den Zugang zu Bildung über die Grundschule hinaus verbietet. Die Organisation warnt, dass bei Fortdauer dieses Verbots bis 2030 die Zahl der vom Schulbesuch ausgeschlossenen Mädchen auf knapp 4 Millionen anwachsen könne.
„Afghanische Mädchen und Frauen haben das Recht auf Bildung, ein grundlegendes Menschenrecht. Sie haben das Recht auf Arbeit. Sie sollten das Recht auf Freizügigkeit haben.“
Die UNESCO betont, dass der Ausschluss von Mädchen nicht nur ein Verstoß gegen Menschenrechte sei, sondern auch tiefgreifende wirtschaftliche Folgen habe. Prognosen zufolge drohe dem Land bis 2030 ein Mangel von mehr als 11.000 qualifizierten Lehrerinnen. Langfristig könnte die Beschränkung von Bildung für Frauen und Mädchen der afghanischen Wirtschaft bis 2066 rund 9,6 Milliarden US-Dollar an Wohlstandsverlusten kosten.
Bildungsstand, Infrastruktur und humanitäre Programme
Die UNESCO beschreibt das afghanische Bildungswesen als in einer tiefen Krise: Mangelhafte Infrastruktur, fehlendes sauberes Wasser, unzureichende Heizung und häufige Naturkatastrophen verschärften die Lage. Aktuell könnten über 90 % der Zehnjährigen keinen einfachen Text lesen; die nationale Alphabetisierungsrate liege bei lediglich 37 %.
Trotz der Restriktionen unterstützt die UNESCO weiterhin gemeindebasierte Lern-, Alphabetisierungs- und Kompetenzentwicklungsprogramme. Bis zum 11. August hätten fast 70.000 Menschen von diesen Angeboten profitiert, davon rund 73 % Frauen. Die Programme zielen darauf ab, Basisbildung und Lebenskompetenzen zu vermitteln, auch wenn der formale Zugang zur Sekundarschule vielerorts verwehrt bleibt.
- Ausgeschlossene Mädchen: 2,4 Millionen (Anstieg um 200.000 gegenüber 2025)
- Prognose 2030: Bis zu fast 4 Millionen ausgeschlossen
- Alphabetisierung: Nationale Rate 37 %, über 90 % der Zehnjährigen können keinen einfachen Text lesen
- Programme der UNESCO: Fast 70.000 Teilnehmende, 73 % Frauen
- Wirtschaftlicher Schaden: Schätzung bis 2066: 9,6 Milliarden US-Dollar
| Zahl | Angabe |
|---|---|
| 2,4 Mio. | Mädchen ohne Sekundarschulzugang (heute) |
| +200.000 | Anstieg gegenüber 2025 |
| ~4 Mio. | Prognose Ausschluss bis 2030 (bei Fortdauer) |
| 11.000+ | Prognostizierter Mangel an Lehrerinnen bis 2030 |
| 9,6 Mrd. USD | Geschätzter wirtschaftlicher Verlust bis 2066 |
Konsequenzen und Perspektiven
Die Zahlen der UNESCO werfen Fragen für die internationale Zusammenarbeit und die humanitäre Hilfe auf. Bildung ist nicht nur ein individuelles Recht, sondern eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität. Der nachhaltige Ausschluss großer Mädchenkohorten gefährdet Generationen und erhöht die Abhängigkeit von externer Hilfe.
Gleichzeitig zeigen die Berichte, dass niedrigschwellige Programme, etwa in Alphabetisierung und Kompetenzvermittlung, kurzfristig helfen können: Rund drei Viertel der Teilnehmenden in den UNESCO-Angeboten sind Frauen. Diese Projekte erreichen Menschen trotz widriger Rahmenbedingungen und schaffen Basisfähigkeiten, die für wirtschaftliche Perspektiven notwendig sind.
Für die Bildungslandschaft Afghanistans bleiben jedoch strukturpolitische Entscheidungen der de-facto-Machthaber ausschlaggebend. Ohne Zugang zu weiterführender Bildung bleibt die Gefahr bestehen, dass nicht nur individuelle Lebenswege, sondern die wirtschaftliche Grundlage eines ganzen Landes langfristig geschwächt werden.
Die UNESCO hat ihre Warnung deutlich formuliert: Bleibt das Verbot bestehen, drohen dramatische demografische, soziale und ökonomische Folgen. Für die internationale Gemeinschaft stellt sich damit die Herausforderung, Schutzräume für Bildung zu erhalten und alternative Lernwege auszubauen, solange formale Zugänge versperrt sind.