Die jüngsten politischen Veränderungen in Ungarn haben direkte Folgen für eine private Hochschule in Wien: Die am Kahlenberg beheimatete Modul University Vienna steht nach der Auflösung der ungarischen Matthias-Corvinus-Stiftung vor einer ungewissen Zukunft. Betroffen sind rund 600 internationale Studierende, die derzeit an der Universität vorwiegend im Bereich Tourismus-Management ausgebildet werden.
Hintergrund der Übernahme und der Auflösung
Vor etwa drei Jahren ging ein großer Anteil der Modul University an das damals beteiligte ungarische Mathias/Matthias Corvinus Collegium (MCC). Die Übernahme wurde seinerzeit mit dem Ziel begründet, das internationale Netzwerk der Hochschule zu erweitern. Politische Motive wurden von Beobachtern und Expertinnen gleichwohl immer wieder diskutiert.
„Das ist das Modell, das Viktor Orban für Ungarn entwickelt hatte und bis April dieses Jahres eigentlich durchziehen konnte“,
sagte der Ungarn-Experte Peter Techet im Gespräch mit der ZIB 2 und bezeichnete die Einrichtung als eine Art „Kaderschmiede“ für rechtspopulistische Netzwerke in Europa. Mit dem Regierungswechsel in Budapest und der Installation von Ministerpräsident Peter Magyar setzt die neue Staatsführung nun auf eine Abwicklung zahlreicher Projekte aus der Ära Orbán.
Konkrete Folgen für die Universität
Ende Juli wurde die Matthias-Corvinus-Stiftung aufgelöst. In den vergangenen Jahren waren über diese Stiftung erhebliche Mittel geflossen; die neue ungarische Regierung hat die Stiftungsarbeit gestoppt. Für die Modul University bedeutet das sowohl finanzielle als auch organisatorische Unsicherheit: Wie die Trägerschaft künftig ausgestaltet wird und inwiefern laufende Programme und Partnerschaften fortgeführt werden, ist derzeit offen.
- Studierende: Rund 600 sind direkt betroffen, vorwiegend international eingeschriebene Personen im Bereich Tourismus-Management.
- Lehrende und Personal: Es herrscht Unsicherheit über Finanzierung und Beschäftigungsverhältnisse.
- Netzwerk und Strategie: Die Zukunft internationaler Kooperationen und Förderungen ist unklar.
Reaktionen und Perspektiven
Innerhalb der Universität sowie in akademischen Kreisen in Wien herrscht Besorgnis, weil die Auflösung einer wichtigen Förderstruktur kurzfristig Lücken reißen kann. Vertreterinnen und Vertreter der Hochschule müssen nun klären, welche Mittel kurzfristig gesichert werden können und wie ein längerfristiges Trägermodell aussehen soll.
Die Bundesregierung in Ungarn hat den Kurswechsel damit begründet, Einrichtungen, die in der Ära des ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán aufgebaut wurden, neu zu ordnen oder abzuwickeln. Für Institutionen außerhalb Ungarns ergibt sich daraus die Frage, wie abhängig sie von inländischen Stiftungen und Unterstützern sind und welche souveränen Vorsorgestrukturen notwendig sind.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Anzahl Studierende | ~600 |
| Zeitpunkt der Stiftungsauflösung | Ende Juli |
| Übernahme durch MCC | Vor rund drei Jahren |
Für Studierende und Lehrende beginnt nun eine Phase, in der Transparenz seitens der Universitätsleitung und verlässliche Informationen über Finanzierung, Akkreditierung und Studienbetrieb entscheidend sind. Ein neuer Träger oder alternative Finanzierungsquellen wären nötig, um einen stabilen Lehr- und Forschungsbetrieb zu garantieren.
Die aktuelle Entwicklung zeigt zugleich, wie verflochten internationale Politik und akademische Infrastruktur sein können. Für Österreich und Wien bedeutet das: Hochschulen mit außenstehenden Geldgebern benötigen klare Strategien, um bei geopolitischen oder politischen Veränderungen in Herkunftsländern nicht in Existenznöte zu geraten.
Die Modul University selbst hat öffentlich noch keine umfassende Stellungnahme zur weiteren Trägerschaft oder zu kurzfristigen Maßnahmen vorgelegt. Entscheidend wird sein, wie schnell Leitung, Studierendenvertretung und mögliche neue Geldgeber tragfähige Lösungen präsentieren können, damit das kommende Semester planbar bleibt.