Quellen, die im Sommer nicht mehr sprudeln, verschärfen die Existenzfragen vieler Alpenbetriebe. Ein aktuelles Forschungsprojekt der Berner Fachhochschule (BFH-HAFL) liefert erstmals systematische Daten zur Nutzung und Knappheit von Wasser auf Alpen und zeigt, wie stark Bewirtschaftung, Tierhaltung und Produktion unmittelbar von verfügbaren Wasserressourcen abhängen.
Wasserbedarf geht über Melken hinaus
Wasser wird auf der Alp nicht nur für das Melken, die Reinigung oder die Käseproduktion benötigt. Bereits die Futtergrundlage ist von der Niederschlagsverteilung und dem Quellzustand abhängig: Mangelnder Niederschlag führt zu geringerem Futterwuchs und sinkender Futterqualität, was wiederum Druck auf die Tierhaltung ausübt. Berater wie Stefan Bless vom landwirtschaftlichen Bildungszentrum Plantahof im Kanton Graubünden beobachten, dass einige Alpen im Sommer gar nicht mehr bewässert werden können, weil Quellen versiegen.
Praxisbeispiel Alp Rona: Sparen statt verschwenden
Die Kuhalp Rona in Furna (Kanton Graubünden) ist ein anschauliches Beispiel für den Anpassungsdruck. Die Alp entstand vor etwa 20 Jahren durch den Zusammenschluss dreier kleinerer Alpflächen, um steigenden Hygieneanforderungen zu genügen. Dort sömmern 75 Milchkühe auf einer naturgegeben wasserarmen Hochebene. Alpmeister Armin Herger berichtet, dass Wasser am Betrieb zugekauft werden muss und deshalb seit jeher ein Spargedanke herrscht:
«Weil wir das Wasser zukaufen müssen, war der Spargedanke schon immer vorhanden.»
Zur Deckung ihres Bedarfs kooperiert die Alp mit örtlichen Bergbahnen, von denen Wasser und Strom bezogen werden. Diese Kooperation zeigt zugleich die wachsenden Nutzungskonflikte in Bergregionen: Als die Bergbahnen zwischen 2021 und 2025 einen Sommerbetrieb führten, wurde das Wasser für beide Parteien spürbar knapp.
- Direkte Nutzung: Melken, Reinigung, Käseherstellung.
- Indirekte Folgen: Weniger Niederschlag → geringerer Futterwuchs → Druck auf Tierbestand und Wirtschaftlichkeit.
- Konflikte: Gemeinsame Wassernutzung mit touristischen Infrastrukturen verschärft Engpässe.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Milchkühe auf Alp Rona | 75 |
| Zusammenschluss der Alpen | vor 20 Jahren |
| Sommerbetrieb Bergbahnen | 2021–2025 |
Was die Daten der BFH-HAFL bedeuten
Die Forschung liefert erstmals belastbare Messdaten, die Planern und Bewirtschaftern helfen sollen, den „Wasserschatz der Alpen“ nachhaltiger zu bewirtschaften. Konkrete Maßnahmen leiten sich aus den Befunden nur dann ab, wenn lokale Messungen, Nutzungsansprüche und saisonale Nachfrage zusammengeführt werden. Ohne solche Daten bleiben Entscheidungen anfällig für Fehlanpassungen: Beispielsweise kann eine rein kurzfristige Zuteilung Wasserressourcen erschöpfen und die ökologische Basis für Futterproduktion langfristig schwächen.
Die Problematik ist vielschichtig: Es geht nicht allein um technische Bewässerungslösungen, sondern um koordinierte Nutzung zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Infrastrukturbetreibern sowie um Planungssicherheit für Alpenbewirtschafter. Zudem wirken sich klimabedingte Veränderungen der Niederschlagsmuster und der Schneeverteilung unmittelbar auf Quellaustritte und Grundwasserspiegelschwankungen aus – Faktoren, die in lokalen Bewirtschaftungsentscheidungen bislang oft zu kurz kamen.
Für Betriebe wie die Alp Rona heißt das: Anpassungsstrategien müssen sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten. Kooperationen mit Dritten können kurzfristig helfen, bergen aber langfristig Konfliktpotenzial, wenn mehrere Nutzer gleichzeitig auf beschränkte Quellen zugreifen.
Die BFH-HAFL-Daten bieten eine Basis, um solche Nutzungsfragen evidenzbasiert zu diskutieren. Entscheidend wird sein, wie Behörden, Beratungsstellen und Alpbetreiber diese Informationen in konkrete Managementpläne und regionale Abstimmungen überführen — nur so lässt sich vermeiden, dass Quellen als kritische Ressource zum Flaschenhals für die alpine Bewirtschaftung werden.
Fazit: Die Trockenheit trifft alpine Betriebe nicht nur als akute Einschränkung bei der Wasserversorgung, sondern bedroht über reduzierte Futterressourcen die gesamte Lebensgrundlage der Sommerwirtschaft. Die neuen Messdaten sind ein erster Schritt, um Wassermanagement, Nutzerkoordination und langfristige Anpassung in den Alpen zu verbessern.