In Thüringen ist die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Ausbildungsförderung (Bafög) im vergangenen Jahr auf einen neuen Tiefstand gesunken. Das Landesamt für Statistik meldet, dass 19.119 Personen gefördert wurden — rund 4.300 weniger als im Vorjahr und damit ein Rückgang von etwa 18,5 Prozent.
Wer ist betroffen?
Der Rückgang betrifft insbesondere Studierende: Im Berichtsjahr erhielten 14.334 Studierende Bafög, das sind knapp 22,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Bei Schülerinnen und Schülern verringerte sich die Zahl der Geförderten moderater um 3,8 Prozent.
- Gesamtzahl der Geförderten: 19.119
- Studierende: 14.334 (−22,5 %)
- Schülerinnen und Schüler: Rückgang um 3,8 %
Ausgaben und durchschnittliche Fördersätze
Insgesamt wurden in Thüringen für die Ausbildungsförderung im Berichtsjahr 96,4 Millionen Euro ausgegeben. Das sind rund 18,7 Millionen Euro beziehungsweise 16,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die durchschnittlichen monatlichen Förderbeträge:
| Gruppe | Durchschnittlicher Betrag pro Monat | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Alle Geförderten | 621 Euro | +27 Euro |
| Schülerinnen und Schüler | 463 Euro | +8 Euro |
| Studierende | 666 Euro | +41 Euro |
Hintergründe und Folgen
Die Zahlen setzen einen seit 2024 beobachteten Trend fort: Nachdem es in den Jahren zuvor Zuwächse bei den Geförderten gab, ist nun eine markante Umkehr erkennbar. Für die Praxis bedeutet das, dass weniger Studierende und Lehrlinge auf die staatliche Ausbildungsförderung angewiesen oder anspruchsberechtigt sind — oder dass Anträge seltener bewilligt beziehungsweise gestellt werden.
Gleichzeitig gibt es anhaltende Kritik an den Bearbeitungszeiten für Bafög-Anträge in Thüringen. Lange Wartezeiten können Studierenden finanzielle Engpässe bescheren und Studienverläufe belasten. Als zusätzlicher Faktor wirkt, dass das Studierendenwerk in Erfurt seit einigen Jahren auch für die Anträge der IU Internationale Hochschule zuständig ist, nachdem diese 2019 ihren Hauptsitz nach Erfurt verlegt hat. Die Zuständigkeit betrifft damit nun auch zahlreiche Studierende dieser Hochschule.
Was bedeutet das für Betroffene?
Für Studierende und Eltern sind zwei Aspekte zentral: zum einen die reduzierte Zahl der Geförderten, die Druck auf alternative Finanzierungswege erhöht; zum anderen die gestiegenen Durchschnittssätze, die einzelne Geförderte etwas besser absichern. Institutionen wie Hochschulen und Studierendenwerke dürften verstärkt gefragt sein, Studierende bei Anträgen zu unterstützen und Übergangsfinanzierungen (z. B. Notfonds) bereitzustellen.
In der Debatte bleibt offen, ob die rückläufigen Zahlen vor allem demografische Gründe, Änderungen in der Antragslage oder verwaltungspraktische Hürden widerspiegeln. Eine genauere Analyse durch das Landesamt für Statistik beziehungsweise durch Bildungs- und Sozialforschung ist nötig, um Ursachen und Handlungsmöglichkeiten zu klären.
Die vorliegenden Zahlen liefern jedenfalls eine Faktenbasis für Politik und Hochschulen: Wenn weniger Menschen staatliche Ausbildungsförderung erhalten, wirkt sich das nicht nur auf individuelle Studienverläufe aus, sondern auch auf die soziale Durchlässigkeit im Bildungssystem.