Der Gemeinderat von Wohlen steht vor einer heissen Debatte: Die Grünliberalen (GLP) haben einen Änderungsantrag zur Vorlage für den Einbau eines Kunstrasens im Stadion Niedermatten eingereicht. Kernpunkt ihres Kompromissvorschlags ist eine erhöhte Kostenbeteiligung des FC Wohlen von bisher rund 11 Prozent auf neu 15 Prozent der Gesamtkosten.
Worum es konkret geht
Der Gemeinderat beantragt dem Einwohnerrat einen Kredit über 1,81 Millionen Franken (Fr.) für den Ersatz des Naturrasens durch Kunstrasen. Die GLP schlägt vor, dass der Fussballclub sich mit rund 271'000 Fr. beteiligt; bisher hatte der Club einen Beitrag von rund 200'000 Fr. in Aussicht gestellt. Der Einwohnerrat wird am kommenden Montag über den Kredit und die Eingaben der Parteien entscheiden.
Begründung und politische Reaktionen
Die GLP begründet ihren Vorstoss mit zwei massgeblichen Punkten: Der Hauptfeldrasen in den Niedermatten brauche in den nächsten Jahren eine dringende Sanierung, und der Rigacker-Platz werde voraussichtlich ab 2029/30 nicht mehr zur Verfügung stehen. Damit stehe der FC Wohlen vor einem Problem bei Trainings- und Spielmöglichkeiten, insbesondere für den Nachwuchs.
«Es kann nicht das Ziel sein, dass aufgrund fehlender Trainingsmöglichkeiten Mannschaften abgebaut und Kinder und Jugendliche auf die ‹Strasse› gestellt werden müssen»
Gleichzeitig anerkennt die GLP die angespannte finanzielle Lage der Gemeinde und will mit ihrem Vorschlag einen Kompromiss schaffen, der eine Mehrheit im Einwohnerrat ermöglicht: «Es gilt der angespannten finanziellen Lage der Gemeinde Rechnung zu tragen», schreiben die GLP-Vertreter in ihrer Eingabe.
Verfahren und Stellungnahmen
Vertreter der GLP, namentlich Einwohnerrat Philipp Stäger und Parteipräsident Matthias Angst, haben diese Woche einen formellen Änderungsantrag zur Gemeinderatsvorlage eingereicht und zudem nochmals mit dem Vereinsvorstand verhandelt. Laut Mitteilung konnte eine schriftliche Zusage des FC Wohlen für die Beteiligung von 15 Prozent erlangt werden.
Die SVP Wohlen hat hingegen angekündigt, im Einwohnerrat einen generellen Rückweisungsantrag zu stellen. Ziel der SVP ist es, eine detailliertere Vorlage vom Gemeinderat zu verlangen, bevor ein Kredit bewilligt wird. Damit ist mit einer intensiven politischen Auseinandersetzung im Dorfparlament zu rechnen.
Finanzielle Auswirkungen und Optionen
Die Differenz zwischen der bisherigen Beteiligung des FC Wohlen und dem GLP-Vorschlag beträgt rund 71'000 Fr.. Für die Gemeinde bedeutet eine Zustimmung zum Kredit eine Verpflichtung von 1,81 Mio. Fr. aus den Gemeindefinanzen, wobei die Beteiligung des Vereins die Netto-Belastung reduzieren würde.
| Position | Betrag (Fr.) |
|---|---|
| Gesamtkredit | 1'810'000 |
| 15% Beteiligung FC Wohlen | 271'000 |
| Bisherige Beteiligung (ca. 11%) | 200'000 |
- Entscheidung im Einwohnerrat: Montag
- Vorgesehener Kredit: 1,81 Mio. Fr.
- GLP-Vorschlag: FC Wohlen beteiligt sich mit 15% (~271'000 Fr.)
Konsequenzen für Verein und Gemeinde
Für den FC Wohlen bedeutet die Zusage einer höheren Kostenbeteiligung eine zusätzliche finanzielle Belastung in den kommenden Jahren, die jedoch die Sicherung der Trainings- und Spielinfrastruktur ermöglicht. Für die Gemeinde würde eine Zustimmung den notwendigen Ersatz des Rasens sicherstellen und damit eine Lösung für die erwartete Verknappung von Sportplätzen in den nächsten Jahren bieten.
Für die Bevölkerung von Wohlen geht es nicht nur um ein Sportplatzprojekt, sondern um Entscheidungen zu Gemeindefinanzen, Prioritätensetzung und die Unterstützung der Jugendförderung im Verein. Der Einwohnerrat entscheidet am Montag, ob der GLP-Kompromiss eine Mehrheit findet oder ob die SVP-geforderte Rückweisung die Vorlage erst detaillierter aufbereitet sehen will.
Die weitere politische Debatte dürfte zeigen, wie weit die Bereitschaft zu Kompromissen in Fragen der kommunalen Infrastruktur reicht und wie die Gemeinde Wohlen die Balance zwischen Sparsamkeit und Investitionen in Sport und Jugendförderung findet.