Im Kanton Zug ist der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die eine berufliche Grundbildung beginnen, weiter gesunken. Wie das kantonale Amt für Berufsberatung mitteilte, entschieden sich dieses Jahr 47,2 Prozent der Absolventinnen und Absolventen für eine Lehre. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 51 Prozent.
Trend: Mittelschule gewinnt, Brückenangebote nehmen zu
Parallel zur Abnahme der Lehrbeginnenden stieg der Anteil junger Menschen, die eine Mittelschule besuchen: 39,6 Prozent entschieden sich für diesen Weg, nach 38,6 Prozent im Jahr 2025. Zudem zeigt sich eine Zunahme bei Brückenangeboten und Unentschlossenen: Der Anteil jener, die ein Brückenangebot in Anspruch nehmen, stieg von 10,1 auf 11,4 Prozent. Rund 1,9 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger sind noch unentschieden.
Insgesamt haben in diesem Sommer im Kanton Zug 1'236 junge Frauen und Männer die obligatorische Schulzeit abgeschlossen. Die Zahlen stammen aus der aktuellen Auswertung des kantonalen Amtes für Berufsberatung.
Mögliche Folgen für Betriebe und Berufsbildung
Der Rückgang beim Lehrbeginn hat mehrere potenzielle Auswirkungen: Lehrbetriebe könnten mittelfristig Schwierigkeiten bekommen, Fachkräfte auszubilden; die Berufsbildung insgesamt könnte weniger Nachwuchs erhalten; und die regionale Duale Ausbildung, die für viele Branchen eine zentrale Rolle spielt, könnte an Attraktivität verlieren. Konkrete Folgen lassen sich aus den vorliegenden Zahlen jedoch nicht automatisch ableiten, ohne ergänzende Daten zu Angebot, Besetzung offener Lehrstellen und sektoralen Entwicklungen.
Worin unterscheiden sich die Optionen nach der Schule?
- Lehre (Berufliche Grundbildung): Praktische Ausbildung in Betrieb und Berufsfachschule, führt zu einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ/EFZ-Ausbildung).
- Mittelschule: Akademisch ausgerichteter Weg, bereitet auf Fachhochschule oder Universität vor; Anstieg im Kanton sichtbar.
- Brückenangebote: Übergangsangebote für Orientierung, Nachholung von Voraussetzungen oder Vorbereitung auf eine Lehre bzw. weiterführende Schule.
Tabelle: Wichtige Kennzahlen Abschlussjahrgang 2026
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Schulabgängerinnen/-abgänger gesamt | 1'236 |
| Beginn Lehre | 47,2% (2025: 51%) |
| Mittelschule | 39,6% (2025: 38,6%) |
| Brückenangebot | 11,4% (2025: 10,1%) |
| Unentschieden | 1,9% |
Was die Zahlen nicht sagen
Die veröffentlichte Statistik liefert einen Überblick über die Verteilung der Bildungswege unmittelbar nach dem Abschluss der obligatorischen Schule, erlaubt aber keine abschliessende Interpretation der Ursachen. Wichtige offene Fragen bleiben, etwa:
- Ob das Angebot an Lehrstellen dem Bedarf entspricht und wie viele offene Lehrstellen unbesetzt bleiben;
- welche Branchen besonders betroffen sind und in welchem Ausmass die Wanderung von Jugendlichen in andere Kantone oder ins Ausland eine Rolle spielt;
- welche Erwartungen Jugendliche an Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsoptionen haben.
Zur Beurteilung dieser Aspekte sind ergänzende Daten aus Berufsverbänden, Lehrbetrieben, Schulen und kantonalen Institutionen notwendig.
Ausblick und Handlungsspielräume
Für Politik, Bildungsinstitutionen und Unternehmen ergeben sich verschiedene Ansatzpunkte: Intensivierte Berufsorientierung in der Schule, flexiblere Lehrmodelle, stärkere Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Berufsfachschulen sowie gezielte Informationsangebote zu Karrierewegen mit EFZ könnten dazu beitragen, die berufliche Grundbildung wieder zu stärken. Auch die Entwicklung von attraktiveren Ausbildungs- und Weiterbildungsbedingungen in einzelnen Branchen spielt eine Rolle.
Das kantonale Amt für Berufsberatung veröffentlicht die Zahlen als Grundlage für Diskussionen und Massnahmenentwicklung. Wie sich der Trend im kommenden Jahr entwickelt, bleibt zu beobachten; die Daten des Abschlussjahrgangs 2027 werden zeigen, ob es sich um eine vorübergehende Verschiebung oder um einen anhaltenden Wandel handelt.
Kontakt für betroffene Jugendliche und Betriebe: Das kantonale Amt für Berufsberatung bietet Informationen und Beratungen an; konkrete Kontaktdaten sind in den amtlichen Publikationen und auf der Website des Kantons Zug zu finden.