In Unterägeri versorgt eine lokale Abgabestelle von «Tischlein deck dich» seit fünf Jahren armutsbetroffene Menschen mit geretteten Lebensmitteln. Seither haben die freiwillig Engagierten rund 120'000 Kilogramm Lebensmittel weitergegeben. Die Initiative ist Teil eines landesweiten Netzwerks, das auf die Kombination von Lebensmittelrettung und Sozialhilfe setzt.
Organisation und Alltag der Abgabestelle
Die Abgabestelle in Unterägeri öffnet wöchentlich für eine Stunde und funktioniert wie ein kleiner Laden: Eingegangene Lebensmittel werden sortiert, portioniert und je nach Haushaltsgrösse weitergegeben. Die Räumlichkeiten stellt die Pfadi Morgarten unentgeltlich zur Verfügung. Das Team vor Ort besteht aus rund 30 Freiwilligen, die die Logistik, Beratung und Ausgabe übernehmen.
«Wenn ich mit den Kundinnen und Kunden ins Gespräch komme und ihr Vertrauen und ihre Dankbarkeit spüre, ist das jeweils einer der schönsten Momente meiner Freiwilligen-Tätigkeit», sagt Markus Burri, Leiter der Abgabestelle Unterägeri.
Die Freiwilligen übernehmen zudem administrative Aufgaben und die Kommunikation mit Lieferanten. Viele Lebensmittel stammen aus Supermarktspenden und aus Kooperationen mit Angeboten zur Lebensmittelrettung auf regionaler Ebene.
Kontext: Armut und Foodwaste in der Schweiz
Die Arbeit der Abgabestelle steht nicht isoliert: Laut Bundesamt für Statistik gelten in der Schweiz 8,1 Prozent der Bevölkerung als arm, und rund 1,4 Millionen Personen sind armutsgefährdet. Gleichzeitig gehen rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren; das entspricht jährlich etwa 2,8 Millionen Tonnen vermeidbarer Lebensmittelabfälle.
Als erste karitative Foodsave-Organisation der Schweiz vermittelt «Tischlein deck dich» seit über 26 Jahren zwischen den beiden Problemlagen und betreibt aktuell 173 Abgabestellen schweizweit. Die Niederlassung in Unterägeri ist Teil dieses Netzwerks und hat in fünf Jahren eine stattliche Menge an Nahrungsmitteln gerettet und verteilt.
Wirkung vor Ort
Die Verteilung geretteter Produkte entlastet finanziell prekär lebende Haushalte und verhindert gleichzeitig, dass verwertbare Lebensmittel vernichtet werden. Die Abgabestelle arbeitet nach dem Prinzip der Würde: Bedürftige erhalten nicht einfach Rohwaren, sondern eine Auswahl, die oft wie in einem Laden präsentiert wird, damit die Empfängerinnen und Empfänger selbstbestimmt auswählen können.
- Zeitraum: Fünf Jahre Betrieb in Unterägeri.
- Verteilte Menge: Rund 120'000 Kilogramm Lebensmittel.
- Freiwillige: Etwa 30 Personen im Team.
- Infrastruktur: Kostenlose Räume der Pfadi Morgarten.
Die lokale Wirkung zeigt sich nicht nur in der Menge der verteilten Lebensmittel, sondern auch in direkter Hilfe für Menschen mit knappen Budgets. Regelmässige Abgabestellen tragen darüber hinaus zur sozialen Vernetzung bei: Kundinnen und Kunden kommen in Kontakt mit Freiwilligen und erhalten neben Lebensmitteln auch Informationen über weitere Hilfsangebote.
Finanzierung und Freiwilligenarbeit
Die Abgabestelle arbeitet primär ehrenamtlich und ist auf Spenden, logistische Unterstützung und die Kooperation mit Partnern angewiesen. Die kostenlose Überlassung der Räumlichkeiten durch die Pfadi Morgarten reduziert die laufenden Kosten und ermöglicht, dass Mittel direkt in den Betrieb und die Verteilung fliessen.
Freiwillige leisten sowohl physische Arbeit beim Sortieren als auch Betreuungsarbeit. Ehrenamtliche berichten, dass der direkte Kontakt mit den Empfängerinnen und Empfängern motivierend ist und die lokale Anerkennung — etwa in Form eines Apéros durch die Gemeinde — die Teamarbeit stärkt.
| Grösse / Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Verteilte Lebensmittel | 120'000 kg |
| Freiwillige | ~30 |
| Dauer Standort | 5 Jahre |
| Abgabestellen schweizweit | 173 |
Praktische Informationen
Wer die Arbeit unterstützen möchte, findet verschiedene Möglichkeiten: freiwilliger Einsatz vor Ort, Geld- oder Sachspenden sowie die Vermittlung von Kontakten zu potenziellen Lieferanten. Konkrete Öffnungszeiten und Voraussetzungen für den Bezug von Lebensmitteln werden lokal durch die Abgabestelle geregelt.
Die Unterägerer Initiative steht exemplarisch für niedrigschwellige, gemeindenahe Lösungen zur Kombination von Umwelt- und Sozialpolitik. Indem verwertbare Lebensmittel statt auf den Müll an Menschen in Not gelangen, werden Ressourcen geschont und soziale Bedürfnisse gedeckt.
Die fünfjährige Bilanz dokumentiert sowohl das Engagement der Freiwilligen als auch den Bedarf in der Region. Die Herausforderung bleibt, das Angebot nachhaltig zu sichern und die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen und privaten Partnern auszubauen.