Der Kanton Thurgau hat das neue Schuljahr mit einer Medienfahrt in der Schule Erlen eröffnet. Während die Besetzung der Klassenlehrstellen für das kommende Schuljahr erfolgreich war, stehen die Verantwortlichen vor anderen, teils langfristigen Problemen: eine steigende Zahl von Kindern mit Sonderschulstatus und verstärktes Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten im Unterricht.
Kenndaten zum Schulstart
Am Montag begannen im Kanton Thurgau rund 33'700 Kinder und Jugendliche mit dem Schuljahr. Die kantonale Bildungsverwaltung meldete, dass alle Stellen für Klassenlehrpersonen besetzt werden konnten. Gleichzeitig nennt das Departement für Erziehung und Kultur konkrete Zahlen zur Sonderbeschulung: Für das Jahr 2025 sind rund 1'280 Kinder und Jugendliche mit Sonderschulstatus registriert.
| Kenngrösse | Wert |
|---|---|
| Schülerinnen und Schüler (Kanton Thurgau) | 33'700 |
| Sonderschulstatus (2025) | 1'280 |
Was die Behörden beunruhigt
An der Medienkonferenz in Erlen sprachen Vertreterinnen und Vertreter des Kantons offen über Herausforderungen jenseits des Lehrpersonenmangels. Regierungsrätin Denise Neuweiler machte auf Veränderungen im Verhalten von Kindern aufmerksam:
«Wir haben immer mehr Kinder im Unterricht mit Verhaltensauffälligkeiten. Kinder, die im Unterricht nicht stillsitzen können und keine Grenzen mehr kennen»
Die Aussage verdeutlicht, dass sich die Aufgaben für Lehrpersonen und Schulgemeinden verschieben: Der Unterricht müsse zunehmend soziale und verhaltensbezogene Komponenten abdecken, nicht nur fachliche Inhalte vermitteln.
- Entlastung beim Lehrpersonal: Alle Stellen für Klassenlehrpersonen sind besetzt.
- Zunahme Sonderschulquote: Rund 1'280 Kinder und Jugendliche klassifiziert mit Sonderstatus für 2025.
- Verhaltensauffälligkeiten: Mehr Kinder zeigen im Unterricht Aufmerksamkeits- und Disziplinprobleme.
Folgen für Schulen und Gemeinden
Die wachsende Zahl von Sonderschülerinnen und Sonderschülern sowie vermehrte Verhaltensauffälligkeiten haben mehrere Konsequenzen für den Schulbetrieb: Ressourcen müssen umverteilt werden, Förderangebote ausgebaut und Fachpersonal für sonderpädagogische Aufgaben bereitgestellt werden. Die Schulleitungen tragen die Verantwortung dafür, passende Rahmenbedingungen im Schulalltag zu schaffen.
Heinz Leuenberger, Präsident des Verbandes Thurgauer Schulgemeinden, betonte an der Medienveranstaltung die Eigenverantwortung der Schulen bei hitzebedingten Unterrichtsanpassungen. Auf kantonaler Ebene gebe es keine Vorgabe zur Klimatisierung von Schulräumen. Laut Leuenberger ist es Aufgabe der einzelnen Schulen, ihren Unterricht «cool» und handhabbar zu gestalten – etwa durch veränderte Pausenregeln, bewegungsorientierte Lernformen oder angepasste Raumorganisationen.
Keine Debatte über längere Sommerferien
Auch die Frage nach einer Ausdehnung der Sommerferien wurde angesprochen. Sascha Angehrn, Leiter des Amtes für Volksschule, relativierte solche Überlegungen: Als Schüler wäre eine längere Ferienzeit attraktiv, doch aus administrativer Perspektive sehe die Lage anders. Konkrete Pläne für längere Sommerferien gebe es derzeit nicht.
Was Familien und Lehrpersonen jetzt wissen sollten
Aus Sicht des Departements bedeutet die aktuelle Lage, dass Schulen, Gemeinden und Eltern in Dialog bleiben müssen. Wichtige Punkte sind:
- Frühzeitige Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus bei Verhaltensauffälligkeiten.
- Koordination zwischen Klassenlehrpersonen und sonderpädagogischen Fachkräften zur individuellen Förderung.
- Anpassung des schulischen Alltags an klimatische Bedingungen durch lokale Massnahmen, da kantonale Vorschriften fehlen.
Die Zahlen und Beobachtungen aus Erlen geben einen Einblick in die aktuelle Situation im Thurgau: Während die Personaldecke in den Klassen kurzfristig stabilisiert ist, stellen sich mittel- und langfristig die Fragen nach Ressourcenzuweisung, Prävention und einer stärkeren Zusammenarbeit aller Bildungsakteure. Die Schulen im Kanton stehen damit vor pädagogischen und organisatorischen Aufgaben, die über reine Unterrichtsplanung hinausgehen.
Der Austausch an der Medienfahrt zeigte zugleich: Es besteht Bewusstsein für die Probleme, und die Verantwortlichen sehen Schulen, Gemeinden und Eltern in der Pflicht, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.