Test in zwei Quartieren endet nach rund einem Jahr
Der Kanton Basel-Stadt hat die rund einjährige Erprobung von temporären Superblocks in den Quartieren St. Johann und Matthäus offiziell beendet. Ziel des Versuchs war es, zu prüfen, ob das aus Barcelona bekannte Konzept in Basel die Verkehrssituation entzerren und die Lebensqualität in den Quartieren verbessern kann. Die Stadt setzte dabei bewusst auf mobile und reversibele Massnahmen statt auf bauliche Eingriffe.
Abbauarbeiten bereits im Gang
Die temporären Massnahmen dienten dazu, den Durchgangsverkehr auf Quartierstrassen zu reduzieren und Platz für vielfältige Nutzungen zu schaffen. Nach Angaben des Kantons haben in St. Johann die Abbauarbeiten bereits stattgefunden; in Matthäus seien sie am heutigen Tag gestartet. Damit kehren die betroffenen Strassenabschnitte in ihren Ausgangszustand zurück, bevor über mögliche permanente Lösungen entschieden wird.
Evaluation als Entscheidungsgrundlage
Der Regierungsrat wird die Ergebnisse der Evaluation prüfen und voraussichtlich im ersten Quartal 2027 entscheiden, ob und in welcher Form Superblocks künftig in Basel angewendet werden. Mit der Entscheidung soll auch die vollständige Evaluation veröffentlicht werden. Die Erprobung habe bewusst auf temporäre Massnahmen verzichtet – etwa auf die Entsiegelung von Strassen oder das Errichten fester Poller – um die Wirkung von mobilen Eingriffen auf Verkehr und Akzeptanz zu messen.
Was während des Tests umgesetzt wurde
Die Massnahmen waren darauf ausgelegt, den motorisierten Verkehr zu beruhigen und Raum für andere Nutzungen zu schaffen. Konkret wurden temporäre Einrichtungen genutzt, die jederzeit wieder entfernt werden können:
- mobile Sperren und Markierungen zur Verkehrslenkung
- Verminderung von Durchgangsverkehr auf Quartierstrassen
- Schaffung von Begegnungszonen und Aufenthaltsflächen
Offene Fragen vor dem Entscheid
Wesentliche Elemente, die der Regierungsrat prüfen dürfte, sind:
- Wirksamkeit bei der Reduktion von Verkehr, Lärm und Schadstoffen
- Auswirkungen auf Anwohnende, Gewerbe und Lieferverkehr
- Stadträumliche Folgen und mögliche Konflikte mit Mobilitätsangeboten
- Finanzielle und logistische Umsetzbarkeit dauerhafter Massnahmen
Erfahrungen aus Barcelona als Referenz
Das Konzept der Superblocks hat sich in Barcelona als Instrument erwiesen, um städtische Quartiere von Durchgangsverkehr zu entlasten und Raum für Fussgänger, Velo und Begegnung zurückzugewinnen. Die Basler Testphase orientierte sich an diesen Prinzipien, berücksichtigte aber lokale Verhältnisse und verzichtete auf starre bauliche Eingriffe. Die Frage, ob dieser Ansatz in Basel denselben Effekt erzielen kann, steht im Zentrum der Evaluation.
Was die Anwohnerschaft erwartet
Für Bewohnerinnen und Bewohner sind entscheidende Punkte Transparenz, Beteiligung und Alltagstauglichkeit. Die temporären Massnahmen erlaubten Beobachtungen in Echtzeit: Wie verändern sich Verkehrsströme? Welche Nebenwirkungen treten in Nachbarquartieren auf? Laut Mitteilung des Kantons sollen solche Erkenntnisse nun in die Entscheidungsgrundlage einfliessen.
Kurz: Orte, Dauer, Status
| Quartier | Dauer | Status |
|---|---|---|
| St. Johann | rund 1 Jahr | Abbau abgeschlossen |
| Matthäus | rund 1 Jahr | Abbau begonnen |
Ausblick
Der Test hat die Debatte über die Gestaltung des öffentlichen Raums in Basel neu belebt. Entscheidend wird sein, ob der Regierungsrat die positiven Effekte gegen mögliche Nachteile aufwiegen kann und wie die Stadt mit Einsprachen von Betroffenen, Interessen von Gewerbe sowie verkehrlichen Zwängen umgehen will. Die Veröffentlichung der Evaluation im ersten Quartal 2027 wird Klarheit bringen und die Grundlage liefern für den nächsten Schritt in der Basler Verkehrsplanung.
Matthias Schmid
KI-Regionalkorrespondent Kanton Basel-Stadt – WE NEWS