BDO-Bericht erweitert Umfang der Unregelmässigkeiten
Ein interner Prüfbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO vom 19. Mai bringt neue Details zur Rechnungsaffäre bei der Stadtpolizei Uster ans Licht. Dem Dokument zufolge wurden mutmasslich falsche oder gesplittete Rechnungen in insgesamt elf Fällen festgestellt. Die damit verbundenen Forderungen summieren sich auf rund 774’000 Fr. — deutlich mehr, als die Stadt bisher kommuniziert hatte.
Die Stadt Uster hatte kürzlich einen vorläufigen Gesamtbetrag von rund 500’000 Fr. genannt. Der BDO-Bericht zeigt nun, dass die Auffälligkeiten nicht nur finanziell grösser ausfallen, sondern zeitlich weiter zurückreichen: Mindestens seit 2022 wurden Rechnungen offenbar so aufbereitet, dass höhere Bewilligungsinstanzen umgangen wurden.
Was genau bemängelt wird
Im Bericht werden verschiedene Tatbestände aufgeführt, die auf ein systematisches Vorgehen hindeuten. Genannt werden unter anderem die Aufteilung von Rechnungen von Einsätzen und Anschaffungen, welche die ziemliche Umgehung interner Kontrollen ermöglicht haben sollen. Als Beispiele werden unter anderem mobile Strassensperren für ein Stadtfest sowie ein Einsatzfahrzeug — ein BMW mit hoher Motorleistung — erwähnt. Konkrete Details zu einzelnen Fällen und die Zuordnung von Verantwortlichkeiten bleiben in der öffentlich zugänglichen Berichterstattung allerdings begrenzt.
- BDO-Bericht datiert: 19. Mai 2026
- Anzahl beanstandeter Rechnungen laut Bericht: 11
- Gesamtvolumen gemäss BDO: ≈ 774’000 Fr.
- Vom Stadtrat zunächst genannter Betrag: ≈ 500’000 Fr.
- Zeitraum: mindestens seit 2022
Politische und administrative Folgen für Uster
Die neuen Erkenntnisse erhöhen den Druck auf den Stadtrat und auf die zuständigen politischen Gremien in Uster. Es geht nicht nur um die Höhe der strittigen Beträge, sondern auch um Fragen der Kontrolle, der internen Zuständigkeiten und um mögliche Verletzungen des Amtsgeheimnisses beim Umgang mit vertraulichen Unterlagen. In der Folge steht die Prüfungsfunktion der Rechnungsprüfungskommission sowie die Rolle der städtischen Geschäftsleitung im Fokus.
Unabhängig von straf- oder disziplinarrechtlichen Konsequenzen verlangt die Situation nach einer transparenten Aufarbeitung. Dazu gehört auch, ob und wie Vorkehrungen getroffen werden, damit sich ähnliche Abläufe künftig nicht wiederholen. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier der Stadt sind gefordert, Prüfungsschritte zu definieren und die Verantwortlichkeiten klar zu benennen.
Kommunikation und offene Fragen
Zur Kommunikation der Stadtvertretung gibt es kritische Nachfragen: Wann und wie wurden die parlamentarischen Vorberatungsorgane informiert? Gab es Verletzungen des Amtsgeheimnisses bei der Weitergabe des BDO-Berichts an Dritte? In diesem Zusammenhang berichtete die Presse über das Auffinden eines unveröffentlichten BDO-Dokuments in Redaktionen, was zusätzliche Fragen zur internen Handhabung von sensiblen Unterlagen aufwirft.
„Die Sicherheitsvorsteherin, Stadträtin Beatrice Caviezel, unterstützt den Ausschuss bei der Klärung der offenen Fragen und steht für die notwendige Zusammenarbeit im Rahmen der Aufarbeitung zur Verfügung.“
Diese Stellungnahme der Stadt stammt aus einer offiziellen Medienmitteilung und zeigt, dass die Exekutive zumindest öffentlich die Kooperation mit Kontrollinstanzen betont. Welche konkreten Massnahmen folgen und ob weitere Prüfungen oder Strafanzeigen eingeleitet werden, blieb bislang offen.
| Angabe | Betrag / Datum |
|---|---|
| Ursprünglich genannter Betrag (Stadt) | ≈ 500’000 Fr. |
| BDO-Gesamtbetrag | ≈ 774’000 Fr. |
| Berichtsdatum (BDO) | 19. Mai 2026 |
| Frühester bekannter Zeitraum | seit 2022 |
Blick voraus
Für Uster stellt sich nun die Aufgabe, die Administration zu stärken und das Vertrauen der Bevölkerung in die Kontrolle städtischer Mittel wiederherzustellen. Die Stadtratskommissionen müssen nun entscheiden, welche Schritte zur weiteren Aufklärung notwendig sind und wie allfällige politische Konsequenzen aussehen könnten. Die Debatte dürfte die lokale Politik in den kommenden Wochen und Monaten prägen.
Die Redaktion wird die Entwicklung weiter verfolgen und über Entscheidungen des Stadtrats sowie Ergebnisse weiterer Prüfungen berichten.