Nach der tödlichen Schiesserei an einer Raveparty in Aarau hat der Veranstalter das auf dem Gelände eingesetzte Sicherheitskonzept verteidigt und gleichzeitig politischen Handlungsbedarf angemahnt. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung bezeichnete Olivier Grein, Geschäftsführer von Urban Agency Events, die Vorkehrungen vor Ort als angemessen, wies aber darauf hin, dass Grenzen dort lägen, wo ein bewaffneter Angriff von aussen erfolge.
Veranstalter sieht Grenzen der privaten Sicherheit
Gemäss Grein könne man einen «bewaffneten Angriff auf eine grosse Menschenmenge» nur mit einem «riesigen Polizeiaufgebot» verhindern. Zugleich betonte er, dass es richtig sei, dass Eventveranstalter keine bewaffneten Einsatzkräfte beschäftigten. Die Zuständigkeiten seien klar verteilt: Der Veranstalter sorge für die Sicherheit innerhalb des Geländes, die Polizei für den Umkreis.
«Einen bewaffneten Angriff auf eine grosse Menschenmenge kann man höchstens mit einem riesigen Polizeiaufgebot verhindern»
Forderung an die Politik: Datenschutz vs. Prävention
Der Veranstalter übte zudem Kritik an der aktuellen Abwägung zwischen Datenschutz und Verbrechensprävention. Er habe «das Gefühl, dass der Daten- und Persönlichkeitsschutz höher gewichtet wird als das Verhindern von Verbrechen», sagte Grein. In diesem Punkt sieht er dringenden Handlungsbedarf und richtet seine Forderung nicht nur an Veranstalter von Raves, sondern an Verantwortliche für Veranstaltungen «vom Grümpelturnier bis zum Stadionkonzert».
Hervorgehobenes Verhalten der Sicherheitsleute
Trotz der Tragödie lobte Grein das Verhalten des eingesetzten Sicherheitspersonals. Er sagte, die Sicherheitsleute hätten während andauernder Schüsse die Notausgänge geöffnet, damit Besucherinnen und Besucher in alle Richtungen flüchten konnten. Diese Massnahme habe Schlimmeres verhindert, obwohl das Öffnen von Notausgängen Teil ihrer Aufgabe sei. Zudem habe der Projektleiter der Veranstaltung eine verletzte Person in Sicherheit gebracht und Erste Hilfe geleistet.
- Opfer: Eine 22-jährige Italienerin wurde tödlich getroffen.
- Verletzte: Fünf Personen wurden teils schwer verletzt.
- Polizeiliche Massnahme: Die Kantonspolizei verhaftete einen Tatverdächtigen.
| Fakten | Stand |
|---|---|
| Getötete | 1 (22-jährige Italienerin) |
| Verletzte | 5 teils schwer verletzt |
| Festnahmen | 1 Tatverdächtiger (verhaftet) |
Regionale Konsequenzen und offene Fragen
Der Vorfall hat in Aarau und der Region Aargau Bestürzung ausgelöst. Die Forderung des Veranstalters richtet den Blick auf die Frage, wie öffentliche Sicherheit bei Grossanlässen künftig gewährleistet werden soll. Entscheidend wird sein, wie Politik und Sicherheitsbehörden auf die Forderungen reagieren. Diskussionen dürften verschiedene Bereiche betreffen:
- Die Zusammenarbeit zwischen Veranstaltern und Polizei bei Grossveranstaltungen;
- Regulatorische Anpassungen im Bereich Prävention und Überwachung unter Berücksichtigung des Datenschutzes;
- Die Aus- und Weiterbildung des privaten Sicherheitssektors für Ausnahmesituationen.
Die Kantonspolizei hat bislang einen Tatverdächtigen verhaftet. Die Ermittlungen zur Tatnacht laufen; Details zur Tatmotivation und zum Tathergang veröffentlichte die Polizei bis dato nur eingeschränkt. Welche Massnahmen Bund und Kanton allenfalls prüfen werden, ist offen. Klar ist jedoch, dass das Ereignis in Aarau weitreichende Fragen zu Sicherheitskonzepten bei öffentlichen Anlässen aufwirft.
Für viele Veranstalter, Sicherheitsverantwortliche und politische Entscheider steht jetzt die Frage im Raum, wie Gefahren für grosse Menschenansammlungen besser erkannt und verhindert werden können, ohne dabei grundlegende Freiheitsrechte unverhältnismässig einzuschränken. Die aktuelle Debatte wird in den kommenden Tagen und Wochen sowohl in politischen Gremien als auch in der Veranstaltungsbranche eine wichtige Rolle spielen.