Das OpenAir St.Gallen hat seinen Besucherinnen und Besuchern dieses Jahr die An- und Abreise im Ticket inkludiert und erreicht damit einen hohen Anteil an Reisenden mit öffentlichem Verkehr. Von den insgesamt 105'000 verkauften Tageseintritten reisten laut Auswertung an den vier Festivaltagen vier von fünf Gästen mit dem öV, was einem Anteil von rund 80 Prozent entspricht.
Strategie: öV in den Preis integrieren
Seit 2024 ist beim OpenAir St.Gallen der landesweite öffentliche Verkehr im Festivalticket enthalten. Beim Billettkauf erhalten Besucherinnen und Besucher einen SBB-Code für ein Gratisbillett. Die Veranstalterin, die Gadget Entertainment Group AG, finanziert die Anreise überwiegend selbst und investierte in diesem Jahr einen sechsstelligen Betrag in die Massnahme.
Die Massnahme hat unmittelbare Effekte auf die Infrastruktur: Dank der hohen Nutzung des öV konnten die Anzahl Parkplätze reduziert werden. Für die Stadt und die Region bedeutet dies weniger Verkehr, weniger Flächenverbrauch für Parkplätze und eine Entlastung des lokalen Strassennetzes an Festivaltagen.
Entwicklungen im Zeitvergleich
Die Daten zeigen einen deutlichen Wandel beim Mobilitätsverhalten an Grossanlässen. Ein Vergleich aus verfügbaren Zahlen:
| Jahr | öV-Anteil |
|---|---|
| 2004 | 43% |
| 2014 (mit 50% Rabatt) | 72% |
| 2026 (Vollintegration) | ~80% |
Die Zahlen verdeutlichen, dass sich der Modalanteil für den öV mit klaren Anreizsystemen markant erhöhen lässt. Die Vollintegration des öV scheint gegenüber Rabatt- oder Teilmodellen einen besonders starken Effekt zu haben.
Modelle und Akteure
Neben der nationalen Vollintegration gibt es unterschiedliche Modelle, wie Veranstalter Mobilität steuern können:
- Regionale Vollintegration (z. B. mit ZVV-Zonen bei THE HALL in Dübendorf seit 2023)
- Mobilitätsbeiträge durch Veranstalter (Lucerne Festival, Stars in Town Schaffhausen)
- Eintrittsermässigungen gekoppelt an Nutzung des öV
Die RailAway AG erstellt jährlich Verkehrskonzepte für rund 700 Veranstaltungen mit jeweils mehr als 1'000 Teilnehmenden; bei rund 40 dieser Anlässe ist der öV im Ticket enthalten. Andreas Eggimann, Teamleiter Markt Events bei RailAway, nennt als durchschnittlichen öV-Modalanteil bei Events 28 Prozent. RailAway plant im Herbst, der Branche neue Modelle vorzuschlagen, die eine noch stärkere Beteiligung von Veranstaltern und weiteren Akteuren ermöglichen sollen.
Regionale Bedeutung und praktische Folgen
Für die Ostschweiz und die Stadt St. Gallen hat das Ergebnis mehrere praktische Folgen: Weniger Parksuchverkehr an den Festivaltagen reduziert lokale Emissionen und Lärm sowie den Druck auf innerstädtische Verkehrsachsen. Gleichzeitig verschieben sich Kosten: Die Veranstalterin übernimmt nun einen Teil der Mobilitätskosten, was sich in einem höheren Organisationsaufwand und direkt finanziellen Aufwendungen niederschlägt.
Für die Besucherinnen und Besucher bedeutet die Integration mehr Komfort und planbare Anreise. Für Pendlerinnen und Pendler sowie Anrainer kann die Massnahme zu weniger Beeinträchtigungen führen, weil der Parkraumbedarf sinkt und Stellplätze temporär anders genutzt werden können.
Ausblick
Die Erfahrungen aus St.Gallen liefern ein konkretes Beispiel für andere Grossanlässe in der Schweiz. Sollte RailAway im Herbst neue Modelle präsentieren, könnten Veranstalter vermehrt in die Pflicht genommen oder in die Lage versetzt werden, Mobilitätskosten mitzutragen. Dabei bleibt offen, wie sich Preisgestaltung, Ticketverkauf und kommunale Verkehrsplanung koordinieren lassen, um die Akzeptanz bei den Besucherinnen und Besuchern zu erhalten.
Für die Region ist relevant, dass nachhaltige Mobilitätslösungen nicht alleine eine ökologische Frage sind, sondern auch Aspekte der Logistik, Kostenverteilung und Stadtplanung betreffen. Das OpenAir St.Gallen zeigt, dass eine konsequente Integration des öV in das Festivalticket einen spürbaren Wandel beim Anreiseverhalten bewirken kann.