Eine grossflächige ölhaltige Verunreinigung hat sich nach Angaben aus Italien auf einer Länge von rund 28 Kilometern durch den Naviglio Grande und angrenzende Wasserläufe in der Region Mailand gezogen. Die kontaminierte Substanz, die aus dem Raum Magenta stammen soll, erreichte Teile der historischen Kanäle und drohte, in die Darsena im Stadtzentrum einzutreten. Einsatzkräfte konnten die Hauptfracht jedoch vor dem Hafenbecken bündeln und absaugen.
Koordinierter Einsatz von Rettungsdiensten und Wasserbehörden
Am Samstag arbeiteten Feuerwehr, Zivilschutz sowie die Behörden der Region Lombardei und der Stadt Mailand gemeinsam mit der Metropolitanstadt Mailand und dem für Wasserwege zuständigen Konsortium Est Ticino Villoresi an der Eindämmung. Entlang des Kanals wurden mehrere schwimmende Sperren und saugfähige Barrieren installiert. Mit Saugfahrzeugen entfernten die Einsatzkräfte kontaminierte Flüssigkeiten und Materialien; die Stadt berichtete, dass mehr als vier Tankwagen mit belastetem Material zur Behandlung abtransportiert worden seien.
Besonders wichtig war demnach der Einsatz an einer Schleuse an der Via Conchetta. Dort habe man die ölige Masse gebündelt und so weit wie möglich abgepumpt. Auch im Bereich der Canottieri Milano legten die Einsatzkräfte über mehrere hundert Meter Sperren aus, um oberflächlich treibende Stoffe und belastete Algen zurückzuhalten. Nach Darstellung des Mailänder Sicherheits- und Zivilschutzdezernenten habe man durch diese Massnahmen «nahezu die gesamte Schadstofffracht blockiert, bevor sie die Darsena erreichen konnte»; in der Darsena seien lediglich kleinere oberflächliche Rückstände und schillernde Ölfilme festgestellt worden, die mit saugfähigem Material aufgenommen würden.
Auswirkungen auf angeschlossene Gewässersysteme und weiterer Kontext
Den Behörden zufolge konnte ein Übertritt in den Naviglio Pavese sowie in angeschlossene Bewässerungssysteme verhindert werden. Damit minimierten die Massnahmen das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Verschmutzung in hydrologisch verbundene Bereiche. Solche Einsätze zielen primär darauf ab, die Oberfläche zu säubern, treibende Filme zu entfernen und eine Ausbreitung zu verhindern – ganz zu beheben sind Umweltschäden dieser Art aber oft nicht kurzfristig.
In Medienberichten wurde zudem geprüft, ob Abwasserarbeiten oder ein Brand auf einem ehemaligen Industriegelände als Ursache infrage kommen. Offizielle Ermittlungsergebnisse zu Herkunft und Verantwortlichen lagen zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht vor. In den vergangenen Wochen gab es Berichte über weitere Ölalarme in europäischen Gewässern; Behörden stehen deshalb vor der Herausforderung, rasch zu reagieren und gleichzeitig die Herkunft der Schadstoffe zu klären.
- Betroffene Länge: rund 28 km des Naviglio Grande
- Transportierte Kontamination: mehr als vier Tankwagen mit belastetem Material
- Eindämmungsmassnahmen: schwimmende Sperren, saugfähige Barrieren, Saugfahrzeuge, Pumpen an Schleusen
| Massnahme | Wirkung |
|---|---|
| Schwimmende Sperren | Zurückhalten treibender Stoffe |
| Saugfahrzeuge / Tankwagen | Abtransport kontaminierter Flüssigkeiten |
| Pumpen an Schleusen | Bündelung und Abpumpen der Ölmasse |
Für die Schweiz ist ein solcher Vorfall in Norditalien aus zwei Gründen relevant: Zum einen veranschaulicht er die Anfälligkeit städtischer Gewässersysteme für punktuelle Schadstoffeinträge, die rasche technische und organisatorische Massnahmen erfordern. Zum anderen zeigt er, wie wichtig die internationale und regionale Kooperation von Einsatzkräften und Wasserbehörden ist, um grenzüberschreitende Umweltauswirkungen zu begrenzen. Flüsse und Bewässerungssysteme sind oft miteinander vernetzt; deshalb können Vorfälle in einem Einzugsgebiet Folgen für angrenzende Regionen haben, auch wenn in diesem Fall ein Übertritt in weitere Bewässerungsstränge verhindert wurde.
Die Ermittlungen zur Ursache laufen. Behördenübergreifende Untersuchungen werden klären müssen, ob technische Arbeiten, ein Brand oder andere Gründe den Austritt verursacht haben. Langfristig bleibt die Frage, wie städtische Infrastruktur und Industrieflächen so gestaltet und überwacht werden können, dass das Risiko ähnlicher Vorfälle verringert wird. Bis zu einem endgültigen Ergebnis stehen Kontrolle, Eindämmung und Reinigung der betroffenen Wasserflächen im Vordergrund.